Neues zur Ukraine

Gespeichert von Webmaster am Mi., 09.03.2022 - 19:16

Liebe Friedensinteressierte,

auch heute möchte ich wieder einige Informationen zum Ukraine-Krieg senden:

  1. Scholz gegen Kampfjet-Lieferung
  2. Expertendialog zur Risikominderung zwischen der NATO und Russland
  3. Aufruf der belarussischen Menschenrechtsorganisation "Nash Dom“ zur Kriegsdienstverweigerung:
  4. Lasst die Kinder raus
  5. Was tun, wenn die Ohnmacht angesichts des Kriegs kaum auszuhalten ist?
  6. Buchhinweis: Andreas Kappeler: Ungleiche Brüder. Russen und Ukraine.
  7. Bessere Welt Infos zur Ukraine
  8. GROßDEMOS FÜR DEN FRIEDEN
  9. Aufruf zur Nothilfe in der Ukraine

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1. Scholz gegen Kampfjet-Lieferung

https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-ukraine-mittwoch-101.html#scholz

9.3.2022

(…)

15:03 Uhr

Scholz gegen Kampfjet-Lieferung

In der Debatte über MiG-29-Kampfjets hat sich Bundeskanzler Olaf Scholz gegen eine Lieferung von Kampfflugzeugen an die Ukraine ausgesprochen. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau verwies er auf Finanzhilfen, humanitäre Unterstützung und die Lieferung einzelner Waffensysteme.

"Und ansonsten ist es aber so, dass wir sehr genau überlegen müssen, was wir konkret tun. Und dazu gehören ganz sicherlich keine Kampfflugzeuge", sagte er. (…)

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2. Expertendialog zur Risikominderung zwischen der NATO und Russland:

Am 3. März 2022 hat eine hochrangige Arbeitsgruppe aus Mitgliedern verschiedener Länder einen gemeinsamen Appell für einen Waffenstillstand und eine Risiko-Reduzierung zwischen Russland und der NATO veröffentlicht, dem eine breite Beachtung zu wünschen ist:

https://www.europeanleadershipnetwork.org/group-statement/the-expert-dialogue-on-nato-russia-risk-reduction-a-joint-appeal-for-a-ceasefire-and-risk-reduction/

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3. Aufruf der belarussischen Menschenrechtsorganisation "Nash Dom“ zur Kriegsdienstverweigerung:

https://soziale-verteidigung.de/artikel/kdv-kampagne-heisst-belarus

Die belarussische Menschenrechtsorganisation "Nash Dom" ("Unser Haus", https://news.house/) hat am 2.3.22 um Unterstützung für eine neue Kampagne gebeten, die sie gerade gestartet hat.

Unten verlinkt ist der Aufruftext und ein Bericht vom 7. März 2022, in dem auch über Befehlsverweigerungen belarusischer Militärs berichtet wird.

Dieser Text wurde der Website von "Unser Haus" entnommen:

Heute ist eine Massenmobilisierung belarussischer Männer im Alter von 18 bis 58 Jahren zur belarussischen Armee im Gange:

Einberufungsbescheide treffen ein, in denen sie aufgefordert werden, vom 4. bis 9. März zu erscheinen. Nach einem unbestätigten Bericht eines belarussischen Militärs plant Aljaksandr Lukaschenka die dringende Einberufung von etwa 35-40 Tausend belarussischen Männern zum Militärdienst.

Alle Männer sollen in der Ukraine kämpfen und gegen ihren Willen am Krieg teilnehmen und das friedliche ukrainische Volk töten.

Aber die belarussischen Männer wollen nicht in den Krieg ziehen! Sie werden in großer Zahl zusammen mit ihren Familien zu den Rekrutierungsbüros gerufen, dort werden ihnen die Pässe und Handys abgenommen, die Angehörigen werden bedroht. Die Zwangs- und Gewaltmobilisierung der belarussischen Männer ist im Gange.

Es ist von äußerster Wichtigkeit, auf welcher Seite das belarussische Volk in diesem Krieg stehen wird: auf der Seite der russischen Besatzer oder auf der Seite der friedlichen Ukraine. Wir schlagen vor, denjenigen einen Anstoß zu geben, die noch nicht verstanden haben, wo sie stehen, und diejenigen zu unterstützen, die auf der Seite der Ukraine stehen.

In unserer Kultur ist die Desertion kein sehr positives Phänomen. In unserer patriarchalischen Welt sind Deserteure und Männer, die sich weigern zu kämpfen, keine „echten Männer“.

Solche Geschlechterstereotypen sind ein ernsthaftes Hindernis, denn belarussische Männer, die Terror, Folter und eine gewisse symbolische „Kastration“ durch das Lukaschenka-Regime überlebt haben, haben Angst, dass sie, wenn sie aus der Armee desertieren, von der Masse verurteilt werden.

Wir starten die feministische Kampagne „No Means No“ (mit den Hashtags #NoMeansNo, #NoWar, #StandUpWithUkraine) mit dem Ziel, belarussische Männer dazu zu bringen, massiv aus der Armee zu desertieren und sich belarussischen Frauen zuzuwenden, insbesondere den „Eulen“ (den weiblichen Menschenrechtsverteidigern, die in Belarus berüchtigt sind, weil sie massiv Menschen vor Repressionen gerettet haben und sich so ein großes Vertrauen in der belarussischen Gesellschaft erworben haben).

(…)

Die Belarussen wollen nicht kämpfen, aber sie verstehen nicht, was sie tun können, um sich nicht an diesem Krieg zu beteiligen. Unsere Kampagne baut einen grünen Korridor auf und gibt denjenigen Belarussen einen präzisen Algorithmus an die Hand, die bereit sind, mutig zu handeln, um der Beteiligung an den militärischen Verbrechen gegen die Ukraine zu entgehen.

Ziele

1. Entmilitarisierung der belarussischen Armee, um Aljaksandr Lukaschenka die wichtigste Ressource in diesem Krieg zu entziehen – die menschliche Ressource. Er wird dann niemanden mehr haben, den er zum Kämpfen einsetzen kann.

2. Die russische Armee soll demoralisiert werden, da sie schockiert sein wird, dass die Belarussen nicht nur kampfunwillig sind, sondern auch in großer Zahl vor Krieg und Militäraktionen zu den belarussischen Frauen, den „Eulen“, fliehen.

Das heißt, dass das Misstrauen innerhalb der Armee zwischen Russen und Belarussen wachsen wird: Sie müssen nicht nur Ukrainer töten, sondern auch auf Belarussen aufpassen, damit sie nicht weglaufen.

3. Mobilisierung des Protestpotenzials und der Protestwählerschaft von Belarus gegen den Krieg und für die Nichtbeteiligung an den Kriegsanstrengungen gegen die Ukraine.

Dies wird dem belarussischen Protest einen neuen Impuls und einen zweiten Wind verleihen, da wir eine Armee von Freiwilligen brauchen, die direkt mit der belarussischen Gesellschaft zusammenarbeiten.

(…)

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4. Lasst die Kinder raus

https://www.sueddeutsche.de/kultur/krieg-in-der-ukraine-kinder-aufruestung-soldaten-rhetorik-1.5543544?reduced=true

Lasst die Kinder raus

9. März 2022

Im Krieg werden unsere Jüngsten benutzt:

erst in der Rhetorik, dann als Soldaten.

Lasst sie doch einfach in Ruhe!

Kommentar von Nele Pollatschek

(Dieser Kommentar ist in der online-Ausgabe kostenpflichtig)

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In der Printausgabe vom 9. März 2022, Seite 9, steht zu lesen unter Überschrift „Lasst die Kinder raus“:

(…)

„Im Krieg wird der Wert menschlichen Lebens auf einer U-Kurve benotet. Maximal schützenswert ist der Mensch, bis er sechszehn oder achtzehn Jahre alt ist, dann ist er schlagartig so wenig wert, dass er für andere sterben soll.

Und falls er das überlebt, steigt sein Wert wieder beständig an. Niemand ist so entbehrlich wie ein Teenager.

Und deshalb ist es zynisch, für Aufrüstung, Waffenlieferungen, womöglich Kriegseinsätze mit ‚Denkt an die Kinder‘ zu argumentieren, in einem Land, in dem die allgemeine Wehrpflicht bis vor wenigen Jahren von der Schulbank in die Kaserne führte - und im Ernstfall an die Front“.

(…)

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5. Was tun, wenn die Ohnmacht angesichts des Kriegs kaum auszuhalten ist?

https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/krise-und-mentale-gesundheit-manche-vergessen-zu-essen-und-k%C3%B6nnen-nicht-schlafen/ar-AAUFQWV

Was tun, wenn die Ohnmacht angesichts des Kriegs kaum auszuhalten ist?

Ein Gespräch mit Telefonseelsorgerin Martha Eber über die gewachsenen Ängste der Anrufer, zwanghaften Nachrichtenkonsum - und was dagegen hilft.

(…)

Was sind denn Ihre Erste-Hilfe-Tipps für derartige Verzweiflungszustände?

Es hilft immer, an die frische Luft gehen und sich zu bewegen, rein hormonell bewirkt das schon einiges. Wir können unsere Stimmung durch Aktivitäten wie Spaziergänge, Sport oder kleine sinnvolle Beschäftigungen mehr beeinflussen, als wir manchmal denken.

Was sehr hilft, sind soziale Kontakte. Alleine ist es schwieriger, aus dem Gedankenkarussell auszubrechen. Ganz wichtig ist es auch, sich beim Einsaugen von Nachrichten so gut es geht zu disziplinieren. (…)

Deswegen ist es völlig richtig und in Ordnung, sich erstmal um sich selbst zu kümmern und dann aktiv zu werden, auch um Selbstwirksamkeit zu erfahren.

Die Telefonseelsorge ist erreichbar unter den Nummern: 0800-1110111 oder

0800-1110222 oder online unter www. telefonseelsorge.de

Hinweis von C. Ronnefeldt:

Dieser Artikel erschien auch in der Süddeutschen Zeitung, Printausgabe vom 7. März 2022, auf Seite 8 unter der Überschrift. „Manche vergessen zu essen und können nicht schlafen“.

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6. Buchhinweis: Andreas Kappeler: Ungleiche Brüder. Russen und Ukraine. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 2017. C.H.Beck-Verlag. 267 Seiten, 16,95 Euro ISBN 978-3-406-71410-8

Eine knappe Buch-Besprechung findet sich hier:

https://www.swr.de/swr2/literatur/andreas-kappeler-ungleiche-brueder-russen-und-ukrainer-vom-mittelalter-bis-zur-gegenwart-swr2-lesenswert-kritik-2022-03-18-102.html

Ich halte dieses Buch für eine wichtige Quelle nicht nur zum Verständnis des Ukraine-Krieges, sondern vor allem auch im Hinblick auf eine Nachkriegsordnung zwischen der Ukraine und Russland sowie in Europa generell.

Der Titel hat - gerade vor dem Hintergrund des gestrigen Weltfrauentages - einen gravierenden Mangel: Er vergisst die Frauen beider Länder, die für ein Ende des Ukraine-Krieges eine zentral wichtige Bedeutung haben, wie täglich an ihren vielfältigen und mutigen Friedensaktionen zu beobachten ist.

7. Bessere Welt Infos zur Ukraine

Vielfältige Informationen bietet das umfangreiche von Dr. Norbert Stute gegründete Portal "Bessere Welt Info“, das als Nachschlagewerk genutzt werden kann:

https://besserewelt.info/Ukraine

Vielfältige und teilweise recht unterschiedliche Stimmen aus der Friedensbewegung finden sich hier:

https://www.besserewelt.info/politik/politik-nach-kontinenten/russland-osteuropa/ukraine/russische-invasion-2022/stimmen-aus-der-friedensbewegung

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8. GROßDEMOS FÜR DEN FRIEDEN

https://stoppt-den-krieg.de/

GROßDEMOS FÜR DEN FRIEDEN

Aufruf zu Kundgebungen für Sonntag, den 13. März 2022

Stoppt den Krieg!

Frieden und Solidarität für die Menschen in der Ukraine

Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der russischen Führung im Herzen Europas wird immer brutaler. Sie droht mit Atomwaffen. Das Leiden der Menschen in der Ukraine wird immer dramatischer. Wir fühlen mit ihnen und stehen an ihrer Seite.

Wir halten unsere Türen offen für jede*n, der*die aus Kriegen entkommen kann – unabhängig von Hautfarbe, Staatsangehörigkeit und Identität und ohne rassistische Zurückweisung. Solidarität mit den Ukrainer*innen ist das Gebot der Stunde – und diese tragen wir am Sonntag den 13. März im ganzen Land auf die Straße.

Unsere Solidarität gilt auch den Menschen, die in Moskau, Sankt Petersburg und so vielen anderen Städten Russlands ihre Stimme gegen den Krieg erheben. Wir sind tief beeindruckt von ihrer Kraft und ihrem Mut. Gemeinsam mit ihnen streiten wir dafür, dass Putin sofort alle Angriffe einstellt, sich aus der Ukraine zurückzieht und deren territoriale Integrität wiederherstellt.

Unser Ziel sind Friedensverhandlungen, die in einem atomwaffenfreien Europa gemeinsamer Sicherheit, des Friedens und der Abrüstung unter Einschluss von Ukraine und Russland münden.

Nicht der Breite der russischen Bevölkerung, sondern der politischen und wirtschaftlichen Führungsriege gilt unsere Forderung, dem Krieg den Geldhahn zuzudrehen. Wir befürworten scharfe wirtschaftliche Sanktionen, die gezielt darauf ausgerichtet sind, die Kanäle zur Finanzierung des Krieges zu kappen.

Die gegenwärtige Krise zeigt, wie dringend wir uns aus der Abhängigkeit von fossilen Energieimporten befreien müssen, die wir vor allem aus Autokratien beziehen. Wir müssen möglichst schnell raus aus Kohle, Öl und Gas. Mit einem massiven Investitionsprogramm müssen wir in einer ganz neuen Geschwindigkeit als bisher rein in Energieeffizienz, Energiesparen, Erneuerbare Energien und eine Verkehrswende. Für den Frieden, das Weltklima und Millionen neue gute Jobs!

(…)

Wir treten ein für ein Europa des Friedens, der Solidarität und der Abrüstung.

Dafür gehen wir am Sonntag, den 13. März ab 12 Uhr mit Hunderttausenden auf die Straßen.

Sei dabei! Sag deinen Freund*innen, Bekannten und Arbeitskolleg*innen Bescheid! In Solidarität miteinander halten wir die Corona-Hygieneregeln ein und bitten geimpft, getestet und mit Maske an der Kundgebung teilzunehmen.

Weitere Informationen unter:

https://stoppt-den-krieg.de/

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9. Aufruf zur Nothilfe in der Ukraine

Unter dem Stichwort "Nothilfe in der Ukraine“ kann hier für die Arbeit von

Caritas International gespendet werden:

https://www.caritas-international.de/spenden/online/formular?id=A0230M005&ec_id=463095