Pressebericht zur Lesung zum Gedenken an Hiroshima

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"Singvögel und Raben waren auch nicht mehr da"

Beeindruckende Lesung über den Atombombenabwurf in Hiroshima

21.06.2023

Wenn es um die Bedrohung durch Atomwaffen geht, dann werden seit Beginn des Ukraine-Kriegs wieder verschiedene Szenarien und Gefährdungsstufen öffentlich durchgespielt und diskutiert. Doch was ein atomarer Angriff wirklich bedeuten würde, das ist eigentlich unvorstellbar - gäbe es nicht die Schilderungen Überlebender des Atombombenabwurfs auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki.

Shigema Ideguchi hat den Atombombenabwurf wie durch ein Wunder überlebt. Er hat sich im Alter entschlossen, seine notierten Erlebnisse und Gefühle für die Nachwelt zu veröffentlichen. Aus diesen beindruckenden Schilderungen mit dem Titel "Singvögel und Raben waren auch nicht mehr da" hat seine Enkelin Rima Ideguchi mit ihrem Mann Fabian Liedtke am Sonntag, 18. Juni, in der Alten Kirche Lobberich vorgetragen.

Ideguchi begann mit dem Vorwort ihres Großvaters in japanischer Sprache und führte so auch akustisch nach Hiroshima. Den deutschen Text trug Liedke mit ruhigen Worten und ohne Pathos vor. Die Normalität eines Landes im Krieg gegen seine Nachbarn, der Blitz, der wie aus dem Nichts kam und für völlige Dunkelheit sorgte. Langsam die Erkenntnis, dass es sich da nicht etwa um die Explosion eines Munitionslagers handelte, sondern um etwas Größeres, nie Dagewesenes. Menschen, denen Haut und Haare fehlen, verkohlte Leichen, brennende Menschen, die nicht mehr schreien können. Und wie durch ein Wunder watet Ideguchi durch das Meer der Toten und kann sich in Sicherheit bringen.

Sehr schwere Kost also für das Publikum in der Alten Kirche. Zeit, die Eindrücke zu verarbeiten, bekommen sie in den musikalischen Unterbrechungen. Posaunistin Ideguchi spielt Johann Sebastian Bach, Georg Philipp Telemann und andere. Die Zuversicht der barocken Kompositionen bietet wieder etwas Halt und lässt die Frage aufkommen: „Welche Botschaft hinterlässt Rima Ideguchi uns?“ In der anschließenden Gesprächsrunde, moderiert von Herbert Hochheimer von der Mönchengladbacher Gruppe der Internationale Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges, hatten Ideguchi und Liedke eine einfache Botschaft an das Publikum: „Jeder kann etwas zum Frieden beitragen, wenn er oder sie genau dort seine Überzeugungen vertritt, wo es möglich ist. Und auch wenn sich die Wirkung nicht immer direkt beobachten lässt, so bleibt die Gewissheit, selbst etwas für den Frieden getan zu haben.“ Resignieren wollen sie jedenfalls nicht – trotz aktueller kriegerischer und atomarer Bedrohungen. Dazu ermunterte auch Nettetals Bürgermeister Christian Küsters in seinem Grußwort. Er ist Mitglied der Initiative „Mayors for Peace“, die sich weltweit für die Abschaffung von Atomwaffen einsetzt.