Presseschau zur aktuellen Kriegsgefahr in der Golfregion

Gespeichert von Webmaster am So., 29.11.2020 - 07:44

Liebe Friedensinteressierte, aus aktuellem Anlass habe ich einige Auszüge aus Artikeln und Büchern zu folgenden Themen zusammengestellt:

1. Gezielte Tötungen von iranischen Atom- und Raketenexperten sowie Anschläge seit 2010

2. Presse-Zusammenstellung nach der Ermordung von Mohsen Fakhrizadeh

3. Buchhinweise zum Verhältnis Israel und Iran mit tieferliegenden Hintergründen

Die nächsten Wochen bis zur Amtsübernahme von Joe Biden am 20.1.2021 werden von großen internationalen Spannungen geprägt sein - insbesondere in der Golfregion.

Die Vermeidung eines Krieges in der Region zählt derzeit m.E. zu den größten Herausforderungen der Politik. Zu besonnenem Friedenshandeln zählt die Kenntnis von Hintergründen und einer Betrachtung der Konflikte von vielen Seiten.

1. Gezielte Tötungen von iranischen Atom- und Raketenexperten sowie Anschläge seit 2010

https://www.sueddeutsche.de/politik/mysterioeser-angriff-auf-militaerbasis-geheimer-krieg-gegen-iran-1.1241520

22.12.2011

Geheimer Krieg gegen Iran

Bei einer Explosion starb im November der Chef des iranischen Raketenprogramms. Es gibt Indizien dafür, dass dies kein Unfall, sondern ein gezielter Angriff war. Experten vermuten, dass der israelische Geheimdienst Mossad dahinterstecken könnte. (...)

Von Paul-Anton Krüger

General Hassan Teherani Moghaddam war ein bedeutender Mann in Iran. (…) Der General war bei den Garden verantwortlich für das Raketenprogramm, mithin einer der wichtigsten Männer der Elitetruppe. (…)

General Moghaddam, die Personifizierung dieses Programms, starb am 12. November, als eine oder mehrere schwere Explosionen einen Militärstützpunkt nahe der Ortschaft Bidganeh erschütterten, etwa 40 Kilometer südwestlich von Teheran. Schnell spekulierten Zeitungen in Israel, der legendäre Mossad habe die Hand im Spiel gehabt. (…)

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https://www.sueddeutsche.de/politik/attentate-auf-iranische-atomwissenschaftler-deckname-bajonett-1.1406614

9. Juli 2012, 15:39 Uhr Attentate auf iranische Atomwissenschaftler: Deckname "Bajonett" Wer steckt hinter der Ermordung von mindestens vier iranischen Atomwissenschaftlern? Bislang hieß es, iranische Dissidenten, angeheuert vom Mossad, hätten die Attentate verübt. Ein neues Buch widerspricht.

Michael König

(…)

"Die Attentate hatten ein klares psychologisches Ziel: Sie sollten den iranischen Wissenschaftlern klarmachen, dass die Arbeit für das Nuklarprogramm gefährlich ist", schreiben die Buchautoren Raviv und Melman.

"Auf diese Weise teilte ihnen der Mossad mit: Bleibt in euren Klassenräumen. Macht eure akademische Arbeit, veröffentlicht Aufsätze, genießt das Leben an der Uni. Aber helft Iran nicht bei der Bombe. Sonst könnte eure Karriere verkürzt werden.“ (…)

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https://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-und-das-atomprogramm-seltsame-explosionen-erschuettern-das-land-a-0fde8499-4f27-4477-af82-325dd6b4c4be

Streit über Atomprogramm in Iran Der Schattenkrieg Eine Atomanlage war betroffen, ebenso ein Stromkraftwerk und eine Wasseranlage: Feuer und Explosionen in Iran werfen Rätsel auf. Gleichzeitig spitzt sich der Streit über das internationale Atomabkommen zu.

07.07.2020, 22.01 Uhr

• Am 26. Juni gab es eine heftige Explosion bei Teheran. Satellitenaufnahmen zeigen, dass die Raketenproduktionsstätte Khojir betroffen war - auch wenn die iranische Führung behauptet, es habe sich um eine Gasexplosion auf einem anderen Militärstützpunkt gehandelt.

• Am 2. Juli brach ein gewaltiges Feuer in der Atomanlage in Natanz aus. Der Brand habe "beachtliche Schäden" angerichtet, hieß es aus Iran, und das Atomprogramm um Monate zurückgeworfen. Die "New York Times" zitierte einen "Geheimdienstbeamten aus dem Nahen Osten" mit der Erklärung, Israel habe eine Bombe in Natanz gezündet.

(…) Vor sechs Monaten standen die USA und Iran schon kurz vor einem Krieg, nachdem Trump den iranischen Militärführer Qasem Soleimani in Bagdad töten ließ - und Iran mehrere von US-Soldaten genutzte Militärposten im Nahen Osten angriff.

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https://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-qasem-soleimani-der-mann-ohne-schatten-a-1303551.html Getöteter Topgeneral Qasem Soleimani (…) 03.01.2020, 16.14 Uhr Er war der mächtigste Stratege in Irans Kampf um den Nahen Osten, nun haben die USA Qasem Soleimani gezielt getötet. (…)

Vergangene Nacht starb Soleimani im Raketenbeschuss einer amerikanischen Drohne auf dem Areal des Flughafens in Bagdad. Mit ihm starb Abu Mahdi al-Muhandis, einer der beiden mächtigsten irakischen Milizkommandeure und seit Jahrzehnten Teherans Mann in Bagdad. (…)

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Anfang Januar 2021 jährt sich die Ermordung von General Qasem Soleimani und Abu Mahdi al-Muhandis - und sowohl in Iran als auch im Irak werden Gedenkveranstaltungen stattfinden, die nach der Ermordung von Mohsen Fakhrizadeh eskalieren könnten, z.B. gegen die US-Botschaft im Irak.

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2. Presse-Zusammenstellung nach der Ermorderung von Mohsen Fakhrizadeh

https://www.sueddeutsche.de/meinung/iran-attentat-mohsen-fakhrizadeh-israel-1.5130766

27. November 2020, 20:48 Uhr Attentat auf iranischen Atomphysiker: Es droht erneut ein Krieg im Nahen Osten

Der tödliche Anschlag auf Mohsen Fakhrizadeh ist allenfalls mit dem auf den Revolutionsgarden-General Qassem Soleimani zu vergleichen. Teheran wird die Attacke nicht unbeantwortet lassen.

Kommentar von Paul-Anton Krüger

Mohsen Fakhrizadeh war in Iran der wichtigste Mann des militärischen Atomprogramms. Ihm verdankt die Islamische Republik, dass sie an der Schwelle zur Nuklearmacht steht. Nun ist er offenkundig bei einem Anschlag getötet worden. Wenn sich die iranischen Angaben als zutreffend erweisen, ist die Bedeutung dieses Attentats kaum zu überschätzen. In Iran sind eine Reihe von Atomwissenschaftlern umgebracht worden, Fakhrizadehs Tötung aber ist allenfalls mit der des Revolutionsgarden-Generals Qassem Soleimani zu vergleichen. Der US-Drohnenangriff auf ihn Anfang des Jahres hatte die Region an den Rand eines Krieges gebracht. (…)

Teheran wird diese Attacke nicht ohne Antwort lassen, ganz gleich ob das Regime die Verantwortlichen ausfindig zu machen vermag oder nicht. Die Revolutionsgarden können von Libanon, Irak, Syrien oder Jemen aus losschlagen gegen US-Ziele, US-Verbündete oder direkt gegen Israel. Wieder ist das Risiko groß, dass daraus ein neuer Krieg im Nahen Osten entbrennt.

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https://taz.de/Nach-Attentat-auf-Atomwissenschaftler/!5731990/

28. 11. 2020 Nach Attentat auf Atomwissenschaftler: Iran kündigt Vergeltung an (…) Die New York Times berichtete, auch ein US-Vertreter und zwei Geheimdienstmitarbeiter hätten erklärt, dass Israel hinter dem Attentat stehe. Es sei unklar, ob die US-Regierung vorher informiert gewesen sei, doch beide Staaten seien engste Verbündete.

Wenige Stunden nach dem Angriff auf den Wissenschaftler teilte das US-Verteidigungsministerium mit, der US-Flugzeugträger „USS Nimitz“ sei zurück in die Region beordert worden. Das war insofern ungewöhnlich, als dass die „USS Nimitz“ schon monatelang dort im Einsatz war. Als Grund wurde vom Pentagon der geplante Abzug von US-Soldaten aus dem Irak und Afghanistan genannt. Es sei nur umsichtig, sich auf Notsituationen vorzubereiten, hieß es. (…)

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https://www.sueddeutsche.de/politik/iran-fakhrizadeh-bombe-attentat-israel-1.5130713

27. November 2020, 18:22 Uhr Mohsen Fakhrizadeh: Tödlicher Anschlag auf iranischen Nuklearwissenschaftler

(…) Der Atomphysiker galt Geheimdienstlern als "most wanted man in Iran" und "Vater der iranischen Bombe". Der General, der 59 Jahre alt wurde, soll sich als junger Mann den Revolutionsgarden angeschlossen haben und maßgeblich daran beteiligt gewesen sein, dass Iran nach Ansicht westlicher Geheimdienste ein komplettes und funktionsfähiges Sprengkopf-Design entwickelt und zumindest Komponenten davon auch getestet hat. Lange hatte er an der Imam-Hussein-Universität in Teheran Physik unterrichtet, einer Kaderschmiede des Militärs. Trotzdem gab es kein öffentlich bekanntes Foto von ihm.

"Merken Sie sich diesen Namen!" hatte Israels Premier Benjamin Netanjahu gesagt

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu zeigte dann im Frühjahr 2018 erstmals ein Bild von ihm - Anfang 2017 hatten Agenten des Geheimdienstes Mossad bei einem spektakulären Einbruch in ein Lagerhaus in einem Außenbezirk der iranischen Hauptstadt Zehntausende Seiten von Dokumenten über das geheime militärische Atomprogramm erbeutet. (…)

Netanjahu sagte damals, Fakhrizadeh habe bis zuletzt unter der Kontrolle des Militärs und mit Wissen höchster Regierungsstellen weitergearbeitet - nicht aber woran genau. "Merken Sie sich diesen Namen!", fügte er hinzu. (…)

https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/anschlag-nahe-teheran-iranischer-atomphysiker-ermordet-17074204.html

Aktualisiert am 27.11.2020-19:11

(…) Erst in der vergangenen Woche hatte sich der amerikanische Außenminister Mike Pompeo in Israel und Saudi-Arabien aufgehalten. Beide Staaten sind tief verfeindet mit Iran. In Saudi-Arabien soll sich Netanjahu dabei mit Kronprinz Muhammad Bin Salman getroffen haben.

Dies veranlasste den früheren israelischen Militärgeheimdienstchef Amos Jadlin Freitagabend zu der Aussage, „umgehend stellt sich die Frage“, ob das Attentat und diese Treffen in Zusammenhang stünden. „Im Zeitfenster, das Trump bleibt, könnte solch ein Schritt Iran zu einer gewaltsamen Antwort führen, die einen Vorwand für einen von Amerika geführten Schlag gegen die Nuklearanlagen bieten würde“, so Jadlin. (…)

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https://www.nytimes.com/2020/11/27/world/middleeast/iran-nuclear-scientist-killed.html Gunmen Assassinate Iran’s Top Nuclear Scientist in Ambush, Provoking New Crisis Iran expressed fury over the killing of Mohsen Fakhrizadeh, blaming it on Israel and the United States. His death may complicate President-elect Biden’s intention to restore the Iranian nuclear deal.

Published Nov. 27, 2020 Updated Nov. 28, 2020, 3:50 a.m. ET

(…) One American official — along with two other intelligence officials — said that Israel was behind the attack on the scientist. It was unclear how much the United States may have known about the operation in advance, but the two nations are the closest of allies and have long shared intelligence regarding Iran, which Israel considers its most potent threat. (…)

On Friday night, Iran sent a letter to U.N. Secretary General Antonio Guterres, condemning what it called “a terrorist attack” and warning that the country “reserves its rights to take all necessary measures to defend its people and secure its interests.” (…)

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Auch Haaretz berichtet über die US-Quellen, welche die isrealische Regierung verantwortlich machen für die Ermordung - unter Berufung auf die New York Times:

https://www.haaretz.com/israel-news/iran-s-rohani-accuses-israel-for-killing-of-top-nuclear-scientist-1.9333041

(…) The New York Times cited three intelligence officials who say Israel, who made no official statement on Fakhrizadeh's death, was behind the shooting attack. (…)

https://www.aljazeera.com/news/2020/11/27/mohsen-fakhrizadeh-who-was-the-assassinated-iranian-scientist

27 Nov 2020

(…) In 2018, Israeli broadcaster Kan carried an interview with former Prime Minister Ehud Olmert in which he hinted Fakhrizadeh could be a target. “I know Fakhrizadeh well. He doesn’t know how well I know him. If I met him in the streets most likely I would recognise him,” he said. “He does not have immunity, he did not have immunity, and I don’t think he will have immunity.” (…)

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https://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-droht-nach-attentat-auf-atomphysiker-auf-mohsen-fakhrizadeh-mit-fuerchterlicher-rache-a-be7f95c4-68c8-4ca0-bd4d-506f8d252869 Iranischer Atomphysiker getötet Irans Armee droht mit »fürchterlicher Rache« – Uno mahnt zur Zurückhaltung Für das Attentat auf den iranischen Atomwissenschaftler Mohsen Fakhrizadeh gibt Iran Israel die Schuld – und kündigt Vergeltung an. Der Uno-Generalsekretär warnt vor einer Eskalation des Konflikts.

28.11.2020, 05.09 Uhr

(…) Ex-CIA-Chef verurteilt Tötung als »kriminellen Akt« Der frühere CIA-Chef John Brennan verurteilte das tödliche Attentat. Es handele sich dabei um einen »kriminellen Akt und ein höchst rücksichtsloses« Vorgehen, schrieb Brennan auf Twitter.

»Ich weiß nicht, ob eine ausländische Regierung die Ermordung Fakhrizadeh angeordnet oder ausgeführt hat«, schrieb Brennan mit Blick auf die Vorwürfe der iranischen Regierung. »Ein solcher Akt von staatlich gefördertem Terrorismus wäre eine eklatante Verletzung des Völkerrechts und würde weitere Regierungen dazu ermutigen, tödliche Attacken gegen ausländische Regierungsbeamte auszuführen.« (…)

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https://www.tagesspiegel.de/politik/nach-toedlichem-anschlag-auf-atomwissenschaftler-iranische-streitkraefte-drohen-israel-mit-fuerchterlicher-rache/26666850.html

Update 11:01 Uhr Nach tödlichem Anschlag auf Atomwissenschaftler Iranische Streitkräfte drohen Israel mit „fürchterlicher Rache“ (…) Der iranische Präsident Hassan Ruhani wirft Israel die Tötung des Atomwissenschaftlers Mohsen Fachrisadeh vor. Einmal mehr seien die bösen Hände der globalen Arroganz mit dem Blut des zionistischen Regimes befleckt worden, erklärte Ruhani am Samstag dem staatlichen Fernsehen zufolge und nutzte den in der iranischen Führung gängigen Begriff für Israel.

"Die Ermordung des Märtyrers Fachrisadeh zeigt die Verzweiflung unserer Feinde und die Tiefe ihres Hasses", sagte Ruhani. "Sein Martyrium wird unsere Erfolge nicht verlangsamen."

Es gebe "ernsthafte Hinweise" auf eine Beteiligung Israels an dem Anschlag auf Mohsen Fachrisadeh durch "Terroristen", schrieb auch Außenminister Mohammed Dschawad Sarif auf Twitter. Der Generalstabschef der Streitkräfte drohte "fürchterliche Rache" an. (…)

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https://www.spiegel.de/politik/ausland/iranisches-atomprogramm-usa-verhaengen-sanktionen-gegen-firmen-in-china-und-russland-a-7c406e7e-4a00-44e8-aa27-d3ffe7038f36 Reaktion auf iranisches Atomprogramm USA verhängen Sanktionen gegen Firmen in China und Russland Ausweitung des Konflikts um Irans Atomprogramm: Die USA kündigen Maßnahmen gegen russische und chinesische Unternehmen an, weil sie »sensible Technologien« an Teheran verkauft hätten.

28.11.2020, 11.07 Uhr

(…)

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Es gibt einen „Nebenschauplatz“ bezüglich Iran, der auch Deutschland betrifft:

https://www.sueddeutsche.de/politik/iran-terrorismus-prozess-geheimdienste-1.5129139

26. November 2020, 19:01 Uhr Geheimdienste: Iranischer Diplomat soll Terrorattacke geplant haben Am Freitag beginnt in Antwerpen der Prozess gegen einen iranischen Botschaftsrat, der von Wien aus einen Anschlag in Auftrag gegeben haben soll. Europas Geheimdienste sind alarmiert. (…)

(…)

Auf Videos kann man es heute noch sehen, dieses Jahrestreffen des Nationalen Widerstandsrates Irans, NCRI, in Villepinte, einem Ort bei Paris. Man sieht eine Halle, die Tausende Menschen fasst, ein Fahnenmeer und eine Bühne mit leuchtenden LED-Bildschirmen, darüber der Schriftzug "Free Iran". Prominentester Gast der Tagung: Rudy Giuliani, der Anwalt von US-Präsident Donald Trump. (…)

An der Autobahnraststätte "Spessart" wurde der Diplomat schließlich festgenommen

Für Assadollah A. jedenfalls endete seine Karriere als Dritter Botschaftsrat ganz glanzlos, auf der Autobahnraststätte "Spessart" zwischen Würzburg und Aschaffenburg. Der Iraner war gerade auf dem Rückweg von Luxemburg nach Wien, als bayerische Polizeibeamte ihn dort anhielten. (…) Es war der 1. Juli 2018. (…)

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Am vergangenen Mittwoch, 25.11.2020, hatte ich auf drei Artikel hingewiesen im zusammenhang eines drohenden Iran-Krieges:

https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-11/donald-trump-iran-nahost-irak-israel-5vor8 Fünf vor acht / Trumps Iran-Politik: Will der US-Präsident den Iran angreifen? 20. November 2020

(…)

Trump lenkt die Welt und seine Wähler derzeit mit Truppenrückzugsforderungen aus Afghanistan und Irak ab. Es geht da in Wahrheit nur um wenige Soldaten, auch wenn die ziemlich wichtig sind. Trump verschweigt dagegen, dass er in seiner Amtszeit Tausende US-Soldaten am Golf neu stationieren ließ, auch in Saudi-Arabien.

Damit das niemand überprüfen kann, darf das Pentagon bereits seit 2017 keine Zahlen über die US-Truppen in Nah- und Mittelost mehr veröffentlichen. Und damit Trump niemand mehr in die Quere kommt, hat er die Führung des Verteidigungsministeriums soeben in einem Enthauptungsschlag entlassen.

https://www.sueddeutsche.de/politik/sicherheitspolitik-angstvoll-in-die-zukunft-1.5125288

23. November 2020, 18:53 Uhr Sicherheitspolitik: Angstvoll in die Zukunft Im Nahen Osten wächst vor dem Regierungswechsel in den USA die Nervosität. Von Daniel Brössler und Paul-Anton Krüger

(…) Die Sorgen sind auch in Europa noch einmal gewachsen, nachdem die US-Luftwaffe am Wochenende B-52-Bomber von North Dakota in die Region geschickt hatte, um "Aggressionen abzuschrecken und Alliierte und Partner der USA rückzuversichern", dass Washington handlungsfähig ist. (…)

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Ein Treffen von US-Außenminister Mike Pompeo, Präsident Netanyahu und Kronprinz Mohammed bin Salman in Saudi-Arabien hatte es bis letzten Sonntag noch nicht gegeben:

https://www.sueddeutsche.de/politik/israel-saudi-arabien-diplomatie-1.5124861

23. November 2020, 16:27 Uhr Israel: Netanjahus historischer Kurztrip

(…) Nach übereinstimmenden Medienberichten saß Mossad-Chef Yossi Cohen mit Netanjahu in der Maschine, die beide bereits 2018 genutzt hatten, um nach Oman zu reisen. (…)

Während ein israelischer Minister das Treffen bestätigte, dementierte Farhan al-Saud am Montag, dass Netanjahu nach Neom kam. Dennoch rätseln Beobachter, ob in Riad eine neue Formulierung vorbereitet wird, ob das Königreich US-Präsident Donald Trump als Abschiedsgeschenk einen spektakulären diplomatischen Erfolg gewährt.

Die berichtete Anwesenheit von US-Außenminister Mike Pompeo beim nächtlichen Treffen in der Wüste würde für eine solche Lesart sprechen, lässt aber auch einen anderen Schluss zu: Inhalt der Gespräche sei die Politik gegenüber Iran gewesen - in den kommenden Wochen wie in den kommenden Jahren. (…)

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3. Buchhinweise zum Verhältnis Israel und Iran mit tieferliegenden Hintergründen

https://www.spiegel.de/politik/mossad-ronan-bergman-ueber-geheime-toetungskommandos-a-00000000-0002-0001-0000-000155351669

So arbeiten die geheimen Tötungskommandos des Mossad

Ronen Bergman hat Killer-Einsätze des israelischen Geheimdienstes im Detail rekonstruiert - und zeigt dessen Verbindungen nach Deutschland auf.

Von Marcel Rosenbach und Alfred Weinzierl

19.01.2018, 19.00 Uhr

SPIEGEL: Herr Bergman, in Ihrem Buch über die israelischen Geheimdienste beschreiben Sie deren gezielte Tötungsaktionen über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren. Wie viele Menschen wurden umgebracht?

Bergman: Alles in allem reden wir über mindestens 3000, darunter nicht nur die Zielpersonen, sondern auch viele Unschuldige, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Allein während der zweiten Intifada gab es Tage, an denen in der Befehlszentrale vier bis fünf "gezielte Tötungen" angeordnet wurden, in der Regel gegen Hamas-Aktivisten.

SPIEGEL: Wie kam Israel dazu, politische Konflikte auf diese blutige und rechtlich umstrittene Weise lösen zu wollen?

Bergman: Einige der frühen Zionisten waren desillusionierte Revolutionäre aus Russland. Sie hatten das Konzept der politischen Morde aus ihrer Heimat mitgebracht und gründeten 1907 die erste bewaffnete zionistische Einheit in Jaffa. Ein anderes Motiv war natürlich der Holocaust. Die Lehre daraus war, dass wir ein eigenes Land als Schutzraum für Juden brauchen und dieses Land gegen zahlreiche Feinde verteidigen müssen – mit allen Mitteln. Und jeder dieser Feinde wurde mit Hitler gleichgesetzt: Nasser, Arafat, Saddam Hussein, Ahmadinejad. Gegen solche Leute galt es als legitim, sich über alle internationalen Normen und Gesetze zu stellen. Das ist die Geisteshaltung, bis heute. (…)

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Zum tieferen Verständnis möchte ich das nachfolgende Buch empfehlen:

Avraham Burg, Hitler besiegen. Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss, Frankfurt 2009.

In seinem Buch „Hitler besiegen. Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss“ schreibt der ehemalige Berater von Shimon Peres, Vorsitzende der Jewish Agency und Sprecher der Knesset, Avraham Burg, Sohn des früheren israelischen Innenministers Josef Burg, über den ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin:

„Sein damaliger Kabinettssekretär Arye Naor erklärte, Begin habe sein Kabinett mit folgenden Worten überzeugt, den Libanonkrieg anzufangen: `Sie wissen, was ich selbst und was wir alle unternommen haben, um einen Krieg und Verluste an Leben zu verhindern. Doch in Israel ist dies nun einmal unser Schicksal. Es gibt keine andere Möglichkeit, als selbstlos zu kämpfen. Glauben Sie mir, die Alternative ist Treblinka, und wir haben uns entschieden, dass es kein Treblinka mehr geben wird.´ Zwei Wochen nach Beginn dieses unnötigen Krieges erwiderte der Schriftsteller Amoz Oz darauf in der Zeitschrift Yediot Aharonot: `Hitler ist schon tot, Herr Ministerpräsident ... Immer wieder, Herr Begin, legen Sie vor den Augen der Öffentlichkeit ein merkwürdiges Bedürfnis an den Tag, Hitler wiederzuerwecken, um ihn dann in der Gestalt von Terroristen täglich neu zu töten ... Dieses Bedürfnis, Hitler wiederzubeleben und ihn dann auszulöschen, ist das Ergebnis einer Melancholie, der von Dichtern Ausdruck verliehen werden kann. Unter Staatsmännern aber ist sie ein Risiko, das leicht zu einer tödlichen Gefahr werden kann´“ (S. 72).

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Empfehlen möchte ich auch das folgende Buch:

Gero von Randow und Ulrich Ladurner, Die iranische Bombe. Hintergründe einer globalen Gefahr, Hamburg 2006.

Die beiden damaligen Journalisten bei der Wochenzeitung „Die Zeit“, Gero von Randow und Ulrich Ladurner, schreiben:

„Der Iran trägt immerzu Trauerflor. Man muss nicht lange suchen, um Gründe dafür zu finden. Ob in dem Kult um Ali und Hussein, den ermordeten Propheten der Schiiten, ob in dem Krieg gegen den Aggressor Irak, ob im Putsch der CIA gegen den Ministerpräsidenten Mossadegh, ob in den Friedhöfen vor den Toren Teherans, ob in den Machinationen (lat.: tückische Anschläge, Umtriebe, Ränke, Anm.: C. Ronnefeldt) der Kolonialmächte, ob in der gegenwärtigen Auseinandersetzung um die Atomenergie, ob in der dauernden Gegnerschaft zu den USA.

Wohin auch immer man schaut, überall finden Iraner Beweise für das Unglück, das durch fremde Hand herbeigeführt wird. Der Iran ist übersät mit Hunderttausenden Opfern eines fortgesetzten Verrats, der nicht enden will und nie enden wird, denn er ist eine existenzbegründende Begleiterscheinung des Iran. Es gibt dieses Land, solange es Verrat gibt, ohne ihn scheint es nicht existieren zu können. Oder wie sonst könnte man den tief verankerten Glauben der Iraner erklären, dass draußen vor den Grenzen immer jemand am Werk ist, um ihrem Land zu schaden, dass immer jemand das Land hindert, zur Entfaltung zu kommen?

Überall lauern böse Geister, Imperialisten, Kolonialisten, Ausbeuter. Der Iran ist Opfer, war Opfer und wird es immer sein. Nie wird er verstanden sein, nie wird er akzeptiert werden. Darf man so die Gefühlslage einer Nation zusammenfassen? Darf man auf diese Weise vereinfachen? Man darf. Denn um Politik zu machen, müssen Einsichten verdichtet werden“ (S. 70f.).

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Den Menschen in Israel, Iran und der gesamten Krisenregion und auch darüber hinaus ist die Erfüllung der Vision von Avraham Burg zu wünschen:

Avraham Burg, Hitler besiegen. Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss, Frankfurt 2009, S. 264:

„Wenn wir aufwachen, wird die Geschichte wieder weitergehen. Das Leben wird zum Leben zurückkehren, und es wird klar werden, dass es unmöglich ist, sich für immer in den Gräben zu verschanzen, die sich zwischen den Friedhöfen erstrecken. Jemand wird erklären: `Das war´s. Es ist vorbei´. Ein anderer wird erklären: `Wir können Hitler besiegen´. Weil es möglich ist, müssen wir es tun. Wir müssen das Tal der Tränen, die Schatten des Todes hinter uns lassen und den Berg der Hoffnung und des Optimismus erklimmen. Wir werden uns erinnern, aber heil sein. Narben haben, aber ganz und ausgeglichen sein“.

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Hinweisen möchte ich auf den nachfolgenden Aufruf, der Argumente für das eigene Gespräch mit Bundestagsabgeordneten oder Briefe bzw. e-mails enthält:

https://www.friedenskooperative.de/aktuelles/kein-krieg-gegen-iran-stellungnahmen Kein Krieg gegen Iran - verhandeln statt eskalieren Reaktionen der Bundestagsfraktionen

Ende Mai haben wir den Aufruf „Kein Krieg gegen Iran - Verhandeln statt eskalieren!“ veröffentlicht, der mittlerweile von mehr als 9.000 Menschen unterzeichnet wurde. Mit diesem fordern wir die Bundesregierung sowie alle Abgeordneten des Bundestages dazu auf:

  • Treten Sie aktiv für eine zivile Lösung ein und wenden Sie sich gegen jegliche Eskalation und Aggression im US-Iran-Konflikt.
  • Schließen Sie jede deutsche Unterstützung für einen Krieg gegen Iran und erst recht eine deutsche Beteiligung daran unmissverständlich und grundsätzlich aus. Auch von US-Stützpunkten in Deutschland, wie z.B. von der Airbase Ramstein oder dem EUCOM in Stuttgart, darf kein Krieg ausgehen.
  • Setzen Sie sich dafür ein, insbesondere mit Hilfe der europäischen Partner, dass das Nuklearabkommen mit Iran erhalten bleibt und wieder von allen Seiten anerkannt und weitergeführt wird. Dafür muss das Angebot der Beendigung der Sanktionen gegen Iran gemacht werden. Notfalls muss das Abkommen auch ohne die USA fortgesetzt werden.

Wir haben die Fraktionen der im Bundestag vertretenen demokratischen Parteien über den Aufruf informiert und um Stellungnahme gebeten. Hier ist nachzulesen lesen, was geantwortet haben (geordnet nach Eingang der Antworten):