Liebe Friedensinteressierte,
nachfolgend sende ich einige Artikel zu den Kriegen in der Ukraine und in Westasien sowie zum Thema Militarisierung in Deutschland - auch heute wieder einmal mit dem Hinweis, dass ich nicht mit allen Aussagen übereinstimme, die Artikel aber für relevant halte.
Besonders hinweisen möchte ich heute auf die Punkte 2, 3 und 4, die Widersprüche in den Aussagen von Bundes- Kanzler Friedrich Merz und dem osmanischen Außenminister Albusaidi, der als Mediator bei den Verhandlungen zwischen den USA und Iran mitwirkte.
1. n tv: Reisners Blick auf die Front "Der Krieg im Iran ist ein strategisches Geschenk für Russland und China"
2. Tagesschau: Merz in den tagesthemen "Es kann auch einen Zeitpunkt geben, der zu spät ist"
3. Le Monde: Mediator Oman lobt den 'Durchbruch' in den US-Iran-Nukleargesprächen
4. CBSnews: Vollständiges Transkript: Der Außenminister von Oman, Badr Albusaidi, erklärt in der Sendung „Face the Nation", dass ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran „in greifbarer Nähe" sei.
5. Merkur: Trump „von Jesus gesalbt", um „Armageddon" im Iran vorzubereiten? – US-Soldaten klagen
6. n tv: Rubio nennt Israels Angriffspläne als Grund für US-Angriffe
7. Tagesschau: Trump und Rubio äußern sich - Wer traf die Entscheidung zum Iran-Angriff?
8. SZ: Meinung / Debatte - Warum ließ Trump angreifen?
9. WiWo: Iran-Krieg - Chinas kühles Iran-Kalkül
10. RND: „Ein Völkerrechtsbruch ist ein Völkerrechtsbruch"
11. ORF: „Nein" zum Iran-Krieg - Spanien legt im Streit mit Trump nach
12. ai: Recht auf Protest - Was geschah bei den Protesten im Iran?
13. Facebook: Rana Issazadehs Beitrag
14. VENRO: Pressestatement zum Angriff der USA und Israel auf den Iran
15. Evangelische Friedensarbeit: AGDF und EAK: Sofortiges Ende der Gewalt im Nahen Osten und Rückkehr zu Gesprächen
16. DFG-VK: Iran-Krieg: Forderungen an die Bundesregierung
17. Versoehnungsbund: Zur Geschichte zwischen westlicher Politik und muslimischer Welt
18. Buchhinweise: Johannes Zang: "Und am Kontrollpunkt wartet die Erniedrigung" Wigbert Tocha: Friedenstüchtig werden. Überredung zum Pazifismus - Mit zwei Interviews: Fragen an Clemens Ronnefeldt und Christine Schweitzer
------------------------
1. n tv: Reisners Blick auf die Front "Der Krieg im Iran ist ein strategisches Geschenk für Russland und China"
Reisners Blick auf die Front "Der Krieg im Iran ist ein strategisches Geschenk für Russland und China" 02.03.2026, 19:56 Uhr
Mit Markus Reisner sprach Lea Verstl Mit sechs operativen Manövergruppen halten die Russen den Druck auf die Ukrainer aufrecht. Ergebnisse sehe der Kreml vor allem westlich von Siwersk und Huljajpole, sagt Oberst Reisner. Durch den Krieg im Nahen Osten würde der Druck erhöht - weil Ressourcen knapp werden.
ntv.de: Beim Krieg im Nahen Osten werden massenweise Raketen eingesetzt, die von der Ukraine dringend benötigt werden - etwa für Patriot-Systeme. Haben die US-Angriffe im Iran für Kiew weitere negative Folgen?
Markus Reisner: Trump hat nun gemeinsam mit Israel eine weitere große Militäroperation mit dem erklärten Ziel eines iranischen Regimewechsels gestartet. Das wird die weltweiten Verbündeten und Gegner der USA weiter polarisieren. (...)
Mit Markus Reisner sprach Lea Verstl
—————
2. Tagesschau: Merz in den tagesthemen "Es kann auch einen Zeitpunkt geben, der zu spät ist"
https://www.tagesschau.de/inland/merz-interview-tagesthemen-104.html
Merz in den tagesthemen "Es kann auch einen Zeitpunkt geben, der zu spät ist"
Stand: 04.03.2026 • 00:21 Uhr
(...) Zum Angriff auf Iran erklärte er, sowohl die US-Regierung als auch Israel hätten gute Gründe für das Vorgehen: "Der Iran ist kurz davor gewesen, in den Besitz von Atomwaffen zu gelangen. Sowohl die Trägerraketen als auch das angereicherte Material sind nachweislich vorhanden - möglicherweise nur wenige Wochen vor dem Zusammenbau von atomaren Waffensystemen. Insofern gibt es einen Grund für die Intervention, nachdem über Jahrzehnte darüber verhandelt worden ist", sagte Merz. Diplomatie sei versucht worden, habe aber zu keinem Ergebnis geführt.
(...)
——
3. Le Monde: Mediator Oman lobt den 'Durchbruch' in den US-Iran-Nukleargesprächen
Hinweis von Clemens Ronnefeldt:
Die nachfolgenden Aussagen des osmanischen Außenministers Albusaidi, der als Mediator bei den Verhandlungen zwischen den USA und Iran bis zuletzt mitwirkte, widersprechen den Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz teilweise diametral:
Weltweit
Iran
Mediator Oman lobt den 'Durchbruch' in den US-Iran-Nukleargesprächen
Der Golfstaat erklärt, dass Iran zugestimmt hat, keine Uranvorräte mehr anzusammeln und bestehendes, angereichertes Material in Brennstoff umzuwandeln, und bezeichnet dies als beispiellosen Durchbruch in den Nuklearverhandlungen.
Unterdessen äußerte US-Präsident Donald Trump seine Frustration über Teheran, da das Land seine militärische Präsenz in der Region verstärkte.
Le Monde mit AFP Veröffentlicht am 28. Februar 2026 um 2:14 Uhr (Paris),
aktualisiert am 28. Februar 2026 um 5:10 Uhr
(...)
"Wenn das ultimative Ziel darin besteht, für immer sicherzustellen, dass Iran keine Atombombe haben kann, denke ich, dass wir dieses Problem durch diese Verhandlungen gelöst haben, indem wir einen sehr wichtigen Durchbruch vereinbart haben, der bisher nie erreicht wurde", sagte Albusaidi gegenüber dem CBS-News-Programm "Face the Nation."
"Wenn wir das ergreifen und darauf aufbauen können, denke ich, dass ein Deal in unserer Reichweite liegt", sagte er und schätzte, dass drei Monate nötig wären, um ein Abkommen abzuschließen. (...)
(übersetzt mit deepl.)
———
4. CBSnews: Vollständiges Transkript: Der Außenminister von Oman, Badr Albusaidi, erklärt in der Sendung „Face the Nation", dass ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran „in greifbarer Nähe" sei.
https://www.cbsnews.com/news/full-transcript-omani-foreign-minister-badr-albusaidi/
Vollständiges Transkript: Der Außenminister von Oman, Badr Albusaidi, erklärt in der Sendung „Face the Nation", dass ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran „in greifbarer Nähe" sei.
Aktualisiert am: 27. Februar 2026 / 16:14 Uhr EST / CBS News Der omanische Außenminister Badr bin Hamad Al Busaidi, ein wichtiger Vermittler in den Atomgesprächen zwischen den USA und dem Iran, erklärt gegenüber der Moderatorin von „Face the Nation", Margaret Brennan, dass er zuversichtlich sei, dass „ein Friedensabkommen in greifbarer Nähe" zwischen den USA und dem Iran sei, während sich die Verhandlungsführer über das Atomprogramm Teherans beraten. Er sagte außerdem: „Ich glaube nicht, dass eine Alternative zur Diplomatie dieses Problem lösen kann."
Lesen Sie das vollständige Transkript unten:
MARGARET BRENNAN: Bei mir ist jetzt der Außenminister von Oman, Badr Albusaidi, der als Vermittler an den Verhandlungen über ein Atomabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran beteiligt ist. Willkommen bei „Face the Nation".
OMANISCHER AUSSENMINISTER BADR ALBUSAIDI: Vielen Dank.
MARGARET BRENNAN: Präsident Trump sagte am Freitag, er sei unzufrieden mit dem Verlauf der Gespräche und damit, dass man „nicht bereit ist, uns das zu geben, was wir brauchen". Ist die Diplomatie aus Ihrer Sicht gescheitert?
MINISTER ALBUSAIDI: Ich bin zuversichtlich, und nach meiner Einschätzung des Verlaufs der Gespräche glaube ich, dass ein Friedensabkommen in greifbarer Nähe ist. (...)
(übersetzt mit deepl.)
———
5. Merkur: Trump „von Jesus gesalbt", um „Armageddon" im Iran vorzubereiten? – US-Soldaten klagen
Trump „von Jesus gesalbt", um „Armageddon" im Iran vorzubereiten? – US-Soldaten klagen
Stand: 03.03.2026, 15:16 Uhr
Von: Christoph Gschoßmann
Washington, DC – Der Iran-Krieg als „heilige Mission"? US-Kommandeure sollen den Angriff auf den Iran als göttlichen Auftrag für die Endzeit darstellen. Mehr als 110 Soldaten haben sich bei einer Bürgerrechtsorganisation gemeldet und beschuldigen ihre Vorgesetzten, Religion als Kriegspropaganda zu missbrauchen. Dieser Fall verdeutlicht das Ausmaß der christlichen Missionierung unter Verteidigungsminister Pete Hegseth.
Ein Kommandeur einer Einheit erklärte seinen Unteroffizieren, dass der Konflikt im Iran Teil von Gottes Plan sei. Journalist Jonathan Larsen zitiert aus der Beschwerde eines Unteroffiziers über die Kriegsbegründung: „Präsident Trump wurde von Jesus gesalbt, um das Signalfeuer im Iran zu entzünden, um Armageddon zu verursachen und seine Rückkehr zur Erde zu markieren." (...)
——
6. n tv: Rubio nennt Israels Angriffspläne als Grund für US-Angriffe
(...)
05:42 Rubio nennt Israels Angriffspläne als Grund für US-Angriffe US-Außenminister Marco Rubio nennt eine weitere Begründung für den Beginn der US-Angriffe gegen den Iran: die israelischen Angriffspläne. "Wir wussten, dass es ein israelisches Handeln geben würde. Wir wussten, dass dies einen Angriff auf US-Streitkräfte nach sich ziehen würde, und wir wussten, dass wir, wenn wir nicht präventiv gegen sie vorgingen, bevor sie diese Angriffe starteten, höhere Verluste erleiden würden", sagt Rubio vor Journalisten im US-Kapitol.
Hätten die USA auf den Angriff des Iran gewartet, "hätten wir wesentlich höhere Verluste erlitten".
——
7. Tagesschau: Trump und Rubio äußern sich - Wer traf die Entscheidung zum Iran-Angriff?
https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/usa-gruende-iran-angriff-100.html
Trump und Rubio äußern sich Wer traf die Entscheidung zum Iran-Angriff?
Stand: 03.03.2026 • 05:36 Uhr
Die US-Regierung hat mitgeteilt: Israel hätte Iran auch ohne die USA angegriffen. Um Verluste zu minimieren, habe man sich dem Angriff angeschlossen. Das sorgt für Diskussionen. Wer entscheidet über die US-Außenpolitik?
Von Carsten Kühntopp, ARD Washington
Die USA sind im Krieg. Warum, dazu haben Präsident Donald Trump und die Mitglieder seiner Administration mittlerweile mehrere Gründe präsentiert. Gefühlt kommen alle paar Stunden neue hinzu, während andere plötzlich unter den Tisch zu fallen scheinen.
„Erstens zerstören wir die Fähigkeiten des Iran, Raketen einzusetzen und zu bauen", erklärte Trump am Montag.
"Zweitens vernichten wir ihre Marine und haben schon zehn Schiffe versenkt. Drittens stellen wir sicher, dass der weltgrößte Terrorsponsor niemals eine Atomwaffe haben wird", fuhr er fort. Und viertens, so der Präsident, unterbinde man die Unterstützung des Iran für seine Stellvertreter in der Region.
Das mit der Marine war neu - dafür stellte Trump einen Machtwechsel im Iran nicht mehr als Ziel dar. (...)
——
8. SZ: Meinung / Debatte - Warum ließ Trump angreifen?
https://www.sueddeutsche.de/kultur/iran-trump-warum-angreifen-timothy-snyder-li.3397069?reduced=true
Meinung Debatte Warum ließ Trump angreifen?
Gastbeitrag von Timothy Snyder 3. März 2026, 13:39 Uhr
Die Rechte der Menschen in Iran, die Bedrohung durch Atomwaffen?
Sind dieser US-Regierung eher egal.
Ihr Ziel ist die Zerstörung der Demokratie und persönliche Bereicherung.
(...)
—
In der SZ-Printausgabe vom 4.3.2026 steht der Artikel auf Seite 9, ebenfalls unter der Überschrift: Warum ließ Trump angreifen?
(...)
Der von den USA und Israel gestartete Großangriff gegen Iran hat bereits Vergeltungsschläge im gesamten Nahen Osten ausgelöst. Ein größerer regionaler Konflikt scheint immer wahrscheinlicher, mit düsteren unbeabsichtigten Folgen wie dem Abschuss von drei US-Kampfflugzeugen durch Friendly Fire in Kuwait. Warum also hat US-Präsident Donald Trump - ein selbsternannter Friedensstifter - einen Krieg im Ausland begonnen?
Die offizielle Begründung strapaziert die Glaubwürdigkeit. Die Behauptung der Trump-Regierung, dass Iran eine Atomwaffe baut, ist nicht belegt. Sie lässt sich auch nicht mit den wiederholten Behauptungen der US-Regierung vereinbaren, dass sie das Atomwaffenprogramm des Landes bei Luftangriffen im Juni vergangenen Jahres zerstört habe.
Trumps Beharren, die Islamische Republik müsse durch ein demokratisches - oder zumindest US-freundliches - Regime ersetzt werden, ist ebenso bizarr, da die entschiedene Ablehnung militärischer Verstrickungen und Kriege im Ausland mit dem Ziel eines Regimewechsels angeblich ein Kerngedanke von Trumps Maga-Bewegung war.
Ich sehe zwei plausible Gründe für seine Entscheidung; keiner von beiden ist legitim. Es sind die Zerstörung der amerikanischen Demokratie oder persönliche Bereicherung. Allerdings sind Kriege im Ausland oft innenpolitisch motiviert, und in den meisten Fallen schließen sich politischer Autoritarismus und persönliche Korruption nicht gegenseitig aus. So scheint es auch hier zu sein.
(...)
Die Golfmonarchien, die sich gegen die Macht Irans stellen, haben Trump und seine Famille mit riesigen Geschäftsabschlüssen überhäuft. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben in ein Krypto-Unternehmen der Familie Trump investiert. Die Trump Organization hat von Geschäften mit Saudi-Arabien profitiert. Und manchmal haben die Monarchen am Golf Trump direkt umworben, zum Beispiel, als die Katarer Trump einen Luxus-Jet schenkten.
Die Liste ist sehr lang, und jetzt setzt die US-Regierung militärische Gewalt gegen einen gemeinsamen Feind der Länder ein, die Trump und seine Familie mit Reichtümern überschüttet haben. Dieser Zusammenhang sollte in allen Berichten über den Krieg erwähnt werden.
Die verblüffend offene Korruption dieser Regierung wirft die Frage auf, ob die US-Streitkräfte nun zu mieten sind. (...)
——
9. WiWo: Iran-Krieg - Chinas kühles Iran-Kalkül
Iran-Krieg Chinas kühles Iran-Kalkül
China und Iran inszenieren sich seit langer Zeit als Partner. Doch nach dem Angriff der USA hält sich Peking zurück. Was steckt dahinter?
Jörn Petring 03.03.2026 - 09:02 Uhr
Wenn es ein Land gibt, das in den vergangenen Jahren besonders sichtbar von China umworben wurde, dann ist es der Iran. Peking holte Teheran in die BRICS-Gruppe, integrierte es in die Shanghai Cooperation Organization, eine von China und Russland dominierte regionale Sicherheits- und Kooperationsorganisation, und präsentierte sich 2023 als Architekt der Annäherung zwischen Iran und Saudi-Arabien. Wer das alles im Kopf hat, könnte erwarten, dass China seinem Partner nun im Krieg mit den USA und Israelentschlossen zur Hilfe eilt. (...)
————
10. RND: „Ein Völkerrechtsbruch ist ein Völkerrechtsbruch"
Unwürdige Kapitulationserklärung
„Ein Völkerrechtsbruch ist ein Völkerrechtsbruch"
So bitter es klingt: Die Angriffe auf den Iran sind völkerrechtswidrig. Der Kanzler findet aber, in der aktuellen Lage komme man mit diesem Hinweis nicht weiter. Das Signal ist verhängnisvoll – weil es die Macht vor das Recht setzt.
Ein Kommentar von Daniela Vates
02.03.2026, 16:24 Uhr
Im Nahen Osten gibt es einen neuen Krieg, und der Umgang der Bundesregierung damit ist ein Problem. Wie schon im vergangenen Sommer haben sich US-Präsident Donald Trump und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu mit ihren Angriffen auf den Iran über das internationale Recht hinweggesetzt. Dessen Regeln erlauben keine militärischen Attacken als generelle Vorsorgemaßnahme und ohne konkreten Anlass – so brutal und so gefährlich ein Regime auch ist.
Um ein alternativ nötiges Mandat des UN-Sicherheitsrats haben sich die beiden offenbar nicht einmal bemüht. Es wäre ihnen vermutlich ohnehin nicht erteilt worden – die Vetomächte Russland und China sind eng mit dem Iran verbunden.
Die Angriffe sind also völkerrechtswidrig, da gibt es kein Vertun. Die Bundesregierung aber kann sich nicht dazu durchringen, dies auch öffentlich festzustellen. (...)
——
siehe auch:
https://www.deutschlandfunk.de/interview-zum-iran-krieg-mit-prof-kai-ambos-voelkerrechtler-100.htm
Interview zum Iran-Krieg mit Prof. Kai Ambos, Völkerrechtler Heckmann, Dirk-Oliver | 02. März 2026, 18:33 Uhr
(...)
——
11. ORF: „Nein" zum Iran-Krieg - Spanien legt im Streit mit Trump nach
https://orf.at/stories/3422350/
„Nein" zum Iran-Krieg Spanien legt im Streit mit Trump nach
Für das Verhältnis zwischen den USA und Europa wird der Krieg im Iran zur nächsten Belastungsprobe. Nach dem Streit zwischen den USA und Großbritannien zeigt sich nun auch das Verhältnis zwischen Washington und Madrid angespannt, nachdem Spanien den USA die Nutzung von Militärbasen für Angriffe auf den Iran verweigert hat.
Trump drohte daraufhin mit einem Ende „aller Deals". Spaniens Premier Pedro Sanchez konterte am Mittwoch mit einer TV-Ansprache, in der er ein sofortiges Ende des Krieges forderte.
Online seit heute (4.3.2026), 14.06 Uhr
Der sozialistische Regierungschef fasste die Position Spaniens mit einem „Nein zum Krieg" zusammen und forderte die USA, Israel und den Iran auf, die Kampfhandlungen einzustellen, „bevor es zu spät ist".
„Wir verurteilen das iranische Regime, das seine Bürger, insbesondere Frauen, unterdrückt und auf abscheuliche Weise ermordet. Gleichzeitig lehnen wir aber diesen Konflikt ab und fordern eine diplomatische und politische Lösung", sagte Sanchez. (...)
———
12. ai: Recht auf Protest - Was geschah bei den Protesten im Iran?
https://www.amnestyusa.org/blog/what-happened-at-the-protests-in-iran/
Recht auf Protest Was geschah bei den Protesten im Iran?
28. Januar 2026 | | von Amnesty International Am 28. Dezember 2025 kam es im Iran zu Protesten. Die Menschen im ganzen Land, die über Jahrzehnte der Repression empört waren, forderten grundlegende Veränderungen und ein politisches System, das die Menschenrechte und die Würde respektiert. Die iranischen Behörden haben mit einem beispiellosen tödlichen Vorgehen reagiert und seit dem 8. Januar 2026 den gesamten Internetzugang gekürzt, um ihre Verbrechen zu verbergen.
Sicherheitskräfte haben rechtswidrige Gewalt, Schusswaffen und andere verbotene Waffen gegen Demonstranten eingesetzt, was zu Massentötungen und schweren Verletzungen führte.
Verifizierte Videos und Augenzeugenberichte, die von Amnesty International gesammelt wurden, zeigen, dass Sicherheitskräfte, die auf den Straßen und auf den Dächern von Gebäuden, einschließlich Häusern, Moscheen und Polizeistationen, positioniert sind, wiederholt Gewehre und Schrotflinten abgefeuert haben, die mit Metallpellets beladen sind, und häufig ihre Köpfe und Torsos ins Visier nehmen.
Die von Amnesty International gesammelten Beweise zeigen, dass Sicherheitskräfte, die an der tödlichen Niederschlagung beteiligt sind, das Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) sind, einschließlich seiner Basidsch-Bataillone und verschiedener Abteilungen der iranischen Polizei, die unter seinem persischen Akronym FARAJA bekannt sind, sowie Zivilagenten.
Die Behörden verübten Massaker an Demonstranten, vor allem am 8. und 9. Januar, als die Zahl der Todesopfer auf Tausende stieg.
Der Januar 2026 markiert die tödlichste Zeit der Repression durch die iranischen Behörden in Jahrzehnten der Forschung von Amnesty International.
Die Straflosigkeit für die wiederholte Begehung von Verbrechen nach internationalem Recht, die von den iranischen Behörden während früherer Protestmaßnahmen begangen wurden, hat diese jüngste Runde der Gewalt angeheizt. Amnesty International dokumentierte zuvor, wie die iranischen Sicherheitskräfte rechtswidrige Gewalt, einschließlich tödlicher Gewalt, einsetzten, um die Frauenleben Freiheitsaufstand von 2022 öffnet in einem neuen Tab, und Die landesweiten Proteste im November 2019 öffnet in einem neuen Tab.
Warum protestieren die Menschen im Iran?
Die Proteste begannen am 28. Dezember 2025 nach einem scharfen Zusammenbruch der iranischen Währung. Dies geschah inmitten der steigenden Inflation, der staatlichen Misswirtschaft der wesentlichen Dienstleistungen und der Verschlechterung der Lebensbedingungen. Die Proteste begannen damit, dass die Ladenbesitzer im Großen Basar in Teheran streikten und Geschäfte schlossen.
Bald schlossen sich mehr Menschen an, und Proteste verwandelten sich in landesweite Massendemonstrationen, die das Ende des Systems der Islamischen Republik forderten. Die Demonstranten fordern grundlegende Veränderungen und den Übergang zu einem neuen Regierungssystem, das die Menschenrechte und die Würde der Menschen respektiert.
Wie wirkt sich die Lebenshaltungskostenkrise im Iran auf die Menschenrechte aus, insbesondere auf wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte?
Die iranischen Behörden haben den Zugang zu grundlegenden Diensten lange nicht verwaltet und es versäumt, die Menschen aufrechtzuerhalten wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte öffnet in einem neuen Tab, was zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen und einer steigenden Inflation führt.
Im Jahr 2025 sahen sich die Menschen im Iran mit schweren und anhaltenden Wasserknappheit und Stromausfällenkonfrontiert, was zu Schul- und Geschäftsschließungen führte. Anstatt das Problem anzugehen, ignorierten die Behörden systematische Ausfälle, beschuldigten stattdessen Dürre und Überkonsum, so dass die Menschen noch weniger Zugang zu Dienstleistungen haben, um die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse wie Wasser und Energie zu erfüllen.
Diese Situation verschlechtert das Recht der Menschen auf einen angemessenen Lebensstandard und auf die Fähigkeit, in Würde zu leben.
Die Behörden im Iran versäumen es auch, die Umweltzerstörung zu bekämpfen, was die bestehenden Ungleichheiten verschärft und marginalisierte Gemeinschaften überproportional betrifft. Diese Umweltzerstörung ist gekennzeichnet durch:
Verlust von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten; Grundwasserabbau; Wasserverschmutzung durch Einleitung von Abwässern in städtische Wasserquellen; Entwaldung; Bodensenkung; abnehmende Wasserreserven und Bodengesundheit; und Luftverschmutzung, teilweise durch die industrielle Nutzung von minderwertigen Kraftstoffen, die 2025 zu Tausenden von Todesfällen beigetragen haben. Die iranischen Behörden investieren auch weiterhin in Regionen mit ethnischen Minderheiten wie den Kurden und den Belutschen. Dies schafft tiefer verwurzelte Armut und Marginalisierung dieser Gruppen.
(...)
Wie reagierten die Behörden auf Proteste?
Hochrangige Staatsbeamte bezeichneten Demonstranten als „Randalierer" öffnet in einem neuen Tab und schwor eine "Fest" öffnet in einem neuen Tab Durchgreifen. Am 3. Januar 2026, Irans Oberster Führer, Ali Khamenei, verurteilte Demonstranten als „Randalierer", die „an ihre Stelle gesetzt" werden sollten.
Die Sicherheitskräfte reagierten mit tödlicher Gewalt, um Demonstranten zu zerstreuen, indem sie unrechtmäßig Gewalt, Schusswaffen und andere verbotene Waffen einsetzten, sowie umfassende Massenverhaftungen durchführten, einschließlich von Kindern im Alter von 14 Jahren. Sie unterwerfen auch viele der Inhaftierten einem verschwindenen Verschwindenlassen und Inkommunikationshaft, wodurch sie einem ernsthaften Risiko von Folter und anderen Misshandlungen ausgesetzt sind. Seit dem 8. Januar haben die Behörden den Internetzugang gekürzt, um ihre Verbrechen zu verbergen und zu verhindern, dass Menschen im Iran Informationen mit der Außenwelt austauschen.
Trotz Einschränkungen hat Amnesty International Beweise dafür überprüft, dass die Behörden durchgeführt haben Massenungesetzliche Tötungen In einem beispiellosen Ausmaß inmitten des Internet-Blackouts. Auch die stark bewaffneten Sicherheitskräfte sind Dirigieren öffnet in einem neuen Tab Patrouillen und die Einrichtung von Kontrollpunkten im ganzen Land. Die Behörden haben seit dem 9. Januar bewaffnete Einheiten auf der Straße stationiert, um nächtliche Ausgangssperren durchzusetzen, die eine Botschaft senden, dass jeder, der sich nach der Ausgangssperre versammelt oder nach draußen geht, tödlicher Gewalt ausgesetzt ist.
Welche Regeln gelten für die Proteste bei der Polizei?
Es gibt klare und gut etablierte Menschenrechtsstandards für die Polizeiarbeit, darunter:
die UN Grundprinzipien zur Anwendung von Gewalt und Schusswaffen durch Strafverfolgung öffnet in einem neuen Tab, die UN-Verhaltenskodex für Strafverfolgungsbeamte öffnet in einem neuen Tab, die Modellprotokoll für Strafverfolgungsbeamte zur Förderung und zum Schutz der Menschenrechte im Zusammenhang mit friedlichen Protesten öffnet in einem neuen Tab. Diese Normen legen Schlüsselprinzipien für Rechtmäßigkeit, Notwendigkeit, Verhältnismäßigkeit, Nichtdiskriminierung, Vorsorge und Rechenschaftspflicht fest. Sie befassen sich mit den Verpflichtungen der Staaten, das Recht auf Freiheit des Lebens, die Freiheit von Folter und andere grausame und unmenschliche Behandlung und das Recht auf friedliche Versammlung zu respektieren und zu gewährleisten. Sie legten auch klare Regeln fest, die den Einsatz von Schusswaffen und anderen unangemessenen Waffen für den Einsatz von zerstreuenden Demonstranten verbieten.
Es gibt unbestreitbare Beweise, die von Amnesty International gesammelt wurden, dass die iranischen Behörden konsequent gegen Menschenrechtsgesetze und -standards für die Anwendung von Gewalt und Schusswaffen verstoßen haben, was eine eklatante und rücksichtslose Missachtung der Menschenrechte zeigt.
(...)
Was unternimmt Amnesty International, um darauf zu reagieren?
Amnesty International untersucht die Menschenrechtsverletzungen der iranischen Behörden. Wir haben Videos und Bilder, die aus offenen Quellen gesammelt und direkt von Menschen im Iran an die Organisation gesendet wurden, überprüft und analysiert. Wir interviewen auch Augenzeugen und Menschen mit direkten Informationen über die Proteste.
Wir plädieren auch für ein Ende des Kreislaufs der Straflosigkeit und des Blutvergießens im Iran, auch indem wir die UN-Mitgliedstaaten auffordern, die Situation im Iran an den Internationalen Strafgerichtshof zu verweisen.
Diese Arbeit ist Teil einer langfristigen Verpflichtung, Beweise zu dokumentieren und zu sammeln, um internationale Wege zur Rechenschaftspflicht iranischer Beamter zu verfolgen. Seit den landesweiten Protesten vom Dezember 2017 bis Januar 2018 haben wir völkerrechtliche Verbrechen und andere schwere Menschenrechtsverletzungen der iranischen Behörden bei protestbedingten Razzien konsequent dokumentiert. Unser Team ist bestrebt, die Anrufe von Menschen im Iran zu verstärken, die Wahrheit und Gerechtigkeit suchen.
——
13. Facebook: Rana Issazadehs Beitrag
https://www.facebook.com/share/p/1CLmXHxRui/?mibextid=wwXIfr
Rana Issazadehs Beitrag 1.3.2026
#iran
Zunächst einmal möchte ich mich bei allen Menschen ganz herzlich bedanken, die mir geschrieben und sich nach mir und meiner Familie im Iran erkundigt haben. Das bedeutet mir sehr viel.
Ich möchte an dieser Stelle einige Dinge loswerden:
Nicht-Iraner:innen können sich nicht vorstellen, wie es uns ergeht und wie polarisiert die iranische Gesellschaft mittlerweile geworden ist. Seit Jahren sehen wir zu, wie Saudi Arabien, Israel und die USA Sender wie "Iran International" finanzieren, um die iranische Bevölkerung mit ihrer eigenen politischen Agenda zu indoktrinieren.
Millionen und Abermillionen US-Dollar fließen seit Jahren rein in die Propaganda; die Figur Reza Pahlavi soll als einzige Alternative präsentiert werden und man muss sagen: Sehr viele Iraner:innen, gerade in der Diaspora, sind tatsächlich darauf reingefallen.
Dies hat verschiedene Gründe; ein wesentlicher Grund ist eben, dass diese Sender mit ihrer Propaganda ohne Konkurrenz sind. Wir, linke, progressive Iraner:innen, haben keine mächtigen Staaten hinter uns, keine Millionen US-Dollar. Wir haben keine Sender, keine Stimme außer einigen sehr guten Influencern mit einer gewissen Reichweite.
Unsere Stimmen, unsere Ideen haben sehr wenig Reichweite, im Vergleich zur Omnipräsenz der Gegenseite, der rechten und pro-zionistischen Monarchiebewegung.
Mit Entsetzen haben wir erleben müssen, wie unsere Landsleute, auch unsere eigenen Familien, sich von der Propaganda haben vereinnahmen lassen und vor allem: In den letzten Wochen haben wir eine unfassbare und erschreckende Radikalisierung erlebt.
Ich hatte dazu mehrmals ausführlich geschrieben, in den Kommentaren verlinke ich die Beiträge. Damit Nicht-Iraner einen Eindruck bekommen, wie schlimm es auch in den Familien aussieht: Es gibt nicht nur Streit bis hin zu Kontaktabbruch innerhalb von Familien; es gibt Chats, die als Selbsthilfegruppen für derartige Fälle fungieren, wie man also psychisch-emotional mit einer derartigen familiären Situation umgeht.
Daher möchte ich an dieser Stelle auch ganz deutlich sagen: Es ist für uns Iraner:innen unerträglich, dass andere Iraner, unsere eigenen Familienmitglieder sich für den Angriff der USA und Israels aussprechen und es kommt zu wirklich dramatischen Ereignissen.
Was glaubt Ihr, wie tolerant wir gerade sind, wenn irgendwelche Nicht-Iraner damit kommen? Irgendwelche Leute, die meinen, sie hätten einen Plan über Iran, weil sie meinen, sie würden sich seit ein paar Jahren mit dem Iran beschäftigen.
Und selbst wenn sie "Experten" wären: Den Preis für ihre Haltung zahlen nicht sie, sondern die iranische Bevölkerung. Es sind mittlerweile über 100 iranische Kinder getötet worden. Das ist der Preis. Den zahlt die iranische Bevölkerung innerhalb Irans.
Also wagt es nicht, mit uns auch noch Diskussionen darüber zu führen, der Angriff sei der einzige Weg zur Befreiung. Es ekelt uns an, es macht uns wütend, wir sind alle, ähnlich wie im letzten Sommer, bei dem Israel den Iran ebenfalls völkerrechtswidrig angegriffen hatte, retraumatisiert.
Die meisten von uns haben den schrecklichen Iran-Irak-Krieg immer noch in den Knochen; ich selbst bin in den ersten Tagen dieses Krieges auf die Welt gekommen und habe erst vor wenigen Jahren erfahren, dass diese Ereignisse psychologische Spuren bei mir hinterlassen haben.
Gestern war ich in den ersten Stunden nach dem Angriff komplett wie gelähmt, konnte nur mit Familie telefonieren und Nachrichten lesen/hören.
Im Januar habe ich begonnen, eine Iran-Reihe zu schreiben und bin nur bis Teil 3 gekommen. Die letzten Wochen waren leider sehr schwierig, in jederlei Hinsicht und ich konnte meine Reihe bislang nicht fortsetzen. Sie wird aber fortgesetzt; darüber hinaus habe ich mich mit anderen linken Iraner:innen zusammen getan, um unsere Perspektive zu den Ereignissen im Iran aufzuzeigen.
Wir machen uns keine Illusionen darüber, dass wir keine Millionen Dollar und ganze Fernsehsender hinter uns haben und daher kein Gegengewicht in dem Sinne aufbauen können. Wir halten es dennoch für wichtig, zu zeigen, dass wir viele sind und dass die monarchistisch-rechte, zum Teil faschistische Bewegung nicht die Iraner:innen repräsentiert. Infos dazu folgen.
———————
14. VENRO: Pressestatement zum Angriff der USA und Israel auf den Iran
https://venro.org/presse/detail/pressestatement-zum-angriff-der-usa-und-israel-auf-den-iran 02.03.2026.
Pressestatement zum Angriff der USA und Israel auf den Iran
Mit großer Sorge beobachtet VENRO die aktuelle militärische Eskalation
im Nahen und Mittleren Osten, die mit dem Angriff der USA und Israels
auf Iran am Samstag begann und in den vergangenen Tagen die gesamte
Region erfasst hat.
Aus Sicht VENROs stellt der Angriff auf Iran eine völkerrechtswidrige
Kriegshandlung dar, die nicht durch die Charta der Vereinten Nationen
gedeckt ist. Mit der Eskalation missachten die USA und Israel die
Prinzipien der regelbasierten Ordnung, die Grundlage einer friedlichen
und an Menschenrechten ausgerichteten internationalen Koexistenz sind.
Die Aushöhlung dieser Grundsätze hat weit über diesen Konflikt
hinausreichende Implikationen für die Wahrung von Frieden, den Schutz
universeller Menschenrechte und die Förderung globaler Entwicklung.
Gleichzeitig bekräftigt VENRO das Recht der iranischen Bevölkerung,
selbstbestimmt über die politische Ausrichtung des Landes und die
Staatsführung entscheiden zu können.
Ebenso gravierend ist eine mögliche massive Destabilisierung der
Region mit unvorhersehbaren Konsequenzen für die Sicherheit und
Versorgung der zivilen Bevölkerung im Nahen und Mittleren Osten.
VENRO fordert die deutsche Bundesregierung dazu auf, sich vehement für
eine baldige Beendigung der Kampfhandlungen und eine Rückkehr zu
friedlichen Ansätzen der Konfliktlösung einzusetzen. Nur so kann das
Völkerrecht einerseits und das Selbstbestimmungsrecht der iranischen
Bevölkerung andererseits gewahrt werden.
VENRO (www.venro.org) ist der Bundesverband entwicklungspolitischer und humanitärer Nichtregierungsorganisationen (NRO). Ihm gehören rund 150 deutsche NRO an, die in der privaten oder kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit, der Humanitären Hilfe sowie der entwicklungspolitischen Bildungs-, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit tätig sind.
——
15. Evangelische Friedensarbeit: AGDF und EAK: Sofortiges Ende der Gewalt im Nahen Osten und Rückkehr zu Gesprächen
AGDF und EAK: Sofortiges Ende der Gewalt im Nahen Osten und Rückkehr zu Gesprächen
AGDF und EAK 02.03.2026 Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran sind bei der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) und der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) auf deutliche Kritik gestoßen. Die beiden Friedensverbände forderten ein sofortiges Ende der Gewalt und eine Rückkehr zu Gesprächen unter Einbeziehung der Vereinten Nationen.
„Der Angriffskrieg von USA und Israel ist ein weiterer Bruch des Völkerrechts und schwächt internationales Recht und Institutionen weiter", kritisiert Jan Gildemeister, der Geschäftsführer der AGDF. Und Jens Lattke vom Sprecherteam der EAK ergänzt: „Unabhängig von dem Schreckensregime im Iran wird das Völkerrecht und damit auch die Glaubwürdigkeit westlicher Politik weiter ausgehöhlt."
Die Tötung von politischen und militärischen Führern führe nicht zu einem - durchaus wünschenswerten - Regimewechsel. „Das Regime unterdrückt seine Bevölkerung und unterstützt Terrorgruppen in anderen Staaten. Es war und ist Aufgabe der Weltgemeinschaft, diesem Regime jegliche Unterstützung zu entziehen und es damit zu schwächen. Einen Sturz der Machthabenden muss aber die iranische Bevölkerung selbst erreichen", macht Jan Gildemeister deutlich.
„Es hat jetzt eine weitere Eskalation des Krieges begonnen, nun ist auch der Libanon betroffen", gibt auch Jens Lattke zu bedenken. Der Krieg wirke sich bereits weltweit auf Handel, Wirtschaft und Verkehr aus, warnt der Friedens- und Umweltbeauftragte der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Und betont: „Die Opfer sind die Menschen im Iran, besonders in Teheran, aber auch in den Golf-Anrainer-Staaten, im Libanon und in Israel, die unter den Raketenangriffen leiden."
AGDF wie EAK unterstützen nachdrücklich die Aufrufe des Ökumenischen Rates der Kirchen wie auch des Papstes nach einem Ende der Kampfhandlungen und einem Stopp der Spirale der Gewalt. „Militärische Gewalt bringt keinen Frieden und löst keine Konflikte, sondern sorgt nur für neue Gewalt und neuen Krieg", so Jan Gildemeister. Hier erhoffen sich beide Verbände auch ein deutlicheres Wort der Bundesregierung und der Europäischen Union.
——
16. DFG-VK: Iran-Krieg: Forderungen an die Bundesregierung
https://dfg-vk.de/iran-krieg-forderungen-an-die-bundesregierung/
02.03.2026 Iran-Krieg: Forderungen an die Bundesregierung
Mitten in Verhandlungen haben die USA und Israel den Iran angegriffen. Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) protestiert gegen den völkerrechtswidrigen Krieg und stellt auch konkrete Forderungen an die Bundesregierung.
Noch während erfolgsversprechende Verhandlungen mit den USA liefen, haben diese – gemeinsam mit Israel – seit Samstagmorgen militärische Angriffe auf den Iran begonnen. Die Lage ist – wie in jedem Krieg – unübersichtlich, es sind viele Falschinformationen im Umlauf und Medienberichte überschlagen sich.
Noch umfassender als schon im Juni 2025 haben Israel und die USA den Iran angegriffen. Es gibt Berichte über Tote und Verletzte – neben der klerikal diktatorischen iranischen Staats- und Militärführung sollen auch Zivilist*innen und Kinder unter den Opfern sein. Während Teile der iranischen Zivilbevölkerung – verständlicherweise – den Sturz der Führungsebene feiern, sind sie gleichzeitig einem Hagel von Bomben und Raketen ausgesetzt:
„Wir verurteilen das Massaker der letzten Monate an zehntausenden Regimegegnerinnen und -gegnern. Aber Chamenei hätte der Prozess gemacht werden müssen, statt ihn zu ermorden und damit für viele Gläubige zum Märtyrer zu machen. Es ist kein Widerspruch ein Ende des iranischen Regimes zu fordern und gegen den völkerrechtswidrigen Militärangriff der USA und Israels zu sein. Uns empört, dass die Bundesregierung nicht den Angriff, sondern nur die Gegenschläge Irans kritisiert", hält Thomas Carl Schwoerer, Bundessprecher der DFG-VK, fest.
Die von den angreifenden Staaten USA und Israel öffentlich kolportierte Strategie der iranischen Zivilgesellschaft durch den Enthauptungsschlag die Möglichkeit zu geben die Macht zu ergreifen ist hochriskant: „Gewaltsame Regimewechsel von außen sind bereits im Irak und in Afghanistan gescheitert. Wissenschaftliche Studien belegen, dass gewaltfreie Umbrüche eine wesentlich höhere Chance auf Erfolg haben als gewaltsame. Gewaltfreier Widerstand eröffnet die deutlich größere Chance auf demokratische Strukturen im Land nach Kriegsende.
Das Regime hätte gemäß den Vorschlägen von Navid Kermani noch mehr international zum Paria wie damals das Apartheid-Südafrika gemacht werden müssen, statt Krieg zu führen", so Schwoerer. Zudem wälze US-Präsident Donald Trump den Erfolg oder Misserfolg des Militäreinsatzes auf die in Angst vor dem Regime und den Bomben lebende Zivilbevölkerung ab: „Wir stehen empathisch an der Seite aller zivilen Opfer dieses Krieges", so der DFG-VK-Sprecher. Trump spricht von einer vierwöchigen Dauer des Krieges. Der gesamten Region des Nahen und Mittleren Ostens droht ein Flächenbrand.
Der Konflikt zwischen den westlichen Mächten und dem Iran schwelt schon seit Jahrzehnten. In den letzten Jahren hatte er sich aber zunehmend verschärft, nachdem US-Präsident Donald Trump in seiner ersten Amtszeit 2018 aus dem Iran-Atomabkommen (dem „Joint Comprehensive Plan of Action") ausgestiegen ist. Das Abkommen, welches 2015 nach zwölfjährigen Verhandlungen vom Iran, von China, Frankreich, Deutschland, der EU, Russland, Großbritannien und den USA unterzeichnet wurde, billigte dem Iran eine eingeschränkte und streng überwachte zivile Nutzung der Atomkraft zu, untersagte aber eine militärische Nutzung:
Der Vertrag war nicht perfekt, hat den Konflikt aber deutlich entschärft", so Thomas Carl Schwoerer von der DFG-VK. Gemeinsam mit weiteren Organisationen hatte der Verband gegen die Kündigung des Abkommens und einen schon damals drohenden Iran-Krieg demonstriert.
Nach dem Ausstieg der USA und der weiteren aggressiven Regierungsführung der Regierung Netanjahu in Israel verschärfte sich der Ton: „Der Krieg zeigt einmal mehr, wohin die Politik extrem rechter Machthaber führt: In einen Krieg! Sowohl in den USA, als auch in Israel und im Iran führen politisch extrem rechte Politiker die jeweilige Regierung", hält Schwoerer fest. Die DFG-VK ruft alle Seiten dazu auf die Waffen niederzulegen.
Konkret von der Bundesregierung fordert die DFG-VK:
Eine deutliche Verurteilung der völkerrechtswidrigen Angriffe der USA und Israels Diplomatische Initiativen, um den Krieg schnellstmöglich zu beenden Keine Unterstützung für die Angriffe auf den Iran beispielsweise durch die Bereitstellung von Infrastruktur, Überflugrechten und Logistik für US-Truppen Den Stopp der Waffenexporte an die USA und Israel sowie generell in die Krisen- und Kriegsregion des Nahen- und Mittleren Ostens Ein Ende der Zusammenarbeit mit dem Militär der USA und Israels Sanktionen gegen die angreifenden Staaten sowie kein Kauf von Militärmaterial aus den USA (etwa F-35-Kampfjets) und aus Israel durch das deutsche Verteidigungsministerium Einen Stopp aller Abschiebungen in den Iran und umliegende Staaten Schutz und Asyl in Deutschland und der EU für alle, die sich dem Krieg entziehen wollen
Pressemitteilung der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, Stuttgart, 2. März 2026
——
17. Versoehnungsbund: Zur Geschichte zwischen westlicher Politik und muslimischer Welt
https://versoehnungsbund.de/sites/default/files/2020-06/cr-geschichte-westen-islamische%20welt.pdf
Zur Geschichte zwischen westlicher Politik und muslimischer Welt
Clemens Ronnefeldt
21.11.2015
(...) 1953: Sturz der iranischen Regierung durch Großbritannien und die USA wegen der Pläne des demokratisch gewählten iranischen Ministerpräsidenten Mossadegh zur Verstaatlichung der Erdöl-Industrie.
Aus dem "Archiv der George-Washington-Universität", „Operation TPAJAX", freigegeben am 19.8.2013:
„ZIEL: Premierminister Mossadegh und seine Regierung.
METHODEN UND DURCHFÜHRUNG
Legale und quasilegale Methoden zum Sturz der Mossadegh-Regierung und ihre Ersetzung durch eine pro-westliche Regierung. (...)
Die Entfernung Mossadeghs von der Macht wurde am 16. August 1953 erfolgreich vollzogen".
Quelle: Michael Lüders, Wer den Wind sät. Was westliche Politik im Orient anrichtet, München, 5. Auflage 2015, S. 13f
——
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-78076179.html (online-Ausgabe: 17.4.2011, Printausgabe 19.4.2011)
19.4.2011: Mohamed ElBaradei, ehemaliger Direktor der Internationalen Atomenergieagentur in Wien im "Spiegel-Interview" zu den iranischen Atomverhandlungen:
"ElBaradei: Wir standen tatsächlich mehrfach kurz vor einer Lösung. 2003 waren die Iraner bereit, aber die Regierung von US-Präsident George W. Bush wollte nicht. Als dann 2010 Präsident Barack Obama seine Hand ausstreckte, konnten die Iraner sie aufgrund innenpolitischer Machtkämpfe nicht ergreifen. (...)
ElBaradei: Ich halte mich streng an die Fakten, und dazu gehört eben auch, dass Amerikaner und Europäer uns wichtige Papiere und Informationen vorenthielten. Denen ging es nicht um einen Kompromiss mit der Regierung in Teheran, sondern um einen Regimewechsel. Dafür war ihnen so ziemlich jedes Mittel recht."
SPIEGEL: Und die armen Iraner waren völlig unschuldig?
ElBaradei: Nein, auch die haben getrickst. Aber der Westen hat nie versucht zu verstehen, dass es Iran vor allem um Anerkennung, um eine Behandlung auf Augenhöhe ging".
(...)
US-Päsident B. Obama in Kairo, Juni 2009 As-salaam alaikum. Wir kommen zusammen in einer Zeit großer Spannung zwischen denvVereinigten Staaten und Muslimen auf der ganzen Welt - einer Spannung mit Wurzeln in historischen Kräften (...).
In jüngerer Zeit wurde die Spannung von einem Kolonialismus genährt, der vielen Muslimen Rechte und Chancen verwehrte, und von einem Kalten Krieg, in dem zu oft überwiegend muslimische Staaten ohne Rücksicht auf ihre eigenen Ziele wie Stellvertreter behandelt wurden.
Der Heilige Koran lehrt, dass wer einen Unschuldigen tötet, die ganze Menschheit tötet, und dass wer einen Menschen rettet, die ganze Menschheit rettet.
Der anhaltende Glaube von mehr als einer Milliarde Menschen ist so viel größer als der engstirnige Hass einer kleinen Gruppe. Der Islam ist nicht Teil des Problems bei der Bekämpfung des gewaltsamen Extremismus, sondern ein wichtiger Teil zur Förderung des Friedens...
Ich habe unmissverständlich jede Anwendung von Folter durch die Vereinigten Staaten verboten und ich habe angeordnet, das Gefängnis in Guantánamo Bay bis zum nächsten Frühjahr zu schließen. (...)
Es gibt keinen Zweifel: Die Lage des palästinensischen Volks ist untragbar. Amerika wird dem legitimen Streben der Palästinenser nach Würde, Chancen und einem eigenen Staat nicht den Rücken kehren. (...)
-----
18. Buchhinweise: Johannes Zang: "Und am Kontrollpunkt wartet die Erniedrigung" Wigbert Tocha: Friedenstüchtig werden. Überredung zum Pazifismus - Mit zwei Interviews: Fragen an Clemens Ronnefeldt und Christine Schweitzer
https://www.hamppverlag.com/und-am-kontrollpunkt-wartet-die-erniedrigung/
1. Buchhinweis: "Und am Kontrollpunkt wartet die Erniedrigung"
Johannes Zang
Pilger und Touristen sind oft erstaunt, Christen im Heiligen Land - der Wiege der Christenheit - anzutreffen. Sie rechnen mit jüdischen und muslimischen Bewohnern. Die, denen die christliche Präsenz bewusst ist, kennen vielleicht Bücher oder Interviews prominenter palästinensischer Christen. Was jedoch denkt der weniger prominente Christ?
Wie meistert er den Alltag unter Israels Militärbesatzung? Wie hat sich dieser seit dem 7. Oktober 2023 verändert? Wie glauben und wovon träumen Christen in Ramallah oder Bethlehem? Was erhoffen sie?
Der Publizist Johannes Zang war in der Osterzeit 2025 in und um Jerusalem und hat Stimmen eingefangen.
——————
2. Buchhinweis:
Von Wigbert Tocha, ehemaliger Redakteur bei Publik-Forum, ist am 11.2.2026 ein neues Buch erschienen:
Friedenstüchtig werden. Überredung zum Pazifismus -
Mit zwei Interviews: Fragen an Clemens Ronnefeldt und Christine Schweitzer
Wigbert Tocha (Autor) Buch | Softcover 292 Seiten 2026
Büchner-Verlag. 9783963174438 (ISBN)
26,00 Euro, als e-Book: 20,99 Euro
https://www.buecher.de/shop/home/artikeldetails/A1077626052
Beiliegend daraus das Interview mit mir als Leseprobe eines Buches mit wichtigen Anregungen und Argumenten auch zur kritischen Infragestellung der neuen EKD-Friedensdenkschrift.