Liebe Friedensinteressierte, nachfolgend sende ich einige Artikel zu den Kriegen in der Ukraine und in Westasien sowie zum Thema Militarisierung - mit dem Hinweis, dass ich nicht mit allen Aussagen aller Artikel übereinstimme, die folgenden Beiträge aber für wichtig halte.
Nach der Sommerpause möchte ich auf einige Meldungen auch der letzten Wochen verweisen - für alle, die im Urlaub die Entwicklungen nicht mitverfolgen konnten.
- WiWo: Trumps Gesandte in Moskau und Kiew - kein erkennbarer Erfolg
- ZDF: Weißes Haus verteidigt Einladung: G20-Treffen: Klingbeil irritiert über Teilnahme Russlands
- Merkur: Eskalation mit Russland: BND soll Ukraine wohl bald heikle Ziel-Daten liefern
- Welt: Wegen Drohnen-Vorwürfen zu Leipzig – Lawrow sieht „Beginn eines echten Krieges" mit Deutschland
- Spiegel: Gespräche mit Washington - Putin telefoniert mit Trump – Moskau hofft auf Wiederherstellung der Beziehungen
- Freitag: August Pradetto: „Die Sanktionen spielen der AfD in die Hände"
- Bundesregierung: vertrag ueber gute nachbarschaft, partnerschaft und zusammenarbeit zwischen der bundesrepublik deutschland und der Union der sozialistischen sowjetrepubliken
- Der Spiegel: Itamar Ben-Gvir Israelischer Minister fordert die Tötung von 30 bis 40 Menschen in Gaza – jede Nacht
- Zenith: Sven Kühn von Burgsdorff: Bundesregierung, Israel, Völkerrecht und Nahostkonflikt - Berlins scheinheilige Empörung über Ben-Gvir
- Qantara: Charlotte Wiedemann: Wie über Zionismus sprechen?
- IMI: Jürgen Wagner: Kriegstüchtigk an allen Fronten: Kanonen statt Butter – Rüstung durch Sozialabbau
- ProPeace: Bundesregierung will bald jeden dritten Euro fürs Militär ausgeben
- Vom Gotteskomplex zur „Kriegstüchtigkeit": Warum wir Horst-Eberhard Richter heute neu lesen müssen
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1. WiWo: Trumps Gesandte in Moskau und Kiew - kein erkennbarer Erfolg https://www.wiwo.de/politik/ausland/diplomatie-trumps-gesandte-in-moskau-und-kiew-kein-erkennbarer-erfolg/100252360.html Diplomatie Trumps Gesandte in Moskau und Kiew - kein erkennbarer Erfolg Ihre Unterredungen in Moskau und Kiew sehen die US-Unterhändler positiv. Selenskyj aber denkt schon an den Winter. Denn der Krieg geht vorerst weiter.
06.09.2026 - 19:53 Uhr
Quelle: dpa
Im Ringen um ein Ende des Ukraine-Kriegs haben sich nach Gesprächen der US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner in Moskau und Kiew keine unmittelbaren Fortschritte gezeigt.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach zwar von „äußerst inhaltsvollen" Gesprächen, machte aber deutlich, dass unter dem Strich wenig stand.
Nach Abschluss der Unterredungen zeigte er sich wenig optimistisch: „Sollte sich der Krieg bis zum Winter ziehen, und danach sieht es aktuell aus, brauchen wir ein "Winterpaket"", wurde er von den ukrainischen Medien zitiert. (...)
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Krieg in der Ukraine „Konstruktiv, inhaltsreich und vertrauensvoll" – Kreml und Weißes Haus loben dreistündiges Gespräch Stand: 06.09.2026
Putin hat sich bei dem Treffen mit Steve Witkoff und Jared Kushner laut dem Kreml überzeugt gezeigt, dass er seine Kriegsziele gegen die Ukraine erreicht. Washington spricht von „konkreten Plänen" für die nächsten Schritte. (...)
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2. ZDF: Weißes Haus verteidigt Einladung: G20-Treffen: Klingbeil irritiert über Teilnahme Russlands
https://www.zdfheute.de/politik/ausland/g20-russland-usa-klingbeil-irritiert-100.html
Weißes Haus verteidigt Einladung: G20-Treffen: Klingbeil irritiert über Teilnahme Russlands
01.09.2026 | 06:18
Russlands Rückkehr an den G20-Finanztisch sorgt für Unmut bei Klingbeil. Das Signal sei "irritierend". Russlands Finanzminister nahm erstmals seit Jahren wieder persönlich teil.
Erstmals seit gut vier Jahren haben die USA Russland die Teilnahme an einem G20-Finanzministertreffen ermöglicht und damit Protest bei Deutschland und anderen europäischen Partnern hervorgerufen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) äußerte sich am Montag am Rande der Beratungen in Asheville im US-Bundesstaat North Carolina irritiert über das US-Vorgehen. Er habe zusammen mit anderen Europäern ein Foto mit dem russischen Finanzminister Anton Siluanow boykottiert, sagte Klingbeil. (...)
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3. Merkur: Eskalation mit Russland: BND soll Ukraine wohl bald heikle Ziel-Daten liefern
https://www.merkur.de/politik/nach-drohnenanschlag-in-leipzig-bnd-soll-ukraine-zieldaten-liefern-zr-94472750.html Eskalation mit Russland: BND soll Ukraine wohl bald heikle Ziel-Daten liefern
Stand: 03.09.2026, 09:45 Uhr
Von: Felix Busjaeger Berlin – Nach dem Fund einer mit Sprengstoff präparierten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle Anfang August eskaliert der Konflikt zwischen Berlin und Moskau auf diplomatischer und geheimdienstlicher Ebene weiter. Laut einem Bericht des Spiegel erwägt die Bundesregierung, den Bundesnachrichtendienst (BND) künftig mit der Lieferung von sogenannten Targeting-Daten an die Ukraine zu beauftragen.
Das beinhaltet exakte Zielkoordinaten, die für spätere Raketen- oder Drohnenangriffe gegen Russland genutzt werden könnten. Bisher fließen solche Informationen nur mit Verzögerung an die ukrainischen Partner. Die Maßnahme ist Teil eines umfassenderen Pakets an Strafmaßnahmen, das zwischen den beteiligten Ministerien abgestimmt wurde. (...)
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4. Welt: Wegen Drohnen-Vorwürfen zu Leipzig – Lawrow sieht „Beginn eines echten Krieges" mit Deutschland
Russlands Außenminister Wegen Drohnen-Vorwürfen zu Leipzig – Lawrow sieht „Beginn eines echten Krieges" mit Deutschland
Stand: 07.09.2026
Sergej Lawrow weist die Anschuldigungen der Bundesregierung zu den Drohnenangriffen am Leipziger Flughafen entschieden zurück. Kanzler Friedrich Merz erkläre Russland „faktisch den Krieg".
Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat den Ton in der Auseinandersetzung mit dem Westen weiter verschärft. Die gegen Moskau erhobenen Anschuldigungen, Russland sei für den Drohnenangriff auf dem Flughafen Leipzig verantwortlich, seien „im Großen und Ganzen der Beginn eines echten Krieges", sagte Lawrow am Sonntag laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass.
„All diese Aussagen von (Bundeskanzler Friedrich) Merz, Deutschland wieder zur führenden Militärmacht in Europa zu machen – sie werden nun in die Tat umgesetzt. Er erklärt uns faktisch den Krieg." (...)
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5. Spiegel: Gespräche mit Washington - Putin telefoniert mit Trump – Moskau hofft auf Wiederherstellung der Beziehungen
Gespräche mit Washington Putin telefoniert mit Trump – Moskau hofft auf Wiederherstellung der Beziehungen Bei einem Telefonat mit Donald Trump hat Wladimir Putin offenbar abermals versucht, den US-Präsidenten auf seine Seite zu ziehen. Der Kremlchef leugnete »aggressive Pläne« gegen Europa und warb für enge Beziehungen mit Washington.
09.09.2026, 08.17 Uhr
US-Präsident Donald Trump und Russlands Machthaber Wladimir Putin haben laut Angaben des Kreml miteinander telefoniert. Das Gespräch sei »äußerst offen« gewesen, sagte Putins außenpolitischer Berater Jurij Uschakow.
Putin habe Trump zugesichert, angeblich keine »aggressiven Pläne« in Bezug auf Europa zu haben. Die Aussage erfolgte nur wenige Wochen nach dem gescheiterten Anschlag auf den Flughafen Leipzig, für den Deutschland Russland verantwortlich macht. (...)
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6. Freitag: August Pradetto: „Die Sanktionen spielen der AfD in die Hände"
https://www.freitag.de/autoren/simon-zeise/august-pradetto-im-interview?utm_source=chatgpt.com
Politik
August Pradetto: „Die Sanktionen spielen der AfD in die Hände"
Nach einem Drohnenvorfall in Leipzig macht die Bundesregierung Russland verantwortlich und schließt das Russische Haus in Berlin. Außenpolitikexperte Pradetto hält das für voreilig – und hat noch andere Verdächtige im Blick. Ein Gespräch
Von Simon Zeise
04.09.2026
(...)
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Hinweis von C. Ronnefeldt zum nachfolgenden Dokument:
Die heutige Russische Föderation ist Rechtsnachfolgerin der 1991 aufgelösten UdSSR.
Da der Vertrag bis heute nicht gekündigt wurde, hat er auch aktuell völkerrechtliche Bedeutung.
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7. Bundesregierung: vertrag ueber gute nachbarschaft, partnerschaft und zusammenarbeit zwischen der bundesrepublik deutschland und der Union der sozialistischen sowjetrepubliken
https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/newsletter-und-abos/bulletin/vertrag-ueber-gute-nachbarschaft-partnerschaft-und-zusammenarbeit-zwischen-der-bundesrepublik-deutschland-und-der-union-der-sozialistischen-sowjetrepubliken-788564 vertrag ueber gute nachbarschaft, partnerschaft und zusammenarbeit zwischen der bundesrepublik deutschland und der Union der sozialistischen sowjetrepubliken
Bulletin 133-90
15. November 1990
(...)
artikel 7
falls eine situation entsteht, die nach meinung einer seite eine bedrohung fuer den frieden oder eine verletzung des friedens darstellt oder gefaehrliche internationale verwicklungen hervorrufen kann, so werden beide seiten unverzueglich miteinander verbindung aufnehmen und bemueht sein, ihre positionen abzustimmen und einverstaendnis ueber massnahmen zu erzielen, die geeignet sind, die lage zu verbessern oder zu bewaeltigen.
(...)
artikel 20
die beiden regierungen werden unter beruecksichtigung der beiderseitigen interessen und der beiderseits bestehenden zusammenarbeit mit anderen laendern ihre zusammenarbeit im rahmen der internationalen organisationen verstaerken.
sie werden einander behilflich sein, die zusammenarbeit mit internationalen, insbesondere europaeischen organisationen und institutionen zu entwickeln, denen eine seite als mitglied angehoert, falls die andere seite ein entsprechendes interesse bekundet.
(...)
dieser vertrag tritt am tage des austauschs der ratifikationsurkunden in kraft.
dieser vertrag gilt fuer die dauer von zwanzig jahren. danach verlaengert er sich stillschweigend um jeweils weitere fuenf jahre, sofern nicht einer der vertragsstaaten den vertrag unter einhaltung einer frist von einem jahr vor ablauf der jeweiligen geltungsdauer schriftlich kuendigt.
geschehen zu bonn am 9. november 1990
in zwei urschriften, jede in deutscher und russischer sprache, wobei jeder wortlaut gleichermassen verbindlich ist.
fuer die bundesrepublik deutschland dr. helmut kohl
fuer die union der sozialistischen sowjetrepubliken michail s. gorbatschow
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8. Der Spiegel: Itamar Ben-Gvir Israelischer Minister fordert die Tötung von 30 bis 40 Menschen in Gaza – jede Nacht
Itamar Ben-Gvir Israelischer Minister fordert die Tötung von 30 bis 40 Menschen in Gaza – jede Nacht
Israels rechtsextremer Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir fordert deutlich mehr Gewalt im Gazastreifen. In einem Podcast sagt er, dort gebe es Menschen, die »nicht einmal Menschen« seien.
17.08.2026, 15.05 Uhr
Der israelische Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, hat gefordert, in Gaza jede Nacht mehrere Dutzend Palästinenser zu töten. Die Äußerungen des Ministers aus dem Kabinett von Premier Benjamin Netanyahu wurden am Sonntag öffentlich und sorgten insbesondere in palästinensischen Medien für Aufsehen. (...)
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siehe auch:
Armee kritisiert Verhör-Vorfälle Israelische Soldaten markieren Palästinenser mit Nummern (...) ——
9. Zenith: Bundesregierung, Israel, Völkerrecht und Nahostkonflikt - Berlins scheinheilige Empörung über Ben-Gvir
https://zenith.me/de/writer/sven-k%C3%BChn-von-burgsdorff
Bundesregierung, Israel, Völkerrecht und Nahostkonflikt Berlins scheinheilige Empörung über Ben-Gvir Kommentar
von Sven Kühn von Burgsdorff
20.08.2026
Politik
"Es reicht nicht aus, rassistische und menschenverachtende Politiker wie Ben-Gvir und Bezalel Smotrich an den Pranger zu stellen.
Die Sitzung des EU-Rates für Auswärtige Angelegenheiten im Oktober bietet Berlin die nächste Gelegenheit, sich der Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten anzuschließen: Denn nur koordiniertes, völkerrechtlich fundiertes Vorgehen beendet die Straflosigkeit und schafft Raum für politische Lösungen."
(...)
Was sich ändern muss, ist sowohl die Praxis im bilateralen Verhältnis zu Israel als auch hinsichtlich Deutschlands Vorgehen auf EU- und multilateraler Ebene. Berlin kann nicht weiter israelische Rechtsverstöße als Angelegenheiten behandeln, die am besten diskret und – wie Außenminister Wadpehul weiterhin fälschlicherweise fordert – im »kritischen Dialog« mit Tel Aviv gehandhabt werden müssen. (...)
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Dr. Sven Kühn von Burgsdorff ist Diplomat im Ruhestand und seit 1992 im Feld der EU-Außenbeziehungen tätig. Er war Offizieller Repräsentant der Europäischen Union an verschiedenen Standorten, darunter Jerusalem. Zudem war er leitender Berater für Mediation im Auswärtigen Dienst der Europäischen Union
— siehe auch: https://www.mofa.gov.ae/en/mediahub/news/2026/8/21/uae-joint-statement Gemeinsame Erklärung der Außenminister der VAE, der KSA, Katar, Jordaniens, Indonesiens, Pakistans, der Türkei und Ägyptens Fr 21/8/2026
Die Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate, des Königreichs Saudi-Arabien, des Staates Katar, des haschemitischen Königreichs Jordanien, der Republik Indonesien, der Islamischen Republik Pakistan, der Republik Türkei und der Arabischen Republik Ägypten verurteilen Israels fortgesetzte illegale Siedlungspolitik im besetzten palästinensischen Gebiet unmissverständlich und lehnen den „E1"-Siedlungsplan und die damit verbundenen Siedlungsaktivitäten östlich des besetzten Ost-Jernaser Jerusalems kategorisch ab. (...)
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10. Qantara: Charlotte Wiedemann: Wie über Zionismus sprechen?
https://qantara.de/artikel/israel-und-pal%C3%A4stina-wie-%C3%BCber-zionismus-sprechen
Israel und Palästina
08.06.2026 Wie über Zionismus sprechen? Kritik an der Ideologie, die zur Gründung Israels führte, gilt in Deutschland als heikel. In den USA hingegen, wo der zionistische Konsens in der jüdischen Community zerbricht, wird offen diskutiert. Das könnte Folgen haben – und verdient Aufmerksamkeit.
Essay von Charlotte Wiedemann
Kürzlich lernte ich einen älteren Israeli kennen; er hatte seine Heimat „wegen des Genozids", wie er sagte, verlassen und bezeichnete sich als Antizionist. Als ich fragte, ob es nicht ausreiche, Post- oder Nicht-Zionist zu sein, erklärte er, all dies seien Stadien in seinem Leben gewesen.
Erzogen in einer jüdisch-zionistischen Familie in Argentinien war er als junger Mann nach Israel eingewandert. Sich nun, nach einem Jahre währenden Prozess, als Antizionist zu verstehen, war verbunden mit großer Trauer über den Weg, den Israel genommen hatte. (...)
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11. IMI: Jürgen Wagner: Kriegstüchtigk an allen Fronten: Kanonen statt Butter – Rüstung durch Sozialabbau https://www.imi-online.de/2026/08/25/neues-buch-kriegstuechtig-an-allen-fronten/
MI-Mitteilung Neues Buch: Kriegstüchtig an allen Fronten Kanonen statt Butter – Rüstung durch Sozialabbau von: Jürgen Wagner | Veröffentlicht am: 25. August 2026 Klappentext: Kriegstüchtigkeit allerorten, eine ›Zeitenwende‹ als Übergang: von einer auf Angriffsoperationen ausgerichteten Bundeswehr über die Umstellung auf Kriegswirtschaft und die Einführung eines neuen Wehrdienstes bis hin zur systematischen Einbeziehung ziviler Akteure in Kriegsvorbereitungen via ›Operationsplan Deutschland‹.
Kaum ein Bereich, der inzwischen nicht von einer umfassenden Militarisierung durchdrungen ist. Der Hintergrund: Im EU-Verbund will sich Deutschland als militärische Führungsmacht gegenüber Russland, China und zunehmend auch den USA in Stellung bringen.
Für historische Erhöhungen der Rüstungsausgaben erteilte eine Zweidrittelmehrheit eines bereits abgewählten Bundestags per Grundgesetzänderung einen Blankoscheck. Weil es kein ›olivgrünes Wirtschaftswunder‹ geben wird, soll dies erst durch Schulden, dann aus dem laufenden Haushalt finanziert werden.
Die Folge: Drastische Sozialkürzungen, für die mit einer ›Kanonen statt Butter‹-Rhetorik der Stimmungsteppich ausgebreitet wird. Häufig noch unterhalb der medialen Wahrnehmungsschwelle entsteht eine Bewegung gegen Militarisierung und Sozialabbau, die Unterstützung benötigt, um dem Rüstungswahn einen Riegel vorzuschieben.
Das rund 300 Seiten umfassende Buch kann zum Preis
von 19,90 Euro (inkl. Porto) bei der Informationsstelle Militarisierung
bestellt werden: imi@imi-online.de
Jürgen Wagner
Kriegstüchtig an allen Fronten
Kanonen statt Butter – Rüstung durch Sozialabbau Neue Kleine Bibliothek 360 September 2026 Paperback, etwa 300 Seiten ISBN 978-3-89438-873-7 ———
12. ProPeace: Bundesregierung will bald jeden dritten Euro fürs Militär ausgeben
Blog 2026-08-17
Bongard Bundesregierung will bald jeden dritten Euro fürs Militär ausgeben
Warum die Rekordaufrüstung uns alle ärmer machen wird – und die Welt nicht sicherer
Fußballweltmeisterschaft, Hitzewellen und die Debatte um die Abschaffung der telefonischen Krankmeldung standen zu Beginn der Sommerpause im Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit. Dabei ging eine Nachricht nahezu unter: Anfang Juli beschloss die Bundesregierung den größten Aufrüstungsplan Deutschlands seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Ein öffentlicher Aufschrei? Fehlanzeige.
Schon im kommenden Jahr will die Bundesregierung mehr als 100 Milliarden Euro für das Militär ausgeben. Bis 2030 soll der Verteidigungsetat auf rund 180 Milliarden Euro anwachsen. Damit würde der Bund bald ein Drittel seines Haushalts für Verteidigung ausgeben.
Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges in den 1970er und 1980er Jahren war es nur rund ein Fünftel. Doch das ist noch nicht alles: Die Aufrüstung wird größtenteils über Schulden finanziert. Dementsprechend wächst nicht nur der Verteidigungshaushalt, sondern auch die Zinsausgaben für die Bundesschuld steigen bis zum Jahr 2030 auf 80 Milliarden Euro an.
Die Aufrüstung wird Deutschland in den kommenden Jahren enorme Kosten abverlangen – finanziell wie gesellschaftlich. Doch der Widerstand bleibt schwach und fragmentiert. Gewerkschaften und Sozialverbände kritisieren die Sozialkürzungen, die Klimabewegung fordert mehr Engagement für den Klimaschutz und Hilfsorganisationen warnen vor den dramatischen Folgen der Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit.
Doch eine breite Debatte über den Aufrüstungskurs fehlt. Ein Grund: In Medien und Talkshows dominieren seit Jahren Themen wie Sicherheit, Bedrohungen und Militär, während der Friedensdiskurs fast verschwunden ist. Vielleicht ändert sich das endlich, wenn mehr und mehr Menschen die Folgen erkennen. Es wäre dringend nötig.
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Hier gehts zur "Aktion gegen Rekordaufrüstung":
https://www.propeace.de/de/unsere-arbeit/politik-kampagnen/rekordaufruestung
Erheben Sie Ihre Stimme gegen die Rekordaufrüstung! Deutschland rüstet auf wie nie zuvor: Über 600 Milliarden Euro sollen in den nächsten vier Jahren ins Militär fließen – jeder dritte Euro des Bundeshaushalts. Ein Rekord in der Geschichte der Bundesrepublik.
Diese Rekordaufrüstung geht auf Kosten von sozialer Sicherheit und internationaler Solidarität. Die Kürzungen treffen die Schwächsten in unserem Land, gefährden weltweit Menschenleben und verschärfen Konflikte.
Rekordaufrüstung auf Kosten der Schwächsten gefährdet den Frieden
Unterzeichnen Sie jetzt die unten stehende Botschaft und senden Sie sie direkt an Lars Klingbeil – schnell und einfach per
Online-Formular: (...)
https://www.propeace.de/de/unsere-arbeit/politik-kampagnen/rekordaufruestung
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13. Vom Gotteskomplex zur „Kriegstüchtigkeit": Warum wir Horst-Eberhard Richter heute neu lesen müssen
https://www.pressenza.com/de/2026/08/vom-gotteskomplex-zur-kriegstuechtigkeit-warum-wir-horst-eberhard-richter-heute-neu-lesen-muessen/ Vom Gotteskomplex zur „Kriegstüchtigkeit": Warum wir Horst-Eberhard Richter heute neu lesen müssen
24.08.26 - Manfred Böhm
Der Arzt und Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter (1923–2011) verband Tiefenpsychologie mit gesellschaftspolitischem Engagement. Sein Wirken in Berlin, Gießen und Frankfurt am Main prägte die deutsche Friedensbewegung nachhaltig.
Angesichts aktueller Debatten um Zeitenwende, massive Aufrüstung und eine geforderte Kriegstüchtigkeit zur Vorbereitung auf einen potenziellen Konflikt mit Russland erweisen sich seine Analysen als brennend aktuell. Seine Schriften legen die unbewussten Mechanismen hinter Eskalationsspiralen offen.
Prägende Kriegserfahrungen und die Wurzeln des Denkens
Richters friedenspolitischer Einsatz basierte auf prägenden Kriegserfahrungen als junger Soldat im Zweiten Weltkrieg an der Russlandfront. Das Erleben von Zerstörung und Todesangst wurde zum Katalysator für seinen Lebensweg.
Er begriff den Krieg als schwerste Pathologie der Menschheit, die es psychologisch zu verhindern galt. Auf der Suche nach Antworten erweiterte er die Psychoanalyse von Sigmund Freud von der Couch auf die gesamte Gesellschaft. Für Richter stellten der Zivilisationsbruch des Holocaust und die atomare Vernichtung von Hiroshima die ultimativen Endpunkte einer fehlgeleiteten menschlichen Allmachtsfantasie dar, die in die totale Selbstzerstörung führt.
Sein Verhältnis zu Russland blieb dabei frei von Feindseligkeit, obwohl seine Eltern zwei Monate nach Kriegsende von zwei betrunkenen sowjetischen Soldaten ermordet worden waren. Richter verweigerte zeit seines Lebens die persönliche und politische Hassreaktion.
Er nutzte die Psychoanalyse, um die Entstehung von Feindbildern zu ergründen. In Zeiten des Ost-West-Konflikts engagierte er sich für Völkerverständigung und forderte im Buch „Russen und Deutsche" (1990), historisch gewachsene Ängste vor den Russen psychologisch aufzuarbeiten und durch partnerschaftlichen Dialog zu ersetzen.
Sigmund Freud und der Gotteskomplex
In seinem Hauptwerk „Der Gotteskomplex" (1979) untersuchte Richter die psychologischen Krisen der westlichen Kultur. Durch den Verlust religiöser Geborgenheit seit der Aufklärung fühlt sich der moderne Mensch zutiefst isoliert, verletzlich und existentiell ohnmächtig. Diese schmerzhafte und verdrängte Wahrheit beschrieb Richter mit seiner Wortschöpfung der Ohnmachtsanschauung. Weil diese Todesangst unerträglich ist, spaltet das Individuum sie ab und kompensiert sie durch einen psychologischen Abwehrmechanismus: den Gotteskomplex.
Der Mensch flüchtet in den Wahn, Natur, Technik und Sicherheit absolut beherrschen zu können. In der heutigen Politik zeigt sich dieser Komplex im Glauben, Sicherheit lasse sich im nuklearen Zeitalter rein technisch durch maximale Rüstung steuern.
Die unweigerliche menschliche Verwundbarkeit wird dabei verdrängt, während der krampfhafte Allmachtswahn Gesellschaften dazu verleitet, die eigene, verleugnete Ohnmacht auf äußere Feindbilder zu projizieren.
Leitfigur der Friedensbewegung und Mitbegründer der IPPNW
Dieses theoretische Fundament goss Richter in den 1980er Jahren in praktischen Aktivismus gegen den NATO-Doppelbeschluss. Im Jahr 1982 gehörte er zu den Mitbegründern der deutschen Sektion der IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges). Die weltweite Organisation erhielt 1985 den Friedensnobelpreis.
Unter Richters Einfluss argumentierte die Vereinigung, dass Ärzte die Pflicht zur präventiven Kriegsverhütung haben. Richter nutzte die IPPNW als Plattform, um die psychischen Mechanismen der atomaren Abschreckung offenzulegen und vor der Illusion zu warnen, Waffen seien rational kontrollierbar. Hiroshima galt ihm dabei als ewiges Mahnmal dafür, dass die technische Beherrschung der Waffe die psychologische Unberechenbarkeit des Menschen niemals kompensieren kann.
Kriegstüchtigkeit als psychologische Regression
Die aktuelle politische Forderung nach Kriegstüchtigkeit berührt das Kerngebiet von Richters Psychologie des Friedens. In Anlehnung an Freuds Konzepte der kollektiven Regression erfordert die Vorbereitung auf einen Krieg eine gezielte psychische Konditionierung. Dazu gehört eine strikte Feindbildabspaltung, bei der die Welt in Gut und Böse unterteilt wird und eigene historische Versäumnisse auf den Gegner projiziert werden.
In der heutigen zugespitzten Debatte zeigen sich hierbei gefährliche Tendenzen von Russenhass und medialer Kriegshetze. Die pauschale Dämonisierung eines ganzen Volkes und die moralische Ächtung jeglicher diplomatischer Zwischentöne dienen der psychologischen Mobilmachung.
Zudem führt der Druck zur kriegerischen Bereitschaft zu einem kollektiven Konformismus, der Zweifel abbaut und rationales Denken ausschaltet. Wer Nuancen sucht, wird als Schwachpunkt stigmatisiert. Die psychologische Anpassung an einen permanenten Aufrüstungs- und Kriegszustand beginnt stets mit einer solchen moralischen Taubheit.
Eine dauerhafte Friedensordnung setzt jedoch die Fähigkeit voraus, staatliche Aggression scharf zu verurteilen, ohne dabei in pauschalisierende, rassistische Feindbilder gegenüber der gesamten Bevölkerung eines Landes zu verfallen.
Die Aktualität von Dialog und Diplomatie
Richter betonte stets, dass Waffen eine psychologische Eigendynamik entfalten. Sie schaffen eine Scheinrealität, in der militärische Optionen als alternativlos erscheinen und das Vertrauen in den Dialog als naiv abgetan wird. Inspiriert von der Dialogphilosophie Martin Bubers, der Grenzerkenntnis Blaise Pascals und dem pazifistischen Ethos Albert Einsteins plädierte Richter für das therapeutische Prinzip in der Politik.
Diplomatie war für ihn kein Akt der Schwäche, sondern die notwendige Fähigkeit, die Ängste des Gegenübers wahrzunehmen. Sicherheit kann niemals gegen, sondern immer nur mit dem anderen entstehen. Wahre Reife zeigt sich für Richter nicht in der Kriegstüchtigkeit, sondern in der Friedensfähigkeit: dem Mut, die Kanäle für Dialog und Diplomatie auch unter maximaler Spannung offenzuhalten.
Zum Autor:
Manfred Böhm, Jahrgang 1956, Publizist und Buchautor, Dipl.-Theologe, Studium der Katholischen Theologie, Philosophie und Politikwissenschaft in Mainz und Tübingen, Ausbildung in Psychopädie (nach Dr. Derbolowsky) und Fortbildungen in Logotherapie, Publizistische Schwerpunkte: Spiritualität und Friedenstheologie