Spezial-Newsletter mit Beiträgen zum Verhältnis von Staat, Militär und Kirche

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Liebe Friedensinteressierte, mit diesem Spezial-Newsletter mit Beiträgen zum Verhältnis von Staat, Militär und Kirche verabschiede mich bis zum September 2026 in die Sommerpause.

In seiner Rede (Nr. 7) zum 20.7. bei einer Gelöbnisfeier der Bundeswehr in Berlin hat Navid Kermani das Gewissen der Rekrutinnen und Rekruten an mehreren Stellen in einer Art und Weise geschärft, wie ich dies als Aufgabe der Kirchen sehe.

  1. Bistum-Regensburg: Politik, Militär, Wissenschaft und Kirche beraten über Frieden, Krise und Verteidigungsfähigkeit Tagung „Krieg und Frieden“ mit Generalinspekteur Carsten Breuer (am 5.11.2026 in Regensburg)
  2. EKD: Außenminister Wadephul nimmt Stellung zu EKD-Friedensdenkschrift
  3. EKD: Militärbischof Felmberg in Deutschen Ethikrat berufen
     
  4. ULRICH BECK: DER EIGENE GOTT - VON DER FRIEDENSFÄHIGKEIT UND DEM GEWALTPOTENTIAL DER RELIGIONEN
     
  5. VATICAN: ANSPRACHE VON PAPST LEO XIV.
      ZUM ABSCHLUSS DES AUSSERORDENTLICHEN KONSISTORIUMS IM VATIKAN
  6. Lebenshaus: “Friede ist die Überlebensbedingung der Menschheit” Eine Dritte Sammlung erschließt Texte zur EKD-Kontroverse und Ökumenische Friedensstimmen
     
  7. KSTA: Rede von Navid Kermani zum 20. Juli - „Dieser Tag lehrt Sie, Nein zu sagen“
     
  8. textlog: Kurt Tucholsky (Ignaz Wrobel): Rausch, Suff und Katzenjammer
  9. Wigbert Tocha: Friedenstüchtig werden. Überredung zum Pazifismus -
      Mit zwei Interviews: Fragen an Clemens Ronnefeldt und Christine Schweitzer


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1.  Politik, Militär, Wissenschaft und Kirche beraten über Frieden, Krise und Verteidigungsfähigkeit
   Tagung „Krieg und Frieden“ mit Generalinspekteur Carsten Breuer (am 5.11.2026 in Regensburg)

https://bistum-regensburg.de/news/politik-militaer-wissenschaft-und-kirche-beraten-im-dioezesanzentrum-ueber-frieden-krise-und-verteidigungsfaehigkeit

Politik, Militär, Wissenschaft und Kirche beraten über Frieden, Krise und Verteidigungsfähigkeit - Tagung „Krieg und Frieden“ mit Generalinspekteur Carsten Breuer

Regensburg, 9. Juli 2026

Der 5. November 2026 steht im Diözesanzentrum Obermünster ganz im Zeichen der großen Fragen von Krieg und Frieden:  
Von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr beraten Vertreter aus Politik, Militär, Wissenschaft, Verwaltung, Kirche und Gesellschaft über Frieden, Krise und Verteidigungsfähigkeit.

Am Abend beginnen um 19.00 Uhr Festakt und Medienempfang;  den Festvortrag hält Generalinspekteur Carsten Breuer. (…)


2. EKD: Außenminister Wadephul nimmt Stellung zu EKD-Friedensdenkschrift

Zur Erinnerung:

https://www.ekd.de/kirchenkonferenz/aussenminister-wadephul-ekd-friedensdenkschrift.htm

20.11.2025 Außenminister Wadephul nimmt Stellung zu EKD-Friedensdenkschrift

Die evangelische Kirche setzt die Debatte um eine neue Friedensethik fort und hat die EKD-Friedensdenkschrift im politischen Berlin zur Diskussion gestellt.

Außenminister Johann Wadephul lobte die Anerkennung der Verteidigungsbemühungen durch die Kirche und betonte, dass Krieg niemals eine Zwangsläufigkeit sei. Mehr als 200 Gäste aus Politik und Gesellschaft nahmen am Akademiegespräch in Berlin teil.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hatte auf der Synode in Dresden die neue Friedensdenkschrift „Welt in Unordnung – Wege zum gerechten Frieden“ vorgestellt.

Um die wichtige Debatte über Krieg und Frieden fortzusetzen, haben die Evangelischen Akademien Bad Boll, Berlin, Loccum und Villigst sowie die EKD zu einem Akademiegespräch mit mehr als 200 Gästen aus Politik und Gesellschaft eingeladen.

In seiner Keynote lobte der Bundesaußenminister die neue friedensethische Denkschrift der EKD: „Sie erkennt an, dass die Anwendung von Gegengewalt durch einen angegriffenen Staat nicht nur völkerrechtlich, sondern auch ethisch gerechtfertigt ist“.

Und sie akzeptiere, dass ein kategorischer Pazifismus als universale politische Ethik nicht zu legitimieren sei. „Als Christ und Außenminister bin ich dankbar für diese umsichtig abwägenden, aber im Ergebnis klaren Positionierungen der evangelischen Kirche. Meiner Kirche.“

Zur Frage der Waffenlieferung in die Ukraine – die Denkschrift fordert hier eine „Prüfung im Einzelfall“ – hätte sich der Außenminister einen „klareren Schritt“ gewünscht:

„Denn zumindest für mich ist klar, dass hier, in der Ukraine, die Bedingungen für das Vorliegen der ‚rechtserhaltenden‘ Gewalt so eindeutig erfüllt sind wie in kaum einer anderen denkbaren Konstellation. Denn die Alternative zur Gegengewalt ist Butscha.

Die Vorsitzende des Rates der EKD, Bischöfin Kirsten Fehrs, dankte dem Minister und sprach ihren Respekt dafür aus, dass er „mit Aufrichtigkeit, Klarheit und Empathie“ als „Christenmensch in der Politik“ stehe. (…)

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3. EKD: Militärbischof Felmberg in Deutschen Ethikrat berufen

Die enge Verzahnung von Politik, Militär und Kirche zeigt auch dieser Artikel:

https://www.ekd.de/militaerbischof-felmberg-in-deutschen-ethikrat-berufen-93604.htm

03.12.2025

News

Militärbischof Felmberg in Deutschen Ethikrat berufen Berlin (epd). Der evangelische Militärbischof Bernhard Felmberg ist von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) in den Deutschen Ethikrat berufen worden.

Wie der Ethikrat am Mittwoch in Berlin weiter mitteilte, wurde der 60-jährige Theologe von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion als Nachfolger der evangelischen Theologin Petra Bahr benannt, die im Juni 2025 ihr Amt niedergelegt hatte.

Felmberg ist seit Oktober 2020 Bischof für die Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr.

Die frühere hannoversche Regionalbischöfin Bahr ist seit Mai Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium.

Felmberg hatte im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung von 2014 bis 2018 die Unterabteilung Zivilgesellschaft, Kirchen und Wirtschaft in der Entwicklungszusammenarbeit und ab 2018 die Zentralabteilung geleitet.

Von 2009 bis 2013 war er Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union.

„Wir heißen Bernhard Felmberg herzlich willkommen und freuen uns auf die Zusammenarbeit!“, erklärte der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Helmut Frister.

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siehe auch:

https://www.sonntagsblatt.de/artikel/kirche/interview-thomas-de-maiziere-kirchentag

Kirchentag und Kirche Kirchentags-Präsident Thomas de Maizière: "Hoffe, dass viele die Welt mit anderen Augen sehen, wenn sie wieder wegfahren"

2. November 2021

(…)

Seit Mitte Oktober steht fest: Der ehemalige Bundesinnen- und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) wird neuer Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags. Damit wird de Maizière das Gesicht des Kirchentags 2023 in Nürnberg. (…)

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Die ehemalige Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer war bis Anfang 2025

beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) Sprecherin des Sachbereichs

„Nachhaltige Entwicklung und globale Verantwortung“:

https://www.katholische-sonntagszeitung.de/kramp-karrenbauer-tritt-nach-cdu-kritik-aus-katholikenkomitee-aus-578966/

Dienstag, 04.02.2025, 09:17 Uhr

Streit über das Thema Migration Kramp-Karrenbauer tritt nach CDU-Kritik aus Katholikenkomitee aus Nach kirchlicher Kritik an der Migrationspolitik der Union hat die frühere CDU-Vorsitzende Annegret Kramp–Karrenbauer ihre Mitgliedschaft im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) beendet.

Sie habe am Freitagabend die Präsidentin Irme Stetter-Karp schriftlich informiert, dass sie mit sofortiger Wirkung all ihre Ämter und Funktionen in dem Laiendachverband, der sich als Vertretung der katholischen Zivilgesellschaft versteht, niederlege, bestätigte Kramp–Karrenbauer der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Montag.

Sie sei damit nicht an die Öffentlichkeit gegangen und wolle sich darüber hinaus auch nicht dazu äußern, erklärte sie auf Nachfrage. Aus ZdK-Kreisen erfuhr die KNA, dass Kramp–Karrenbauer ihren Rücktritt mit der Haltung des ZdK-Präsidiums zur aktuellen Migrationspolitik begründet habe.

Sie sehe für eine weitere Mitarbeit keine Grundlage.

Die CDU-Politikerin ist seit vielen Jahren ZdK-Mitglied und war zuletzt Sprecherin des Sachbereichs „Nachhaltige Entwicklung und globale Verantwortung“.

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4. ULRICH BECK: DER EIGENE GOTT - VON DER FRIEDENSFÄHIGKEIT UND DEM GEWALTPOTENTIAL DER RELIGIONEN

Die nachfolgenden Ausführungen von Ulrich Beck sind m. E. hochaktuell:

ULRICH BECK

DER EIGENE GOTT

VON DER FRIEDENSFÄHIGKEIT UND DEM GEWALTPOTENTIAL DER RELIGIONEN

Verlag der der Weltreligionen im Insel Verlag Frankfurt am Main und Leipzig 2008

(Klappentext)

Religion setzt ein Merkmal absolut - glauben. Alle anderen sozialen Unterschiede und Gegensätze sind daran gemessen unerheblich.

Das Neue Testament sagt: »Vor Gott sind alle gleich.« Diese Gleichheit allerdings gilt nur für jene, die besagten Gott anerkennen.

Neben der Aufhebung von Klassen und Nation innerhalb der Glaubensgemeinschaft setzt Religion also eine neue Fundamentalunterscheidung in die Welt: die zwischen richtig Gläubigen und falsch Gläubigen. Religion birgt immer auch (mehr oder minder latent) die Dämonisierung des religiösen Anderen.

Die zentrale Frage, die über die Fortexistenz der Menschheit entscheidet, lautet: Wie wird ein Typus von interreligiöser Toleranz möglich, wo Nächstenliebe nicht Todfeindschaft bedeutet?

Ein Typus von Toleranz, dessen Ziel nicht Wahrheit, sondern Frieden ist?

Erleben wir eine Rückverwandlung des Monotheismus der Religion in einen Polytheismus des Religiösen unter dem Vorzeichen des »eigenen Gottes«?

In den westlichen Gesellschaften, die die Autonomie des Individuums verinnerlicht haben, schafft sich der einzelne Mensch in immer größerer Unabhängigkeit diejenigen kleinen Glaubenserzählungen - den »Eigenen Gott« -, die zu dem »eigenen« Leben passen.

Dieser »eigene Gott« ist aber nicht mehr der Eine Gott, der das Heil diktiert, indem er die Geschichte an sich reißt und zu Intoleranz und Gewalt ermächtigt.

Ulrich Beck, geboren 1944, Professor für Soziologie an der Universität München und an der London School of Economics and Political Science. Im Suhrkamp Verlag erschienen u. a.: Risikogesellschaft, Was ist Globalisierung?, Weltrisikogesellschaft.

(…)

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(Seite 229ff)

3.1 Die Nationalisierung Gottes führt zur Naturalisierung von Intoleranz und Gewalt

Die Rede von der »Ersatzreligion« des Nationalismus verharmlost die Transformationen im 19. und 20. Jahrhundert. Sie verdeckt nicht nur die »Germanisierung des Christentums« (A. Bonus) und die Rolle, die die protestantischen Eliten bei der Nationalisierung der Theologie und Theologi-ierung der Nation spielten.

Vor allem jedoch bleibt unreflektiert, welche Folgen dieses Projekt bis heute für religiöse Toleranz, für den inner- und interreligiösen Umgang mit Anderen hat. Denn Verschmelzung von Religion und Nation hebt beide Toleranzprinzipien auf - das Prinzip der ethnisch-nationalen Toleranz sowie das Prinzip der interreligiösen Toleranz.

Wer das nationale Entweder-Oder ins Christentum importiert, gibt den christlichen Universalismus auf, der keine Unterscheidung zwischen Nationen und Rassen kennt, und dessen Kern die Glaubenssouveränität des Individuums ist, das dadurch aller Bindungen enthoben wird.

Die Medizin gegen die Verteufelung der nationalen Anderen und nationale Intoleranz ist die Idee Jesus Christus, die gleichbedeutend ist mit dem Niederreißen der ethnisch-nationalen Mauern. (…)

Nach dem Krieg konnten fast alle Beteiligten ihre akademischen bzw. kirchlichen Ämter beibehalten oder in neue Positionen einsteigen.« (Ebd. 558)

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(S. 186ff)

1.3 Religiös motivierter ziviler Widerstand: Henry D. Thoreau

Individualisierung darf nicht mit moralischem Relativismus verwechselt werden. Aber hier liegt auch die Crux.

(…)

Entscheidend ist, die Macht der religiös begründeten absoluten Moral im öffentlichen Raum zur Geltung zu bringen.

Die Stärke des Staates beruht nämlich letztlich nicht auf seinem Gewaltmonopol, sondern auf der »freiwilligen Knechtschaft« der Bürger.

Es ist das Selbst-Gefängnis des vorwegeilenden Einverständnisses mit der staatlichen Machtordnung, die den Staat ermächtigt.

Diese Macht kann ihm aufgrund der moralischen Legitimitätserfahrung des »eigenen« Gottes entzogen werden. (…)

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Seite 245:

4.2 Die weltöffentichen Stimmen der Religionen oder: Wie wird die Zivilisierung der Zivilisation möglich?

(…) Jenseits aller Abgrenzungsschlachten und -kriege setzt sich die Praxis des kooperativen Mehrwerts durch. Das heißt: Gruppen können intolerant in Hinblick auf die Theologie des Anderen sein, gleichwohl kreativ zusammenarbeiten, um geteilte Anliegen zu verwirklichen.

Die theologischen Experten und ihre Endlosstreitigkeiten könnten von dieser Empirie lernen.

Überall wird aufgeregt über das »Problem« des Islam im »säkularen« Europa debattiert.

Fremdenängste und die prinzipielle Unmöglichkeit eines »multikulturellen Zusammenlebens« artikulieren sich. Dabei wird die Realität der Kooperation ignoriert, bei der die Orthodoxie keine Rolle spielt. Man kann dies vor allem in den USA, insbesondere in den großen Städten beobachten.

(…)

Beim Klimawandel geht es gegenwärtig, soziologisch betrachtet, nicht nur um Wetter, um Hurrikane, Dürren, Überschwemmungen, Flüchtlingsströme, drohende Kriege.

Es geht auch darum, daß alle Bevölkerungen, Kulturen, Ethnien, Religionen und Regionen zum ersten Mal in der Geschichte in der gemeinsamen Gegenwart einer alle gefährdenden Zukunft leben.

Anders gesagt: Man muß den ausgeschlossenen Anderen einbeziehen, um zu überleben. Klimapolitik wird zur Kosmopolitik, und zwar nicht aufgrund individualistischer Überzeugung, sondern aus einem Realismus, des nackten Überlebens überall auf der Welt.

Das ist auch dann richtig, wenn die Auswirkungen der Erderwärmung sich überall anders artikulieren und vor dem Hintergrund einer radikal ungleichen Welt gegensätzlich wahrgenommen werden. Die faktische Gemeinsamkeit einer antizipierten Klimakatastrophe in der Gegenwart fußt demnach nicht auf einer gemeinsamen Vergangenheit und garantiert keinesfalls eine gemeinsame Zukunft.

Vielleicht wird in Alaska eine blühende Landwirtschaft entstehen. Vielleicht wird man in New York und München an Weihnachten im Bikini herumlaufen. Aber was wird aus Afrika? Was aus dem Mittleren Osten?

Es ist wie auf der Titanic: die Klimakatastrophe ist nicht demokratisch.

Die Mehrzahl der Opfer sind in den billigen unteren Decks und Kabinen gefangen, aus denen es kein Entrinnen gibt.

Wer den Klimawandel nicht stoppt oder ihn noch vorantreibt, greift die ärmsten der Armen an.

(…)

Man drückt sich auf diese Weise um die Schlüsselfrage der Klimakatastrophe herum, die da lautet:

Wie wird globale Gerechtigkeit möglich?

Im einzelnen heißt das:

Werden die Reichen ihre Emissionen reduzieren, damit die Armen Wachstumschancen erhalten?

(…)

Vielleicht hat Papst Benedikt XVI. das mit dem Satz gemeint: »Leitwert der Gläubigen sei außer Glaube Vernunft statt Gewalt? Will er Glauben und Gewalt entkoppeln, indem der Glaube unter das Kuratel der Vernunft gestellt und entsprechend »zivilisiert« wird?

(…)

Daß diese Überlegungen die blutige und wütige Gewaltverliebtheit der Fundamentalisten nicht beeindrucken und schon gar nicht stoppen werden, liegt auf der Hand. Aber was sonst könnte das leisten?

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5. VATICAN: ANSPRACHE VON PAPST LEO XIV.

ZUM ABSCHLUSS DES AUSSERORDENTLICHEN KONSISTORIUMS IM VATIKAN

Sowohl in der katholischen wie auch in der evangelischen Kirche gibt es aktuell hoffnungsvolle Simmen - nachfolgend zwei Beispiele:

https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/speeches/2026/giugno/documents/20260627-concistoro-straordinario.html

ANSPRACHE VON PAPST LEO XIV.

ZUM ABSCHLUSS DES AUSSERORDENTLICHEN KONSISTORIUMS IM VATIKAN

Neue Synodenaula

Samstag, 27. Juni 2026

Wenn ich an die Gespräche der letzten Tage zurückdenke, bleibt mir vor allem der Blick im Gedächtnis, mit dem ihr in der ers-ten Sitzung die Welt betrachtet habt. Viele von euch haben von den Leiden berichtet, die durch Kriege, Gewalt, Armut und die vielen Ungerechtigkeiten verursacht werden, die das Leben der Völker prägen.

Ihr habt euch jedoch nicht darauf beschränkt, diese nur zu beschreiben. Hinter diesen Dramen habt ihr ein noch tieferes Leid erkannt: die Einsamkeit, die Krise der Beziehungen, den Verlust der Hoffnung, die Schwierigkeit, einander als Brüder und Schwestern zu erkennen. (…)

So habt ihr also versucht, auf das zu hören, was die Wunden der Welt über das Herz des Menschen offenbaren. Genau dort, im Herzen, entscheidet sich auch der Friede.

Noch bevor der Krieg in der Geschichte Gestalt annimmt, entsteht er im Inneren des Menschen: wenn das Misstrauen den Platz des Vertrauens einnimmt, die Angst die Hoffnung verdrängt und der andere als Bedrohung wahrgenommen wird. Doch eben gerade dort, im Herzen, begegnet uns auch immer wieder Christus; spricht zu uns und führt uns zur Umkehr.

Aus einem versöhnten Herzen können entwaffnende Worte, neue Beziehungen und ein Friede erwachsen, der auch die Völker erreicht. (…)

Die zweite Sitzung hat uns dazu veranlasst, einen Schritt weiter zu gehen. Mir scheint, dass ihr eine der Erkenntnisse von Magnifica humanitas sehr klar erkannt habt: Krieg ist nicht nur ein Konflikt zwischen Staaten.

Er entsteht schon viel früher, aus einer Kultur der Macht, die unser Denken, unsere Beziehungen, die Ausübung von Macht, den Umgang mit Wirtschaft und Technologie und sogar den Bereich der Religion durchdringt. Wenn darin die Wurzel der Krise liegt, dann verlangt die Antwort den Wiederaufbau einer Kultur der Zusammenarbeit und des Dialogs, die auch dem Multilateralismus neue Kraft verleiht, damit die Völker wieder lernen, gemeinsam das Gemeinwohl der gesamten Menschheitsfamilie zu suchen.

Auf diesem Weg ist der Beitrag der im öffentlichen Leben engagierten Laien von entscheidender Bedeutung: Sie brauchen die Nähe und die Unterstützung der kirchlichen Gemeinschaft, um die von euch erwähnte »Politik als Nächstenliebe« zu leben. Die Kultur der Zusammenarbeit selbst wächst durch den ökumenischen und interreligiösen Dialog, der unsere christliche Identität nicht schwächt, sondern sie befähigt, gemeinsam dem Gemeinwohl und dem Frieden zu dienen.

Besonders wertvoll fand ich zudem die Art und Weise, wie einige von euch das Thema der gewaltfreien Reaktion auf die vielen Formen von Gewalt behandelt haben.

Es handelt sich dabei um eine zutiefst am Evangelium ausgerichtete Art und Weise, in der Geschichte zu leben, Frucht der Betrachtung des Handelns Jesu. Sie besteht nicht im Verzicht auf den Konflikt und auch nicht in einer passiven Haltung, sondern in der Entscheidung, sich ihm zu stellen, ohne dessen Logik zu übernehmen.

Sie verzichtet nicht auf die Wahrheit und verschweigt das Böse nicht, doch sie weigert sich, die Wahrheit mit Gewalt zu verteidigen oder den anderen zum Feind zu machen: Sie beginnt damit, sich selbst zu entwaffnen.

So offenbart sie die Logik von Ostern, in der die Liebe stärker ist als der Hass und die Vergebung die Spirale der Vergeltung durchbricht. Das ist die Kraft des auferstandenen Gekreuzigten: eine Kraft, die den Feind nicht vernichtet, sondern uns einen Bruder wiederfinden lässt.

In diesem Zusammenhang haben verschiedene Arbeitsgruppen betont, dass es angebracht ist, das Thema der Notwehr angesichts der tiefgreifenden Veränderungen in der Art der heutigen Konflikte weiter zu vertiefen. Diese Überlegung verdient es, mit der notwendigen theologischen und pastoralen Sorgfalt weiter ausgearbeitet zu werden. (…)

Bevor ich zum Schluss komme, möchte ich den einstimmigen Appell aufgreifen, der von diesem Konsistorium ausgegangen ist, und ihn mir zu eigen machen. Ja, ich möchte, dass wir dies gemeinsam tun, durch diese Worte.

Lasst es uns unseren Mitbrüdern, den Bischöfen, den unserem Dienst anvertrauten Kirchen und allen Völkern der Erde sagen: Gott wünscht für jede Nation und jedes Volk Frieden. Deshalb dürfen wir uns nicht mit der Gewalt abfinden. Die Gewalt wird nicht das letzte Wort haben. Gott eröffnet in der Geschichte immer wieder Wege der Versöhnung und des Friedens.

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6. Lebenshaus: “Friede ist die Überlebensbedingung der Menschheit” Eine Dritte Sammlung erschließt Texte zur EKD-Kontroverse und Ökumenische Friedensstimmen

https://www.lebenshaus-alb.de/magazin/015601.html

29.7.2026 “Friede ist die Überlebensbedingung der Menschheit” Eine Dritte Sammlung erschließt Texte zur EKD-Kontroverse und Ökumenische Friedensstimmen Solidarische Kirche im Rheinland / Ökumenisches Institut für Friedenstheologie

Umdenkschrift III zum Evangelischen Diskurs über Krieg und Frieden.

Die jüngste EKD-Denkschrift "Welt in Unordnung - Gerechter Friede im Blick" (November 2025) hat wegen ihrer regierungsnahen und militärfreundlichen Ausrichtung viel Widerspruch hervorgerufen. In der Reihe "Umdenkschrift zum Evangelischen Diskurs über Krieg und Frieden" werden die kritischen Wortmeldungen zum neuen deutschen Kirchenkurs erschlossen. Der jetzt vorgelegte dritte Band enthält auf über 400 Seiten zahlreiche weitere Beiträge zur EKD-Kontroverse und dokumentiert Ökumenische Friedensstimmen, die ermutigen.

Im öffentlichen Raum waltet weithin ein naiver Militarismus. Doch immer mehr Realisten und Fromme widersagen den Kriegspropheten, denn: "Friede ist die Überlebensbedingung der Menschheit."

Ein Text von Margot Käßmann (ehemalige Ratsvorsitzende der EKD) eröffnet die Dritte Sammlung: "Für mich ist mit dieser Denkschrift eine große Chance verpasst, in Zeiten massiver Aufrüstung glasklar für Abrüstung zu plädieren. Die Chance, den Pazifismus aus christlicher Überzeugung und auf Grundlage des Evangeliums wieder in die Debatte in der Mitte der Gesellschaft zu bringen.

Die Chance, eine Ächtung atomarer Waffen und die Forderung nach einem Beitritt Deutschlands zum Atomwaffenverbotsvertrag ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Die Chance, deutlich zu machen, dass es nicht um Wehrpflicht geht, sondern um die Verpflichtung zum Kriegsdienst, demgegenüber die Verweigerung in der Tat das deutlichere christliche Zeichen ist.

Da ist die Lehre Jesu glasklar. […] Ja, traurig. Gerade in diesen Zeiten könnte unsere evangelische Kirche eine starke, klare Stimme für den Frieden und den Abbau von Feindbildern sein, wenn wir an den Konflikt in Israel und Gaza, an den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine denken. Diese Chance ist vertan. Hoffnung macht, dass es sie noch gibt, die vielen kleinen Friedensinitiativen und aktiven Kirchengemeinden …"

Impuls-Zitate zum Nachdenken

"Ihr Christen habt in eurer Obhut ein Dokument mit genug Dynamit in sich, die gesamte Zivilisation in Stücke zu blasen, die Welt auf den Kopf zu stellen; dieser kriegszerrissenen Welt Frieden zu bringen. Aber ihr geht damit so um, als ob es bloß ein Stück guter Literatur ist, sonst weiter nichts." (Mahatma Gandhi, 1869-1948)

"Jesus lehrte uns, unsere Feinde zu lieben, für unsere Verfolger zu beten und keine tödlichen Waffen zu benutzen." (Ökumenischer Rat der Kirchen, Februar 2011)

"Glaubt man wirklich, dass bei einer immer größeren Aufrüstung aller Beteiligten die Welt sicherer wird? Da muss ich schon ziemlich weit danebenliegen, um das zu glauben. […] Am Ende geht es nur über Politik, Diplomatie, Verträge und Ausgleich. Anders wird kein Friede kommen." (Kardinal Reinhard Marx, Vaticannews, 24.07.2026)

"Bertha von Suttner schreibt vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen den europäischen Großmächten […] Nicht der Pazifismus ist naiv, sondern der Militarismus. […] 1914 zeigt: Suttner wird leider recht behalten." (Hendrik Simon, Politikwissenschaftler –

12.07.2026)

Leseprobe zur Buchausgabe (Dritte Sammlung)

https://buchshop.bod.de/umdenkschrift-iii-zum-evangelischen-diskurs-ueber-krieg-und-frieden-9783695784059

(das Buch ist mit ISBN-Nummer überall im nahen Buchhandel bestellbar).

Digitalausgabe zur freien Verbreitung ǀ Eine freie Digitalfassung des Bandes ist bislang aufrufbar

bei der Solidarischen Kirche im Rheinland

( https://solidarischekirche.de/wp-content/uploads/2026/07/SoKi-Umdenkschrift-Drei.pdf ) und bei Frieden wagen e.V.

( https://www.lebenshaus-alb.de/magazin/media/pdf/LH-Umdenkschrift-Drei.pdf ).

Bibliographische Angaben: Umdenkschrift III zum Evangelischen Diskurs

über Krieg und Frieden. Texte zur EKD-Kontroverse und Ökumenische

Friedensstimmen. – Dritte Sammlung. Herausgegeben von Peter Bürger,

im Auftrag der Solidarischen Kirche im Rheinland und des Ökumenischen

Instituts für Friedenstheologie. Digitale Erstausgabe. Düsseldorf/Köln,

27.07.2026. (436 Seiten).

Alle Infos zur Ersten Sammlung: https://www.lebenshaus-alb.de/magazin/015537.html

Alle Infos zur Zweiten Sammlung: https://www.lebenshaus-alb.de/magazin/015549.html

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7. KSTA: Rede von Navid Kermani zum 20. Juli - „Dieser Tag lehrt Sie, Nein zu sagen“ https://www.ksta.de/politik/rede-von-navid-kermani-zum-20-juli-dieser-tag-lehrt-sie-nein-zu-sagen-1335084 Rede von Navid Kermani zum 20. Juli „Dieser Tag lehrt Sie, Nein zu sagen“

29.07.2026, 06:00 Uhr

Am 20. Juli, dem Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler 1944, sprach der Kölner Schriftsteller Navid Kermani in Berlin über die Tragweite des Gewissens, soldatisches Heldentum und die Großartigkeit des Lebens in einem freien Land.

Dass die Bundeswehr ihr Feierliches Gelöbnis am 20. Juli begeht, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn dieser Tag steht nicht etwa für den Gehorsam, der in einer Armee jeden Tag eingeübt wird. Der 20. Juli steht dafür, dass man Widerstand leisten muss, wenn Diensterfüllung ein Verbrechen ist.

Dass jungen Menschen gleichsam mit dem Tag ihres Eintritts in die militärische Laufbahn die Tugend des Neinsagens nahegebracht wird, wäre in kaum einer anderen Armee vorstellbar und war auch bei der Gründung der Bundeswehr noch undenkbar. Denn die Attentäter des 20. Juli 1944, die wir heute gemeinsam ehren, galten den meisten Bürgern der jungen Bundesrepublik noch als Verräter. (…)

Zur Person

Navid Kermani, geb. 1967 in Siegen, ist Orientalist, Essayist, Reporter und Romanautor. Zuletzt veröffentlichte er im VerlagHanser den Roman „Sommer 24“ sowie im Verlag C.H. Beck die Anthologie „Köln. E Jeföhl“.

Seine Rede zum Feierlichen Gelöbnis von Bundeswehrsoldaten am 20. Juli, dem Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler im Jahr 1944, ist zuerst am 22. Juli in der FAZ erschienen. Mit freundlicher Genehmigung des Autors zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

siehe auch:

Gelöbnis der Rekruten :

Dieser Tag lehrt Sie, Nein zu sagen Gastbeitrag

Von Navid Kermani

22.07.2026, 09:56

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/navid-kermanis-rede-zum-geloebnis-der-rekruten-im-bendlerblock-201048909.html

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Hier die Rede im Originalton:

https://www.youtube.com/watch?v=nfpjfXS_vOk

Gelöbnis 20.07.2026 Rede Dr. Navid Kermani Das Video zeigt die ungekürzte Rede von Dr. Navid Kermani, Schriftsteller und Publizist mit iranischen Wurzeln, beim Feierlichen Gelöbnis am 20. Juli 2026 im Bendlerblock.

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8. textlog: Kurt Tucholsky (Ignaz Wrobel): Rausch, Suff und Katzenjammer

Kurt Tucholsky veröffentlichte unter den Pseudonymen Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel.

Den folgenden Text schrieb Kurt Tucholsky am 3.8.1920 unter dem Namen Ignaz Wrobel:

https://www.textlog.de/tucholsky/glossen-essays/rausch-suff-und-katzenjammer

Kurt Tucholsky Rausch, Suff und Katzenjammer (…)

Der große und zum Glück erfolglose Bittgottesdienst, den Wilhelm, kniend inmitten seiner Truppen, auf dem Schloßplatz zelebrierte, war für ihn durchaus keine Komödie.

Er glaubte daran, wie er an die Pickelhaube und damit an sich selbst glaubte.

Es gab eine Kommißfrömmigkeit, von der vor allem die Pfaffen befallen wurden, und obgleich nach unserem guten alten Dogma Religion Privatsache ist, muß doch gesagt werden, dass es kaum etwas Widerwärtigeres gab, als die maßlose Dummheit (zur Verlogenheit langte es kaum), mit der die Priester aller drei Konfessionen ihre Bibeln so lange drehten und wendeten, bis unten der Spruch herausfiel: »Du sollst töten«.

(…)

Schämen sich die Deutschen der Erinnerung? Schämen nicht! Sie denken nur nicht daran, weil man ja unangenehme Lagen seines Lebens leichter zu vergessen geneigt ist, als die schönen Tage. Sie schämen sich nicht.

Die braven Kriegervereinler denken nur nicht immer an die Zeit, wo sie – es war im September 1914 – Balkonplätze für den Einzug Kaiser Wilhelms des Zweiten Unter den Linden durch Zeitungsinserat suchten und ausboten …

Lehre? – Nie wieder Krieg. Mittel? – Den Heeresdienst auch dann zu verweigern, wenn ihn ein Gesetz vorschreibt. Beginn des Kampfes gegen den Kampf? – Heute. (…)

Ignaz Wrobel

Freiheit, 03.08.1920.

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9. Friedenstüchtig werden. Überredung zum Pazifismus -

Mit zwei Interviews: Fragen an Clemens Ronnefeldt und Christine Schweitzer

https://www.buecher.de/shop/home/artikeldetails/A1077626052

Von Wigbert Tocha, ehemaliger Redakteur bei Publik-Forum, ist am 11.2.2026 ein neues Buch erschienen:

Friedenstüchtig werden. Überredung zum Pazifismus -

Mit zwei Interviews: Fragen an Clemens Ronnefeldt und Christine Schweitzer

Wigbert Tocha (Autor) Buch | Softcover 292 Seiten 2026

Büchner-Verlag. 9783963174438 (ISBN)

26,00 Euro, als e-Book: 20,99 Euro