Aktuelles zum Ukraine-Konflikt und zu Möglichkeiten seiner Begrenzung

Gespeichert von Webmaster am Fr., 22.04.2022 - 21:35

Liebe Friedensinteressierte,

nachfolgend sende ich einige Informationen zum Thema Ukraine-Krieg:

  1. ZDF: Aktuelles zum Krieg in der Ukraine (22.4.2022)
  2. ZDF: Ex-Merkel-Berater warnt - Schwere Waffen "Weg in den Dritten Weltkrieg“
  3. SZ: Aufrüstung und Waffenexporte: Deutschlands kühner Abschied vom Pazifismus
  4. Deutsche Welle: Militärexperte Wolfgang Richter (SWP) "Der Krieg in der Ukraine geht jetzt in eine entscheidende Phase"
  5. jpg-Journal: Von G20 zu G19? Russland international zu isolieren, führt zu einem neuen Kalten Krieg. Dabei gibt es andere Wege, den Druck auf Moskau zu erhöhen.
  6. Friedensforscher Matthias Dembinski: Nur Verhandlungen lösen Krieg in der Ukraine
  7. Tauwetter: Ukraine: Frieden schaffen - aber wie?
  8. Buchhinweis: Walter Wink, "Verwandlung der Mächte. Eine Theologie der Gewaltfreiheit"
  9. Einladung zum IPPNW-Kongress mit Schwerpunkt Ukraine 29. April 2022 – 01. Mai 2022

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1. ZDF: Aktuelles zum Krieg in der Ukraine (22.4.2022)

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/ukraine-russland-konflikt-blog-100.html

Russland greift die Ukraine an - Aktuelles zum Krieg in der Ukraine

Datum: 22.04.2022 13:54 Uhr

(…)

13:45 Uhr

Großbritannien kehrt mit seiner Botschaft nach Kiew zurück

Großbritannien wird seine Botschaft in der Ukraine in der kommenden Woche wieder zurück in die Hauptstadt Kiew verlegen. "Ich kann heute bekannt geben, dass wir sehr bald in der kommenden Woche unsere Botschaft in der ukrainischen Hauptstadt wiedereröffnen werden", sagte der britische Premierminister Boris Johnson bei einem Besuch in Neu Delhi.

(…)

13:27 Uhr

Moskau: "Jederzeit" zu Feuerpause auf Industriegelände in Mariupol bereit

Russland ist nach eigenen Angaben "jederzeit" zu einer Feuerpause auf dem gesamten Gelände oder Teilen des Industriegeländes Asow-Stahl in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol bereit. Voraussetzung für eine solche "humanitäre Pause" wäre, dass die ukrainischen Verbände die weiße Flagge hissten, erklärte das russische Verteidigungsministerium am Freitag in Moskau.

Die Feuerpause solle ermöglichen, dass sich die dort verschanzten ukrainischen Kämpfer ergeben und die Zivilisten evakuiert werden könnten. Die Zivilisten könnten dann entscheiden, ob sie sich auf russisches oder ukrainisches Gebiet begeben wollten, hieß es in Moskau.

(…)

12:14 Uhr

Scholz: Es darf keinen Atomkrieg geben

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) begründet seine Zurückhaltung bei der Lieferung von Panzern und anderen schweren Waffen an die Ukraine mit der Gefahr eines Atomkriegs. "Ich tue alles, um eine Eskalation zu verhindern, die zu einem dritten Weltkrieg führt", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in einem am Freitag veröffentlichten Interview. «Es darf keinen Atomkrieg geben», betonte Scholz.

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2. ZDF: Ex-Merkel-Berater warnt - Schwere Waffen "Weg in den Dritten Weltkrieg“

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/waffenlieferung-merkel-berater-ukraine-krieg-russland-100.html

Ex-Merkel-Berater warnt - Schwere Waffen "Weg in den Dritten Weltkrieg“

Datum: 12.04.2022 08:40 Uhr

Die Lieferung von schweren Waffen an die Ukraine hält Ex-General Erich Vad aktuell für nicht sinnvoll.

Der ehemalige Berater von Angela Merkel sieht dafür Raum für Verhandlungen.

Es gibt kaum ein Statement, in dem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj seine Forderung nach schweren Waffen unerwähnt lässt. So auch wieder in seiner täglichen Videobotschaft am Montagabend. Die Ukraine brauche sie etwa, um die seit Wochen umkämpfte Stadt Mariupol zu befreien. "Wenn wir Flugzeuge und genug schwere gepanzerte Fahrzeuge und die nötige Artillerie hätten, könnten wir es schaffen", sagt er. (…)

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3. SZ: Aufrüstung und Waffenexporte: Deutschlands kühner Abschied vom Pazifismus

https://www.sueddeutsche.de/kultur/die-gruenen-anton-hofreiter-frieden-ukrainekrieg-1.5570166?reduced=true

Aufrüstung und Waffenexporte: Deutschlands kühner Abschied vom Pazifismus

21. April 2022, 20:09 Uhr

Es war gut, dass die Grünen einst über Kriegseinsätze stritten.

Und es ist furchterregend, wie sie und ihr Milieu es nicht mehr tun.

Wann wird in diesem Land wieder in alle Richtungen argumentiert?

Essay von Hilmar Klute

(…)

(Hinter einer Bezahlschranke)

In der SZ-Printausgabe vom 22.4.2022 steht auf Seite 11 dieser Artikel zu lesen unter der Überschrift: „Eine Frage der Verpanzerung“ - und enthält u.a. diese Passagen:

„Bemerkenswert ist auch, wie sicherlich gerade Schreibende und Twitternde der jüngeren Generation ihrer Haltung zu Waffen und Militär sind. (…)

Man kriegt den Eindruck nicht los, dass diese Leute dem Glauben anhängen, ein Krieg funktioniere wie ein Twitter-Retweet. Selbst der irre Ernst dieses Krieges, von dessen weiterem Verlauf niemand auch nur den leisesten Schimmer haben kann, wird ausgeblendet, wenn es darum geht, den eigenen moralischen Kompass für alle sichtbar neu zu justieren.

Es geht ihnen um die eigene Glaubwürdigkeit, darum, wie Deutschland dasteht in der Welt, und darum, den alten Denkmustern möglichst wirkungsvoll den Laufpass zu geben. (…)

Wenn wir dieser Tage wirklichen Militärexperten, also Soldaten, zuhören, erleben wir eine Art der Zurückhaltung, die man bei all jenen vermisst, die militärische Mäßigung für eine politische Sünde halten.

Wenn der frühere Brigade-General Erich Vad anmerkt, die Lieferung schwerer Waffen käme einem Kriegsbeitritt Deutschlands extrem nahe - ist das dann noch die Stunde, auf Hofreiter und die Twitter-Freischärler zu hören? (…)

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4. Deutsche Welle: Militärexperte: "Der Krieg in der Ukraine geht jetzt in eine entscheidende Phase"

https://www.dw.com/de/milit%C3%A4rexperte-der-krieg-in-der-ukraine-geht-jetzt-in-eine-entscheidende-phase/a-61523631

20.04.2022

Russlands Kriegs gegen die Ukraine

Militärexperte: "Der Krieg in der Ukraine geht jetzt in eine entscheidende Phase"

Russland hat im Donbass eine Offensive begonnen und beträchtliche Kräfte zusammengezogen. Die DW hat mit Wolfgang Richter von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) über den weiteren Kriegsverlauf gesprochen.

Wolfgang Richter: Die erste Phase des Krieges ist für Russland nicht gut gelaufen. Das, was man eigentlich geplant hatte, also einen Regierungswechsel, möglicherweise durch ein schnelles Vorstoßen in das Regierungsviertel von Kiew, ist nicht erreicht worden. Stattdessen gab es hohe Verluste.

Wir müssen davon ausgehen, dass bis zu einem Viertel aller Bodentruppen, die im Einsatz waren, nun nicht mehr einsatzfähig sind. Vermutlich, weil man gar nicht damit gerechnet hat, dass es so einen hartnäckigen Widerstand geben wird und dass die Ukrainer so homogen kämpfen würden. (…)

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5. jpg-Journal: Von G20 zu G19? Russland international zu isolieren, führt zu einem neuen Kalten Krieg. Dabei gibt es andere Wege, den Druck auf Moskau zu erhöhen.

Das IPG Journal wird herausgegeben vom Referat Globale und Europäische Politik der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin

https://www.ipg-journal.de/rubriken/aussen-und-sicherheitspolitik/artikel/von-g20-zu-g19-5888/?utm_campaign=de_40_20220422&utm_medium=email&utm_source=newsletter

Außen- und Sicherheitspolitik 20.04.2022 | Markus Engels Von G20 zu G19? Russland international zu isolieren, führt zu einem neuen Kalten Krieg.

Dabei gibt es andere Wege, den Druck auf Moskau zu erhöhen.

Mit dem Ausschluss aus dem UN-Menschenrechtsrat durch die UN-Generalversammlung hat die diplomatische Isolation Russlands scheinbar einen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Bei den an diesem Mittwoch beginnenden Gesprächen der Finanzminister aus den führenden Industrie- und Schwellenländern (G20) ist Russland dabei – auch wenn die US-Finanzministerin Janet Yellen jüngst den Boykott von G20-Sitzungen angekündigt hatte, an denen Vertreter Moskaus teilnähmen, und auch nachdem US-Präsident Joe Biden schon vor einigen Wochen den Ausschluss Moskaus aus dem Kreis der mächtigsten 20 Staaten gefordert hatte.

Eine Isolation Russlands in internationalen Gremien, über die weiter heftig gestritten wird, zielt darauf ab, Kommunikationsplattformen für Moskau zu minimieren und auch über diesen Weg zu einer klaren völkerrechtlichen Verurteilung des Aggressors zu kommen – zusätzlich zu einem hoffentlich wirkungsvollen Sanktionsregime und der militärischen und humanitären Unterstützung der Ukraine. (…)

6. Friedensforscher Matthias Dembinski: Nur Verhandlungen lösen Krieg in der Ukraine

https://www.bz-berlin.de/welt/friedensforscher-nur-verhandlungen-loesen-krieg-in-der-ukraine

Friedensforscher: Nur Verhandlungen lösen Krieg in der Ukraine 19. April 2022 11:07

Eine Beendigung des Krieges Russlands gegen die Ukraine kann nach den Worten des Friedensforschers Matthias Dembinski nur in Verhandlungen erfolgen.

„Es scheint, dass der russische Präsident Wladimir Putin den Krieg nicht gewinnen und nicht verlieren kann“, sagte der Projektleiter der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) in Frankfurt am Main dem Evangelischen Pressedienst.

Putin sei von der komplett falschen Einschätzung ausgegangen, dass die Ukraine schwach sei und ihr Präsident Wolodymyr Selenskyj keine Legitimation habe. Nun ergäben sich für Putin nur die Auswege, entweder den Krieg zu eskalieren oder zu verhandeln.

Die Kriegsverbrechen in Butscha und die gegen Zivilisten rücksichtslos geführten Kämpfe in der eingeschlossenen Großstadt Mariupol zeigten die Eskalation der russischen Kriegsführung, sagte der Politikwissenschaftler. (…)

7. Tauwetter: Ukraine: Frieden schaffen - aber wie?

In Kürze wird der Rundbrief „Tauwetter 1/2022“ hier zu finden sein:

https://franziskaner.net/category/aktuelles-heft/tauwetter/

Hier die digitale Ausgabe:

Tauwetter 1-2022.pdf

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8. Buchhinweis: Walter Wink, "Verwandlung der Mächte. Eine Theologie der Gewaltfreiheit". Regensburg 2014, 166 S.

Unter der Überschrift "Nicht zu dem werden, was wir hassen", schreibt der Autor auf S. 109f:

"'Wer mit Ungeheuern kämpft', warnt der Philosoph Friedrich Nietzsche, 'mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird'. (…)

'Man wird immer zu dem, was man am stärksten bekämpft', schrieb Carl Gustav Jung. (…)

Miroslav Volf beschreibt es so: '(…) Den Menschen, die antraten, um gegen die brutalen Angreifer zu kämpfen, ging es um Selbstverteidigung und Gerechtigkeit, aber die Bestie in den anderen hat auch die Bestie in ihnen geweckt. Und so wurden die Schranken, die sie unter Kontrolle hielten, gebrochen, und die Bestie begann, auf Rache zu sinnen. Beim Widerstand gegen das Böse gerieten die Menschen in seine Falle'.

'Die größte Schwäche der Gewalt', bemerkt Martin Luther King, ' ist, dass sie in eine Abwärtsspirale führt, die genau das, was sie zerstören will, erzeugt'."

Auf Seite 111 schreibt Walter Wink Sätze, die Menschen in der Friedens- und Solidaritätsbewegung zur Selbstreflexion dienen können:

"Ich vermute, dass jede Ungerechtigkeit, die uns tief bewegt, auf irgendeine Weise unsere eigenen, persönlichen Wunden wieder öffnet. Es geschieht eine doppelte Bewegung der Projektion und der Introjektion:

Wir projizieren das Böse in unserem Inneren in die Außenwelt und das Böse, das wir in der Welt sehen, in unsere eigene Psyche hinein. Der Widerstand gegen das Böse verbindet sich auf diese Weise in unserem Inneren mit dem, was in der eigenen Psyche, dem zurückgewiesenen, äußeren Übel ähnelt. Der Widerstand selbst nährt den inneren Schatten.

Die Verbissenheit unseres Widerstands kann darauf hinweisen, dass ein Teil unseres Selbst das Verhalten, dem wir uns entgegen stellen, nachahmen möchte.

Wie oft habe ich Menschen sagen hören, dass die größte Gewalt, die sie selbst erlebt haben, von Kollegen in der Friedensbewegung kam!

Manchmal finden Menschen Friedensfragen deswegen anziehend, weil sie eigene innere Gewaltneigungen bekämpfen, die sie auf den 'Feind' projiziert haben. Wo auch immer sein Ursprung liegen mag, dieser vernachlässigte Schatten kann sich in boshafter Sprache und böswilligen Handlungen äußern, die andere gefährden und der Sache schaden.

Manche von uns, die sich für soziale Gerechtigkeit engagieren, sind gegenüber dem, was in der eigenen Psyche geschieht, ungeheuer naiv.

Oft finden wir im Widerstand gegen das Böse unsere Identität. Auf diese Weise können wir dann mit uns selbst zufrieden sein: Schließlich müssen wir doch, wenn wir uns gegen das Böse stellen, selber gut sein. (…)

Die Tatsache, dass der Widerstand gegen gesellschaftliche Übel das Böse in der eigenen Seele entfacht, darf nicht dazu führen, dass wir die äußeren Kämpfe vermeiden. Diese Kämpfe sind vielleicht die einzige Möglichkeit, die innere, spirituelle Arbeit zu entdecken, die unser Schicksal von uns verlangt.“ (…)

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9. Einladung zum IPPNW-Kongress mit Schwerpunkt Ukraine 29. April 2022 – 01. Mai 2022

https://www.ippnw.de/aktiv-werden/termine/ippnw-jahrestreffen.html

Friedensnobelpreisträger-Organisation IPPNW lädt zum Kongress in Hamburg

Im Mittelpunkt des IPPNW-Kongresses steht der völkerrechtswidrige russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Die Drohung von Russlands Präsident Putin mit Atomwaffen führt die Menschheit an den Rand eines Atomkrieges – die Gefahr ist so hoch wie während der Kubakrise.

Damit ist das Gründungsthema der IPPNW von vor 40 Jahren wieder hochaktuell.

In Vorträgen, Diskussionen und mit einer Protestaktion im Hamburger Hafen, thematisieren wir die Folgen von Waffenlieferungen, den Abbau von Feindbildern und Möglichkeiten zur Deeskalation.

Wo:

Kassenärztliche Vereinigung, Humboldtstraße 56, 22083 Hamburg

Wann:

29. April 2022 – 01. Mai 2022

Höhepunkte des diesjährigen Kongresses sind zwei Vorträge geladener Referent*innen zum Ukrainekrieg und eine öffentlichkeitswirksame und bildstarke Protestaktion am Hamburger Hafen.

Dazu möchten wir Sie herzlich einladen:

29. April, 20.00-22.00 Uhr, Ute Finckh-Krämer: Die ehemalige Bundestagsabgeordnete und Mitglied der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung geht in ihrem Vortrag „Feindbilder abbauen – Entspannungspolitik jetzt!“ auf die Möglichkeiten nach friedlichen Konfliktlösungen in einer multipolaren Welt ein

30. April, 10.00-11.00 Uhr, Andreas Zumach: Der langjährige UNO-Korrespondent der taz und Experte für internationale Beziehungen spricht in seinem Vortrag „Krieg in der Ukraine – welche Möglichkeiten für eine Deeskalation und eine europäische Friedensordnung gibt es?“ über die Hintergründe und denkbare Folgen des Konflikts.

01. Mai, 12.00 Uhr: Barkassenfahrt zum Thema Rüstungsexporte als öffentlichkeitswirksame Aktion. Anlegestelle unseres „Diplomats“ ist das Hafentor neben der Landungsbrücke 1 und Rickmer Rickmers.