Liebe Friedensinteressierte,
nachfolgend sende ich einige Artikel zu den Kriegen in der Ukraine und in Westasien sowie zum Thema Militarisierung in Deutschland - auch heute mit dem Hinweis, dass ich nicht mit allen Aussagen aller Artikel übereinstimme, die folgenden Beiträge aber für wichtig halte.
1. Ukraine-Krieg im Liveticker
2. Focus: Gabor Steingart: Westen führt Selbstgespräche: Die 6 wichtigsten Lehren aus dem Berlin-Gipfel
3. Berl. Z.: Offener Brief von Jeffrey Sachs: „Lernen Sie Geschichte, Herr Bundeskanzler!"
4. Berl. Z.: Peter-Alexis Albrecht: Die Chance auf Frieden nutzen
5. Tagesspiegel: Warum fliehen derzeit so viele ukrainische Soldaten aus der Armee?
6. FR: Brisanter Bericht: NATO-Land sieht Trumps USA als Risiko
7. IPG: Helmut W. Ganser: Europa, bleib nüchtern! Wie die Europäer auf Trumps neue Sicherheitsstrategie reagieren sollten.
8. IPG: Merz' erster Besuch bei Netanjahu steht für Zögern. So verspielt der Kanzler eine wichtige Chance auf glaubwürdige Israel-Politik. Völkerrecht adé
9. FR: Eva Menasse fragt – Wer ist es wirklich, der nicht diskutieren will?
10. paxchristi: Nein zum Operationsplan Deutschland und zur Instrumentalisierung der Kirchen
11. IPG: Diebstahl an der Zukunft. Gefährlich und kurzsichtig: Warum die Militarisierung Deutschlands keine industriepolitische Lösung ist.
12. BSV: Wehrhaft ohne Waffen
13. ZDF: Die Anstalt: Weihnachten, aber normal
14. paxchristi: Auf den Spuren von Jesus von Nazareth - pax christi ruft zu einem Weihnachtsfrieden im Krieg in der Ukraine auf
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1. Ukraine-Krieg im Liveticker
Ukraine-Krieg im Liveticker 17.12.2025
13:18 Putin: Moskaus Ziele in der Ukraine werden "mit Sicherheit" erreicht Russlands Präsident Wladimir Putin zeigt sich entschlossen, Moskaus Ziele in der Ukraine durchzusetzen. "Die Ziele der militärischen Spezialoperation werden mit Sicherheit erreicht", sagt Putin vor Vertretern des Verteidigungsministeriums in Moskau. Dabei bezieht er sich insbesondere auf Russlands Gebietsansprüche in der Ukraine. (...)
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11:44 Kreml: Ausländische Soldaten in Ukraine Gegenstand von Verhandlungen Der Kreml sieht eine Stationierung ausländischer Truppen in der Ukraine als Gegenstand von Verhandlungen. Die russische Position zur Stationierung sei bekannt, betont Kremlsprecher Dmitri Peskow. "Aber noch mal, das ist Thema der Verhandlungen", fügt er hinzu. Er lässt offen, welche Verhandlungen gemeint seien und sagt dabei nicht, dass Russland bereit sei, über Truppen aus Nato-Staaten zu sprechen. (...)
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2. Focus: Gabor Steingart: Westen führt Selbstgespräche: Die 6 wichtigsten Lehren aus dem Berlin-Gipfel
Gastkommentar von Gabor Steingart Westen führt Selbstgespräche: Die 6 wichtigsten Lehren aus dem Berlin-Gipfel Dienstag, 16.12.2025, 10:05
Die europäischen Regierungschefs um Friedrich Merz sowie Donald Trump feiern sich für die Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg. Dabei saß Russland gar nicht mit am Tisch. So hätte der Gipfel in Berlin besser laufen können.
Wahrheit gibt es nur zu zweien – es sei denn, man lädt den Andersdenkenden gar nicht erst ein. Unter dieser Prämisse konnte heute Nacht über dem Kanzleramt "ein Zeichen der Hoffnung" ("FAZ") ausgemacht werden. Denn, so die "Süddeutsche": "Europa steht an der Seite der Ukraine." (...)
Fazit: Wer die heutigen Zeitungsseiten liest, die unisono die angebliche Geschlossenheit Europas bejubeln, könnte meinen, die Presse in Deutschland sei verstaatlicht worden. Eine mehrschichtige Wirklichkeit wird in die regierungsfreundliche Eindimensionalität gezwungen. Die unbequeme Wahrheit: Kerneuropa und Trump haben bisher keine Friedensverhandlungen geführt, sondern Selbstgespräche.
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3. Berl. Z.: Offener Brief von Jeffrey Sachs: „Lernen Sie Geschichte, Herr Bundeskanzler!"
Dokumentation Offener Brief von Jeffrey Sachs: „Lernen Sie Geschichte, Herr Bundeskanzler!"
Der amerikanische Ökonom Jeffrey Sachs zeigt Friedrich Merz Wege auf,
wie Diplomatie den Krieg in der Ukraine beenden könnte. Der Brief im Wortlaut.
Jeffrey D. Sachs
17.12.2025 17.12.2025, 13:03 Uhr
Offener Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz
Sicherheit ist unteilbar – und Geschichte zählt
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Merz,
Sie haben wiederholt von Deutschlands Verantwortung für die europäische Sicherheit gesprochen. Diese Verantwortung lässt sich nicht durch Parolen, selektive Erinnerung oder die Normalisierung von Kriegsrhetorik ersetzen. Sicherheitsgarantien sind keine Einbahnstraßen.
Sie wirken in beide Richtungen. Dies ist weder ein russisches noch ein amerikanisches Argument; es ist ein Grundprinzip der europäischen Sicherheit, das explizit in der Schlussakte von Helsinki, dem OSZE-Rahmen und jahrzehntelanger Nachkriegsdiplomatie verankert ist.
Deutschland ist verpflichtet, diesem Moment mit historischem Ernst und Ehrlichkeit zu begegnen. In dieser Hinsicht bleibt Ihre jüngste Rhetorik gefährlich hinter den Erwartungen zurück. (...)
Mit freundlichen Grüßen,
Jeffrey D. Sachs Universitätsprofessor, Columbia University
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4. Berl. Z.: Peter-Alexis Albrecht: Die Chance auf Frieden nutzen
Mittwoch, 10. Dezember 2025, Berliner Zeitung
Die Chance auf Frieden nutzen
Der Ukraine-Konflikt kann nur enden, wenn man die Vergangenheit versteht und die Schlüsse daraus umsetzt.
Ein Gastbeitrag Peter-Alexis Albrecht
In drei zeitlichen Schritten beschreibt der Jurist Peter-Alexis Albrecht einen möglichen Weg zu einer Friedenslösung in der Ukraine. Zuletzt war von ihm und Herwig Roggemann das Buch „Die Ukraine im zerstörerischen Zugriff globaler Machtpolitik. Erfahrungen, Analysen, Aufklärung und Hoffnung" erschienen.
Die Vergangenheit: Erosionen des Vertrauens statt konstruktivem Miteinander
Bis 1990 war die Ukraine integraler Bestandteil der Sowjetunion, politisch, militärisch und ökonomisch. Wichtige Industrie- und Wirtschaftsmetropolen lagen auf ihrem Territorium, eingebettet in die arbeitsteilige Struktur der sowjetischen Planwirtschaft.
Der Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums um 1990 ist global nie hinreichend aufgearbeitet worden. Er führte nur zu scheinbaren Siegern und faktischen Verlierern. Eine für Ost und West gebotene gemeinsame Sicherheitsordnung erstickte im Dominanzstreben um militärisch abgesicherten ökonomischen Machtzuwachs des Westens. (...)
Peter-Alexis Albrecht hatte bis zu seiner Emeritierung 2011 am Institut für Kriminalwissenschaften und Rechtsphilosophie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main die Professur für Kriminologie und Strafrecht inne.
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5. Tagesspiegel: Warum fliehen derzeit so viele ukrainische Soldaten aus der Armee?
https://www.tagesspiegel.de/internationales/die-meisten-machen-sich-nach-der-ausbildung-aus-dem-staub-warum-fliehen-derzeit-so-viele-ukrainische-soldaten-aus-der-armee-15031622.html „Machen sich nach der Ausbildung aus dem Staub": Warum fliehen derzeit so viele ukrainische Soldaten aus der Armee? Zunehmende Ausreisen junger Ukrainer machten zuletzt Schlagzeilen. Doch das Problem der Desertionen ist größer – offenbar sogar im Vergleich zu Russland. Ein Blick auf Zahlen und Ursachen.
Von Tobias Mayer Stand: 11.12.2025, 10:57 Uhr
Junge ukrainische Männer verlassen in Scharen ihr Land. Das ist nachvollziehbar, denn ab 25 Jahren kann man in der Ukraine zum Kriegsdienst verpflichtet werden. Wer eingezogen wird, muss schlimmstenfalls mit Tod oder Verwundung rechnen; in jedem Fall aber wird der Krieg an Körper und Seele seine Spuren hinterlassen.
Dieser Tage mag der lebensgefährliche Fronteinsatz in den Augen vieler Männer sogar noch sinnloser wirken, da ein durch Russland und die USA aufgezwungener Waffenstillstand droht. (...)
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6. FR: Brisanter Bericht: NATO-Land sieht Trumps USA als Risiko
https://www.fr.de/politik/brisanter-bericht-nato-land-daenemark-sieht-trumps-usa-als-risiko-zr-94078445.html Brisanter Bericht: NATO-Land sieht Trumps USA als Risiko
Stand: 11.12.2025, 05:54 Uhr Die USA nutzen ihre Stärke als Machtmittel gegen Partner. Es gibt Unsicherheit über die Rolle als Garant europäischer Sicherheit. Das ist beispiellos.
Kopenhagen – Der NATO-Verbündete Dänemark hat in einem jährlichen Risikobericht, der am Mittwoch vom dänischen Verteidigungsnachrichtendienst veröffentlicht wurde, erstmals die Vereinigten Staaten als eine der Sicherheitsbedrohungen benannt, mit denen das Land konfrontiert ist.
In dem Bericht heißt es, dass die USA „ihre wirtschaftliche und technologische Stärke nun als Machtmittel einsetzen, auch gegenüber Verbündeten und Partnern", und dass es „Unsicherheit über die Rolle der USA als Garant der europäischen Sicherheit" gebe. (...)
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7. IPG: Helmut W. Ganser: Europa, bleib nüchtern! Wie die Europäer auf Trumps neue Sicherheitsstrategie reagieren sollten.
Außen- und Sicherheitspolitik 15.12.2025 | Helmut W. Ganser Europa, bleib nüchtern! Wie die Europäer auf Trumps neue Sicherheitsstrategie reagieren sollten.
In der deutschen Debatte über die Konsequenzen der Nationalen Sicherheitsstrategie Trumps ist viel Panik verbreitet worden. Auch weil die Relevanz solcher Grundlagendokumente überschätzt wird.
Nationale wie multilaterale sicherheitspolitische Konzeptionen haben eine Doppelfunktion. Sie sind Mittel der Selbstvergewisserung über den bereits eingeschlagenen Weg und senden zugleich außenpolitische Botschaften.
Meist zeichnen sie jedoch lediglich das nach, was seit einiger Zeit bereits gedacht und getan wird. Die Praxis geht dabei oft der Theorie und Konzeptualisierung voraus. (...)
Helmut W. Ganser, Hamburg
Helmut W. Ganser, Brigadegeneral a.D., war Stellvertretender Leiter der Stabsabteilung Militärpolitik im Verteidigungsministerium, Strategie-Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr und militärpolitischer Berater bei der NATO und bei der UN.
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8. IPG: Merz' erster Besuch bei Netanjahu steht für Zögern. So verspielt der Kanzler eine wichtige Chance auf glaubwürdige Israel-Politik. Völkerrecht adé
Außen- und Sicherheitspolitik 11.12.2025 | Yoav Shemer-Kunz Merz' erster Besuch bei Netanjahu steht für Zögern. So verspielt der Kanzler eine wichtige Chance auf glaubwürdige Israel-Politik. Völkerrecht adé Dr. Yoav Shemer-Kunz ist Politikwissenschaftler an der Universität von Straßburg und EU Advocacy Officer bei B'Tselem – The Israeli Information Center for Human Rights in the Occupied Territories.
Der erste offizielle Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in Israel hätte ein klares Zeichen für Deutschlands prinzipientreue Führungsrolle in einer Zeit setzen sollen, in der internationale Normen stark unter Druck stehen.
Stattdessen offenbarte der Besuch eine beunruhigende Kluft zwischen Deutschlands erklärten Verpflichtungen zu Menschenrechten und Völkerrecht auf der einen Seite und seiner Politik gegenüber der offensichtlichen Verletzung dieser Prinzipien durch die israelische Regierung auf der anderen Seite. (...)
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9. FR: Eva Menasse fragt – Wer ist es wirklich, der nicht diskutieren will?
Eva Menasse fragt – Wer ist es wirklich, der nicht diskutieren will? 14.12.2025, 16:12 Uhr Gesellschaftliche Toleranz und Liberalität nehmen ab, Angriffe zu.
Über die inflationäre Verwendung des A-Vorwurfs.
Von Eva Menasse
14.12.2025, 16:12 Uhr
In Deutschland hängt eine Schallplatte fest, seit vielen Jahren. Aber niemand tritt dagegen, um die arme Nadel zu befreien. Die grässlichen Geräusche halten an, die ständig das A-Wort, einen der schlimmsten Vorwürfe hierzulande, kreischen, gegen vormals unverdächtige Menschen.
Die galoppierende Inflation, mit der es inzwischen in der Manier „jeder gegen jeden" verteilt wird, nimmt ihm dabei nichts von seinem Schrecken. Das ist schon gruselig, denn es scheint um kaum etwas anderes mehr zu gehen, in einer medialen Massenhysterie.
Zuletzt spuckte der kaputte Apparat das A-Wort zusammen mit dem Namen Sophie von der Tann aus, die seit Jahren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aus der Konfliktregion Israel-Palästina berichtet. (...)
Die Autorin
Eva Menasse, geboren 1970 in Wien, ist eine vielfach ausgezeichnete Essayistin und Schriftstellerin, unter anderem hat sie die Romane „Vienna" und „Dunkelblum" vorgelegt. In diesem Jahr erhielt sie den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln.
Sprecherin des neugegründeten PEN Berlin war sie bis November 2024, zusammen mit Deniz Yücel.
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siehe auch:
https://www.arte.tv/de/videos/125537-000-A/disunited-nations-die-uno-und-der-nahe-osten/
Disunited Nations - Die UNO und der Nahe Osten
2025 feiert die UNO ihr 80-jähriges Bestehen – doch statt Jubel herrscht Ernüchterung.
Die Weltorganisation steht im Nahen Osten vor einer ihrer schwersten
Bewährungsproben und Francesca Albanese, die
UN-Sonderberichterstatterin für die Palästinensischen Gebiete,
befindet sich wegen ihrer Vorwürfe des Völkermords in Gaza, im
Kreuzfeuer der Kritik.
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10. paxchristi: Nein zum Operationsplan Deutschland und zur Instrumentalisierung der Kirchen
https://www.paxchristi.de/meldungen/view/5246544565501952/Nein%20zum%20Operationsplan%20Deutschland
Nein zum Operationsplan Deutschland und zur Instrumentalisierung der Kirchen
16. Dez 2025
Kommission Friedenspolitik: "Wir widersetzen uns einem Aufrüstungsimperativ"
Die pax christi-Kommission Friedenspolitik widerspricht dem
sogenannten „Operationsplan Deutschland", der die innere Aufrüstung
gegen eine Bedrohung seitens Russlands und Chinas propagiert.
Der Operationsplan Deutschland ist Teil der immensen militärischen
Aufrüstung in der Folge des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine
von 2022. Wesentlicher Teil des Operationsplans wird das am 10.09.2025
vom Bundeskabinett beschlossene „Dachgesetz zur kritischen
Infrastruktur", kurz „KRITIS", sein. Dieses soll die EU-Richtlinie
2022/2557 „CER" umsetzen.
Das „Grünbuch ZMZ (Zivil-Militärische Zusammenarbeit) 4.0" des
„Zukunftsforums Öffentliche Sicherheit", einer Fachgruppierung von
Mitgliedern des Deutschen Bundestags, lässt Rückschlüsse zu auf die
Inhalte des nach wie vor geheimen Operationsplans Deutschland mit
inakzeptablen Zumutungen.
Während das Grünbuch ZMZ 3.0 noch die Hilfe bei Umweltkatastrophen als
Schwerpunkt hatte, geht es beim Grünbuch ZMZ 4.0 um konkrete
Kriegsvorbereitung. Es soll eine schnelle, ungehinderte
Truppenverlegung von West nach Ost (!) ermöglicht werden.
Einseitige „Szenarien" propagieren Feindbilder. Wie beim geplanten
„Gesundheitssicherstellungsgesetz" soll militärischen Kriterien bei
der Frage, wer medizinisch behandelt wird (Triage), Vorzug gegeben
werden.
Die früher, u. a. im Zusammenhang mit dem
EU-Verfassungsvertragsentwurf von 2005, von der Friedensbewegung und
insb. auch von der pax christi-Kommission Friedenspolitik vehement
kritisierte Ausweitung der Zivilen Agenda auf militärische
Komponenten, hat sich ins Gegenteil verkehrt: Heute greift das
Militärische ganz unverhohlen nach dem Zivilen.
Wir widersetzen uns einem Aufrüstungsimperativ, der versucht, Felder
der Zivilgesellschaft zu besetzen, sowie im „Rahmenkonzept Seelsorge
und Akutintervention im Spannungs- und Bündnisfall" sogar die
kirchliche Seelsorge zu instrumentalisieren und dem Militärischen
unterzuordnen.
In der Wortwahl des Titels des auch als „Geistlicher Operationsplan
Deutschland" bezeichneten Rahmenkonzepts verrät sich übrigens deutlich
die Herleitung aus den Notstandsgesetzen von 1968, die auch nach mehr
als 50 Jahren wie ein Fremdkörper im Grundgesetz stehen.
Gemäß Grundgesetz ist jeglicher Einsatz der Bundeswehr im Innern
abzulehnen. Katastrophenschutz lässt sich in bewährter Weise zwischen
Feuerwehr, THW und Polizei koordinieren. Die Verletzlichkeit unserer
Gesellschaften im Bereich der Mobilität, Energieversorgung,
Kommunikation bis zu Geldtransfers, stellt zugegeben eine große
Herausforderung dar. Dieser zu begegnen ist jedoch Aufgabe von Polizei
und Zivilschutz und nicht einer Armee.
Das Bedrohungsszenario, das eine NATO-Politik der Stärke und der
Abschreckung legitimieren soll, verkennt den Ernst der globalen
ökologischen Lage. Sie spielt „russisches Roulette" im Blick auf ein
NATO-Übergewicht des Schreckens, verdeckt die ökonomischen
Herrschafts- und Besitzverhältnisse und macht sich zum Büttel von
Profitinteressen von Rüstungskonzernen und Tech-Milliardären, die
ganze Staaten und Staatenbünde vor sich hertreiben.
Das gängige Bedrohungsszenario ist im Verlauf einer
Eskalationsgeschichte entstanden, an der die NATO auch ihren Anteil
hat. Wir müssen es so klar sagen: Ohne eine Politik des
Interessensausgleichs, von Rüstungskontrollvereinbarungen unter dem
Dach der UN und gemeinsamer Sicherheit mit Russland bzw. China wird es
keine nennenswerte Zukunft in Deutschland, Europa und der Welt geben.
Wir erinnern an die Synode in Görlitz, die 1987 bekannte: „Im Gehorsam
gegen den dreieinigen Gott haben wir unsere Absage an Geist, Logik und
Praxis der Abschreckung ausgesprochen. Denn der Geist der Abschreckung
steht im Widerspruch zum Geist Gottes.
Die Logik der Abschreckung steht im Widerspruch zum Versöhnungshandeln
Christi. Sie zwingt trotz aller ethischen Proteste und vernünftigen
Einsichten zum Wettrüsten. Weil wir Christus nachfolgen, widersprechen
wir der Logik der Abschreckung. Wir bitten, dass Christus uns auf
seinen Weg führt.
Die Praxis der Abschreckung steht im Widerspruch zur Gerechtigkeit
Gottes:
- Sie führt zu einer Militarisierung des Lebens und Denkens.
- Sie vergeudet die materiellen und geistigen Schätze der Menschheit.
Für friedens- statt sicherheitslogisches Handeln ist uns das von Michail
Gorbatschow 1990 beworbene „Gemeinsame Haus Europa" Leitbild. Mit
Gewaltfreiheit, Versöhnungsbereitschaft und Entspannungswillen bedarf
es eines erneuerten OSZE-Prozesses, damit Geist, Logik und Praxis der
Abschreckung zugunsten kollektiver (gemeinsamer) Sicherheit überwunden
werden.
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11. IPG: Diebstahl an der Zukunft. Gefährlich und kurzsichtig: Warum die Militarisierung Deutschlands keine industriepolitische Lösung ist.
Wirtschaft und Ökologie 16.12.2025 | Julian Rossmann Diebstahl an der Zukunft Gefährlich und kurzsichtig: Warum die Militarisierung Deutschlands keine industriepolitische Lösung ist. Der US-Präsident Eisenhower warnte bereits 1953 vor den Kosten der Aufrüstung. „Jede hergestellte Waffe, jedes vom Stapel gelassene Kriegsschiff, jede abgefeuerte Rakete bedeutet letztlich einen Diebstahl an jenen, die hungern und nicht gespeist werden, an jenen, die frieren und nicht gekleidet werden."
In der aktuellen politischen Debatte werden steigende Ausgaben für die Verteidigung bisweilen als „industriepolitische Chance" und Rüstungsinvestitionen als Wachstumsmotor verkauft. Ist das die Zukunftsagenda, die uns aus der Krise retten soll?
Die Transformation unseres Wirtschaftssystems in eine Art Kriegswirtschaft wird weder die deutsche Industrie nachhaltig beleben noch die eigentlichen Ursachen der industriellen Krise lösen. (...)
Julian Rossmann Brüssel
Julian Rossmann hat Politikwissenschaften an der Universität Wien studiert. Derzeit arbeitet er im EU-Büro der FES in Brüssel. Politisch aktiv ist er bei der Federation of Young European Greens.
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siehe auch:
https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/ezb-aufruestung-kaum-wachstum-li.10010410 EU-Verteidigungspolitik EZB zerlegt EU-Narrativ: Aufrüstung bringt kaum Wachstum
Auf Anfrage des BSW-Europaabgeordneten Fabio De Masi warnt EZB-Chefin
Christine Lagarde vor den wirtschaftlichen Risiken der Aufrüstung.
16.12.2025
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12. BSV: Wehrhaft ohne Waffen
https://soziale-verteidigung.de/wehrhaft-ohne-waffen/
Wehrhaft ohne Waffen Die Kampagne „Wehrhaft ohne Waffen" ist ein offenes, parteipolitisch, weltanschaulich und konfessionell unabhängiges Netzwerk von Einzelpersonen und Organisationen in Deutschland, die das Handlungskonzept Soziale Verteidigung als Anwendungsfall der Gewaltfreien Aktion bzw. des Zivilen Widerstands in besonderen Bedrohungslagen verstehen.
Soziale Verteidigung arbeitet mit der Kraft der aktiven Gewaltfreiheit und gehört zum breiten Repertoire der Zivilen Konflikttransformation mit dem großen Ziel, Gewalt durch friedenslogisches Vorgehen zu überwinden. Sie will
Die wechselseitige Vernetzung der Mitglieder der Kampagne fördern, u. a. durch Zusammenarbeit nach innen und außen sowie durch gegenseitige fachliche Beratung und Unterstützung,
In der Öffentlichkeit den Kenntnisstand über die Notwendigkeit und die Möglichkeiten Sozialer Verteidigung erhöhen und die gesellschaftliche Basis für die Umsetzung und Weiterentwicklung Sozialer Verteidigung in Deutschland verbreitern und
In gesellschaftlichen und politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen für die Soziale Verteidigung und ihren Vorrang, eine Stärkung ihrer Potenziale sowie ihre Ausstattung mit Ressourcen eintreten sowie die Verankerung der Sozialen Verteidigung fördern.
Derzeit bestehende Arbeitsgruppen arbeiten leidenschaftlich an den Modellregionen (Wendland, Oberrhein und Berlin-Moabit), Konzepten der Bildungsarbeit und manchem mehr.
Gerne möchten wir Euch alle einladen, die Kampagne in Euren Netzwerken und an Orten, an denen ihr unterwegs seid, bekannter zu machen und Menschen zu einem Austausch einzuladen. Dafür ist die Kampagne hauptsächlich per E-Mail an info@wehrhaftohnewaffen.de zu erreichen.
Die Kampagne hat auch eine eigene Webseite: https://wehrhaftohnewaffen.de/
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13. ZDF: Die Anstalt: Weihnachten, aber normal
https://www.zdf.de/play/shows/die-anstalt-104/die-anstalt-vom-16-dezember-2025-100 Weihnachten, aber normal
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14. paxchristi: Auf den Spuren von Jesus von Nazareth
pax christi ruft zu einem Weihnachtsfrieden im Krieg in der Ukraine auf
Auf den Spuren von Jesus von Nazareth
17.12.2025
pax christi ruft zu einem Weihnachtsfrieden im Krieg in der Ukraine auf
Papst Benedikt XV schlug im Dezember 1914 die Vereinbarung eines
Weihnachtsfriedens vor. Die verantwortlichen Regierungen und
Waffenschmieden der damaligen Zeit lehnten ab.
Es lag nicht in ihrem Interesse. Nicht so die einfachen Soldaten: Sie
taten das scheinbar Selbstverständliche, das in der Luft lag und für
kurze Zeit in den Zeitungen diskutiert wurde: Sie fraternisierten an
vielen Stellen in sechsstelliger Zahl für einige wenige Tage.
In vielen Erzählungen und Erinnerungen lebt dieses Ereignis weiter.
Auch dass nur einer von sechs Soldaten im Krieg wirklich auf seine
Gegner schießt, weil alle anderen es nicht übers Herz bringen, zeigt
etwas von der Unnatürlichkeit von Kriegen, die, wie Papst Franziskus
immer wieder betonte, stets eine Niederlage für die Menschheit darstellen.
Die temporäre Waffenruhe von 1914 blieb ohne disziplinarische
Konsequenzen, es sollte kein Aufheben davon gemacht werden, da ohnehin
schon genug davon in die Öffentlichkeit gedrungen war. Der Vorfall
wiederholte sich allerdings nicht mehr in den folgenden, noch nahezu
vier schrecklichen Jahren.
Mehr als hundert Jahre nach den Friedensbemühungen des damaligen
Papstes ähnelt der fortdauernde Wahnsinn des Kriegs in der Ukraine dem
Ersten Weltkrieg in vielem und inzwischen auch in der Dauer.
Deshalb appelliert die deutsche Sektion der Internationalen
Katholische Friedensbewegung pax christi heute im Dezember 2025 an die
russische Militärführung und alle, die auf die Kriegsführung der
Ukraine Einfluss nehmen können, in einer Phase des Kriegs, in der es
zu vermehrten Sondierungen für ein Ende der Kampfhandlungen kommt,
einen Weihnachtsfrieden vom 24. Dezember bis 6. Januar zu praktizieren.
An Weihnachten 1914 waren die Zerstörungen in Nordfrankreich und auch
in der Ukraine noch zu übersehen. Heute liegen in der Ukraine die das
ganze Land überziehenden Kriegsfolgen offen zutage, der
waffentechnische Modernisierungssprung namentlich im Drohnenkrieg
offenbart sich in aller Brutalität.
Umso mehr sollte ein Appell an die in den einfachen Menschen immer
erreichbare Bereitschaft zum Innehalten entlang der
friedensbringenden, menschenfreundlichen Tradition des Weihnachts- und
Geburtsfestes Jesu Christi seine Wirkung tun und die laufenden
Friedensgespräche unterstützen. Die beiden christlich geprägten Völker
sollten nach einer Waffenruhe den Krieg im Neuen Jahr gleich gar nicht
mehr aufnehmen.
Fordern und tun wir das Selbstverständliche und zugleich Subversive,
dem die einfachen Leute immer schon am nächsten standen, dem die
Medienschaffenden und die am Krieg Verdienenden diesseits und jenseits
des Atlantik allerdings viel zu wenig ihre Aufmerksamkeit zukommen
lassen möchten: Selig die Friedensstiftenden, die reinen Herzens sind!
pax christi, Geschäftsführender Vorstand